10. Dezember 2008  00:00

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Kaffe-Rösterei

"Ein unbeschreiblicher Duft"

Es duftet nach frischem Kaffee – richtig frischem Kaffee. Peter Ullrich (50) steht hinter der Theke, bereitet eine Tasse vor. In seiner Buerschen Kaffeerösterei Odiba Coffee kommt aber nicht jede Bohne in den Kaffee. Die noch grĂŒn angelieferten Bohnen werden vor Ort geröstet.

Von Julia Philipp

Eine nostalgische große Röstmaschine steht neben der EingangstĂŒr. Schwarzes und rotes Holz, goldene BeschlĂ€ge – „das ist ein Sechs-Kilo-Trommeröster“, sagt Ullrich.

Bei 195° bis 200° C, „niedrigen Temperaturen“, so der 50-JĂ€hrige, werden die frischen Kaffeebohnen geröstet. „In der Industrie ist die Temperatur wesentlich höher und sie werden nur kurz geröstet“, sagt Ullrich. Dabei lĂ€sst er die Bohnen durch die Hand gleiten.

:: Keine SĂ€ure mehr ::

In Buer rösten die Bohnen dagegen 15 bis 25 Minuten. Mit einem großen Vorteil fĂŒr den Kaffeetrinker. „Das zerstört die Chlorogen-SĂ€ure, die auf den Magen geht“, erklĂ€rt Ullrich. Sodbrennen ade.

:: Buersche Mischung ::

Elf Sorten haben Ullrich und sein GeschĂ€ftspartner Rainer Baldes (48) im Angebot. Der sĂ€ckeweise aus Hamburg angelieferte Kaffee wird im Laden zum heißen GetrĂ€nk aufgebrĂŒht. Auf der anderen Seite, umgeben von großen Fenstern, stehen mehrere kleine Tische, dekoriert mit kleinen Blumentöpfen.Den zum Kaffee passenden Kuchen gibt es natĂŒrlich auch.

:: Eigene Mischung ::

Die gemahlenen Bohnen können aber auch fĂŒr den heimischen Gebrauch gekauft werden. Das Angebot reicht von den „Elefantenbohnen“, dem Maragogype-Kaffee aus Guatemala, bis hin zur eigens kreierten „Buerschen Mischung“. Vier Sorten hat der BuerBoss gemischt, um daraus einen mittelkrĂ€ftigen Koffeinschub zu machen.

WÀhrend er von "seinem" Kaffee erzÀhlt, wandert sein Blick immer wieder durch das kleine Cafe. Eine Mutter mit Kinderwagen setzt sich gerade an einen der Tische, Ullrich nickt ihr freundlich zu.

:: GerÀusche wie eine Waschtrommel ::

Ein- bis zweimal pro Woche werden die unterschiedlichen Bohnen geröstet. Das hört sich dann an wie eine Waschtrommel, erzĂ€hlt Ullrich, und klopft auf die Maschine. Zwischendurch ĂŒberprĂŒft er, wie gut die Bohnen schon geröstet sind. „Die letzten Sekunden sind entscheidend“, sagt er. Nach dem Rösten mĂŒssen sie sofort mit kalter Luft gekĂŒhlt werden.

:: Erst abkĂŒhlen und ausgasen ::

Dann sofort trinken? Nein, sagt der Kaffeeexperte. Die dann dunklen Bohnen werden noch zwölf Stunden gelagert, in denen sie „ausgasen“. „Dann entsteht der Kaffeeduft, ein unbeschreiblicher Duft“, schwĂ€rmt Ullrich. Der zieht dann durch das kleine CafĂ©, das dekoriert ist mit ganz vielen alten KaffeemĂŒhlen zum Mahlen per Hand. „Eine davon ist von meiner Mutter, von ihrer Hochzeit 1947“, erzĂ€hlt er, und nimmt eine der kleinen AntiquitĂ€ten vorsichtig in die Hand.

:: Vom Schriftsetzer zum Kaffeeröster ::

Zum Kaffeerösten kamen er und sein Partner eher durch Zufall. Ullrich ist gelernter Schriftsetzer. Dann wurden in seinem Betrieb Stellen abgebaut, der 50-JĂ€hrige verlor seinen Job. Vor zehn Jahren hatten die GeschĂ€ftspartner einen Bericht ĂŒber kleine Röstereien gesehen.

:: Vom Hobby zum Beruf ::

Ein Hobby, das sie dann zum Beruf machten. Im Juli bauten sie eine frĂŒhere Buchhandlung am Goldbergplatz um, am 22. August dieses Jahres eröffneten sie ihre Rösterei. „Bis zu den 70er Jahren gab es 3000 Röstereien in Deutschland. Dann kamen die großen Firmen. Aber jetzt gibt es wieder mehr, ungefĂ€hr 300“, erzĂ€hlt Ullrich. Immer wieder schaut er zur Theke, eine Besucherin hat gerade einen Latte Macchiato bestellt.

:: "Das hat noch gefehlt" ::

Die Kunden schĂ€tzen das Angebot. So frisch ist der Kaffee nirgendwo, das wissen sie. Die schlechten grĂŒnen Bohnen sortieren Ullrich und Baldes sogar noch per Hand aus. „Anfangs war es etwas schwierig“, sagt Ullrich. Kunden bedienen war fĂŒr ihn etwas ganz Neues. Aber die Besucher des kleinen CafĂ©s gaben ihm schnell Recht. „Sie sagen 'So was hat in Buer noch gefehlt'“, sagt er.

:: Verbunden mit Buer ::

Ob es sich auch finanziell lohnt, weiß der 50-JĂ€hrige noch nicht. „Das lĂ€sst sich nach vier Monaten noch nicht richtig sagen.“

Aus welcher Sprache „Odiba“ eigentlich genau stammt, weiß er nicht. „FĂŒr uns heißt es Genuss“, sagt er.

Die Verbundenheit mit Buer zeigt sich ĂŒbrigens nicht nur in der eigens kreierten Stadtteil-Mischung. Die Buersche Linde ziert nĂ€mlich das Logo von Odiba Coffee, der Buerschen Kaffeerösterei.



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Die „Elefantenbohnen“ zaubern einen milden und bekömmlichen Kaffee in die Tasse. Es ist die teuerste Bohne der kleinen Rösterei. Ihren Namen tragen die Bohnen, weil sie grĂ¶ĂŸer sind als alle anderen Sorten. 250 Gramm des besonderen Kaffees fĂŒr zu Hause kosten 4,95 Euro.

Wer den Kaffee erst probieren möchte, kann in der Rösterei vorbeischauen. Jeden Tag verwenden Ullrich und Baldes eine andere Sorte fĂŒr den im CafĂ© servierten Kaffee. Odiba Coffee findet sich am Goldbergplatz direkt neben der Volksbank.

Peter Ullrich vor dem HerzstĂŒck von Odiba Coffee - der nostalgischen Röstmaschine. Wenn die Bohnen rösten, kontrolliert er ihren Zustand persönlich.

Viele kleine, alte KaffeemĂŒhlen zieren den Laden.

In großen SĂ€cken werden die noch grĂŒnen Bohnen angeliefert. Sie stammen aus Guatemala, Brasilien und Afrika.

Die Röstmaschine fasst sechs Kilo der Bohnen. 15 bis 25 Minuten dauert es, bis sie dunkelbraun sind.

Peter Ullrich und Rainer Baldes haben die Buersche Kaffeerösterei im August eröffnet.

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