17. November 2008  00:00

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Steinmetz Malte Suttmeyer

„Möglich ist, was gefĂ€llt“

Eine feine Staubschicht bedeckt den Boden der Werkstatt von Steinmetz Malte Suttmeyer, ein abgegriffener Meißel liegt neben einem halbfertigen Stein. Einige Buchstaben der Inschrift sind schon zu erahnen. Der 26-JĂ€hrige verdient seinen Lebensunterhalt damit, einzigartige Andenken an Verstorbene herzustellen.

Von Katharine Linges

November – die dunkle Jahreszeit breitet sich aus. Im GepĂ€ck: KĂŒrzere Tage, Winterblues und fĂŒr viele Menschen auch die Gelegenheit, ihrer Verstorbenen zu gedenken.

FĂŒr Buerboss Malte Suttmeyer beginnt in diesen Tagen die „Hauptsaison“ auf dem Hauptfriedhof: Schließlich steht am 1. November Allerheiligen vor der TĂŒr. Am höchsten christlichen Feiertag besuchen viele Menschen die GrĂ€ber ihrer Verwandten und Bekannten. Kleinere Reparaturen und Ausbesserungen auf dem herbstlichen Friedhof stehen in dieser Zeit ganz oben auf seiner To-Do-Liste.

:: Skizzieren, meißeln, gestalten ::

Sein TagesgeschĂ€ft beschrĂ€nkt sich jedoch nicht nur auf die Friedhofsarbeit. Mehr Zeit verbringt Suttmeyer mit Hammer und Meißel in seiner Werkstatt. „Die Friedhofssatzungen sind gelockert worden. Jetzt haben wir grĂ¶ĂŸere Freiheiten, zum Beispiel bei Form, Farbe und Material“, erklĂ€rt Suttmeyer und wischt ein wenig Staub von einem hell marmorierten Grabmal.

Im Alltag ist es fĂŒr Suttmeyer allerdings eher die Ausnahme, einen Grabstein von Grund auf selbst zu gestalten. „In etwa fĂŒnf Prozent der AuftrĂ€ge beginne ich ganz von vorn, also bei der Skizzenzeichnung und PrĂ€sentation“, erklĂ€rt der 26-JĂ€hrige. „GĂ€ngiger “ sei es da schon, die Inschrift zu meißeln oder ausgesuchte Symbole auszuarbeiten. „Beliebt sind christliche Motive wie die betenden HĂ€nde oder Alpha und Omega. GrundsĂ€tzlich ist aber alles möglich, was gefĂ€llt“, sagt der Steinmetz.

:: Beratung wird groß geschrieben ::

Nebenan im freundlich dekorierten Ausstellungsraum empfĂ€ngt Suttmeyer Angehörige zu BeratungsgesprĂ€chen. Etwa die HĂ€lfte von ihnen bringt schon konkrete Vorstellungen zum ersten Termin mit. „Die andere HĂ€lfte ist natĂŒrlich weitaus interessanter fĂŒr mich“, sagt er lĂ€chelnd. Ein Teelicht im Schaufenster ist ausgegangen. Ruhig zĂŒndet er es wieder an. Ein warmer Schein breitet sich ĂŒber den AusstellungsstĂŒcken aus. Die WĂŒnsche der Angehörigen sind ihm besonders wichtig: „Der Stein soll ja nicht nur den WĂŒnschen des Verstorbenen entsprechen, sondern auch fĂŒr die Hinterbliebenen ein Denkmal sein.“

:: DigitalitÀt und Einheitsbrei ::

Vielfalt ist dem Steinmetz zwar wichtig, doch wie reagiert er auf den Trend zu digitalen Grabsteinen? „Witzige Idee“, findet Suttmeyer. DigitalitĂ€t macht einen Stein sehr individuell. Angehörige können Fotos und Musik auf einem Bildschirm ansehen und -hören, die sie mit dem Verstorbenen verbinden. Trotzdem kann er sich nicht vorstellen, dass sich die Kunststoff-Grabsteine mit MP3-Funktion durchsetzen werden. "Dazu sind viele Menschen zu traditionsbewusst", glaubt er.

Viel trostloser sind fĂŒr den Steinmetz- und Bildhauermeister sogenannte „Dauergepflegte Gemeinschaftsgrabfelder mit Kennzeichnung“: Hinter dem sperrigen Begriff verbergen sich fußballplatzgroße RasenflĂ€chen, auf denen Angehörige eine GrabstĂ€tte kaufen können. Die Pflege ĂŒbernimmt die Stadt. „Die Angehörigen können gerade noch ĂŒber den Text auf dem Stein entscheiden, alle anderen Details wie GrĂ¶ĂŸe und StĂ€rke sind vorgegeben.“

:: “Garten der Erinnerung“ ::

Suttmeyers Antwort: Der „Garten der Erinnerung“, zwar ebenfalls eine dauergepflegte GemeinschaftsgrabflĂ€che, allerdings einzigartig in seiner Gestaltung. Den Mittelpunkt auf der GrabflĂ€che in Buer bildet das „Tor zum ewigen Leben“, ein Natursteintor mit Brunnen und Skulpturen des Bueraner KĂŒnstlers Heinz SchĂ€pers. Individuell gestaltete Grabsteine und ein verschlungener Pfad runden das Bild ab „Wir wollten einen außergewöhnlichen Ort zum Trauern und Erinnern schaffen“, so Suttmeyer.

Das ist ihm fabelhaft gelungen – möglich ist eben, was gefĂ€llt.



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In Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Gelsendienste konnte der "Garten der Erinnerung" gestaltet werden. Die Idee dahinter: Einen neuartigen und wĂŒrdevollen Ort zum Trauern und Erinnern schaffen. Skulpturen und individuell gestaltete Grabsteine sorgen fĂŒr eine besondere AtmosphĂ€re.

Steinmetz Malte Suttmeyer mit einem AusstellungsstĂŒck

Einblick in die Werkstatt

Schriftproben erleichtern den Angehörigen die Auswahl

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