17. Dezember 2008  00:00

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BahnwÀrterhÀuschen

Der lange Kampf des Don Alfredo

SchrankenwĂ€rter aus Leidenschaft: PensionĂ€r Alfred Konter scheut keinen Konflikt, um sein BahnwĂ€rterhĂ€uschen zu erhalten. Mittlerweile ist es denkmalgeschĂŒtzt - doch fĂŒr "Don Alfredo" ist noch lange nicht der letzte Vorhang gefallen.

Von Katharine Linges

Die Klinke des weißen Gartentörchen quietscht leise. „Konter“ steht neben der Klingel. Ein Druck genĂŒgt, und wenige Sekunden spĂ€ter öffnet Alfred Konter die HaustĂŒr. Ein schwarzer Hundekopf drĂ€ngt sich an seinen Beinen vorbei. Jagdterrier Sammy freut sich ĂŒber Besuch mindestens genauso wie sein Herrchen.

Als Rangierer, Heizer und Zugbegleiter hat Konter bereits gearbeitet, bis er nach einem schweren Arbeitsunfall an die Schranke versetzt wurde. Dort begann schließlich die Leidenschaft seines Lebens. „28 Jahre lang habe ich gekĂ€mpft“, fasst der 79-JĂ€hrige zusammen. Aufrecht sitzt er auf seinem gelben Sofa, eine Hand auf dem Schoß zusammengeballt. Es geht um sein Spezialthema: das alte BahnwĂ€rterhĂ€uschen an der Horster Straße. Zehn Jahre lang arbeitete er dort als SchrankenwĂ€rter – bis der Abrissbeschluss gefasst wurde.

:: ZĂ€he Verhandlungen ::

Zweimal stand der Bagger vor dem HĂ€uschen, bereit zum Abreißen, erzĂ€hlt Alfred Konter und runzelt die Stirn. Die BegrĂŒndung der Bahn: die ArbeitsplĂ€tze an der handbetriebenen Schranke seien unrentabel, sollten wegrationalisiert werden. Ein Schienenkontakt könne den Zugverkehr fortan regeln. FĂŒr Konter ist das undenkbar: „Das hĂ€tte eine enorme Gefahr bedeutet. Sicherheit fĂŒr den Straßenverkehr und die ZĂŒge ist wichtiger als Geldsparen!“

Wie so oft in seinem Leben setzt er sich durch, nimmt LohnkĂŒrzungen und Versetzungen in Kauf. Bald ist er nur noch als „Don Alfredo“ bekannt, eine wahre KĂ€mpfernatur. „FĂŒnf ArbeitsplĂ€tze an der Schranke sind erhalten geblieben“, sagt Konter stolz und nimmt seine schwarze Brille von der Nase. Und auch den zweiten Kampf vor acht Jahren gewinnt er: Das BahnwĂ€rterhĂ€uschen wird unter Denkmalschutz gestellt und seitdem vom Regionalverband Ruhr (RVR) finanziert.

:: Reparieren, Streichen, Dekorieren ::

Die HĂ€nde in den Schoß legt Don Alfredo deshalb noch lange nicht. Dreimal die Woche fĂ€hrt er zu seinem HĂ€uschen, repariert, streicht, dekoriert. Und empfĂ€ngt Besucher. Viele Radfahrer aus der Umgebung nutzen das HĂ€uschen im Sommer als Ausflugsziel. „Sogar Russen und Amerikaner waren schon hier und wollten meine Geschichten hören“, erzĂ€hlt der 79-JĂ€hrige und schiebt den ĂŒbermĂŒtigen Hund Sammy aus dem Zimmer. Immer wieder wirft der Terrier sich von außen gegen die TĂŒr und winselt. „Der ist genauso hartnĂ€ckig wie ich“, scherzt Konter.

In einer dunkelgrĂŒnen Mappe sammelt er Fotos und Zeitungsausschnitte ĂŒber den Kampf um sein HĂ€uschen. Sogar in der Frankfurter Rundschau gab es schon einen Artikel ĂŒber den „guten Geist“ Don Alfredo. Mittlerweile ist er ein echter Medienprofi geworden. Nur seine Frau Waltraud war anfangs nicht erbaut von seinem Widerstand gegen den Abriss. „Aber ich stand so dahinter, dass ich sie irgendwann ĂŒberzeugen konnte“, berichtet Konter, seine Wangen glĂŒhen förmlich. Es fĂ€llt nicht schwer, ihm zu glauben.

:: Pflege allein ist nicht genug ::

PlĂ€ne fĂŒr die Zukunft schmiedet er im Akkord, schließlich hat er vor, 104 zu werden – natĂŒrlich zu Ehren seiner Schalker. Ein paar Rosenstöcke mĂŒssten noch nachgepflanzt, die SitzflĂ€chen im Innenraum vergrĂ¶ĂŸert werden. „Die Pflegearbeiten fĂŒllen mich einfach nicht aus, da kommen mir beim Rumsitzen die ganzen Ideen“, so Konter. Immerhin kann er schon mal die Vorbereitungen fĂŒr ein besonderes Fest treffen. Im April feiert der tatkrĂ€ftige Don Alfredo seinen 80. Geburtstag – vielleicht sogar im BahnwĂ€rterhĂ€uschen, stets mit seinem Motto im Hinterkopf: „Willst Du guter Laune sein, so kehre doch bei Don Alfredo ein“.



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SchrankenwĂ€rter hatten die Aufgabe, die Schranken an BahnĂŒbergĂ€ngen zu schließen, sobald sich ein Zug nĂ€herte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie weitgehend von elektronischen Kontaktanlagen abgelöst.

In der Winterzeit ist Don Alfredo dienstags, donnerstags und samstags im BahnwĂ€rterhĂ€uschen anzutreffen, Horster Straße 286.

Don Alfredo zufrieden im heimischen Wohnzimmer - doch er hat noch lange nicht genug.

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Der quirlige Terrier Sammy ist genauso hartnÀckig wie sein Herrchen

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