31. Oktober 2016  00:00

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Missverstanden

Das Dilemma des Horror-Clowns

Der 31. Oktober: Der einzige Tag an dem Angst und Schrecken zum guten Ton gehören. Wer sich schon vorher an der Freude des Leids bedient, der wird verurteilt. Wieso der arme Horror-Clown nicht versteht, warum ihn jeder hasst.

Von Svenja Helmers

Der Horror-Clown. So wird er abschĂ€tzend genannt. Doch dass diese Figur, die sich mĂŒhsam verkleidet und dem langweiligen Clown ein neues Image verpassen will, nur gutes im Sinn hat, das fĂ€llt keinem ein. Wo doch eigentlich alle Seiten bei diesem Trend nur gewinnen können.

Kinder lernen endlich, wie sie sich wirklich selbst verteidigen. Und bei langweiligen SpaziergĂ€ngen durch den Park oder den Wald, wird zur Abwechslung ein wenig Nervenkitzel geboten. Außerdem kann doch keiner leugnen, dass ihm das lustige Quietschen ein LĂ€cheln ins Gesicht zaubert, wĂ€hrend er dem Clown auf seine rote Nase haut.

Bereits seit den 1980er Jahren versuchen diese Menschen in ihrer unendlichen Weisheit, die sie mit einer solchen Berufung garantiert besitzen, dem Clown aus seinem langweiligen und ausgelutschten Image als Animateur zu helfen. Welches Kind glaubt schließlich heute noch an ein immer glĂŒckliches und lustiges Wesen? Eine Illusion, die sich ebenso lange in Kinderköpfen hĂ€lt, wie etwa der Weihnachtsmann, Osterhase oder die Zahnfee.

Stattdessen will der Clown dafĂŒr sorgen, dass Menschen in dieser gefĂ€hrlichen Welt wissen, wie sie mit der unbekannten Bedrohung umzugehen haben. Eine neue Aufgabe, die im 21. Jahrhundert so nötig gebraucht wird.

Wer will dem Clown also verĂŒbeln, dass er endlich aus seinem lĂ€chelnden GefĂ€ngnis ausbricht und sein wahres Ich ans Tageslicht bringt. Diese Neuerfindung seiner selbst braucht nun einmal mehr Zeit zur Entfaltung, als nur den einen Tag des 31. Oktobers. Denn auch der Clown 2.0 weiß, er ist noch nicht perfekt. Er braucht Übung, um zum Meister zu werden.

Doch selbst heute, an diesem einen Tag, an dem der Horror Programm ist, wird dem Clown der Gar ausgemacht: Jeder Auftritt soll bestraft werden und Innenminister Thomas de MaziĂ©re fordert „null Toleranz“. Und das in einem Staat, der allen Minderheiten gegenĂŒber tolerant und offen sein möchte.

Der Clown, ein diskriminierter und unverstandener Held, der eigentlich nur den Alltag auflockern und den Menschen helfen möchte, sich selbst zu helfen und zu verteidigen. Ein Held, der aus der lĂ€chelnden Maske ausbrechen und den BĂŒrgern die Freude des Erschreckens nĂ€her bringen möchte. Ein Dilemma, dass seit knapp 40 Jahren besteht. Nachdem sich der neue Clown in vielen LĂ€ndern integriert hat, trifft er im doch so verschlossenen Deutschland auf Hass und Widerstand.



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Das PhĂ€nomen des Horror-Clowns trat erstmals in den 1980er Jahren in den USA auf. Erst in diesem Jahr ĂŒberrollt dieser Trend auch Deutschland. Bisher werden im ganzen Land an die 400 FĂ€lle gezĂ€hlt. Menschen, als gruselige Clowns verkleidet, erschrecken SpaziergĂ€nger, attackieren und bedrohen sie. Dabei kommt es nicht selten zu Verletzungen auf beiden Seiten.

Die Horror-Clowns sind schwer zu fassen, da das Erschrecken alleine kein Tatbestand ist. Außerdem können sie meist nicht identifiziert werden.

Am heutigen Abend wird auf vielen Halloween-Feiern die Clowns-Verkleidung aufgrund aktueller Geschehnisse verboten.

Mehr Informationen zu dem PhÀnomen hier.

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