27. Oktober 2016  00:00

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Pegida

Gedichte des Abendlandes

Pegida-SprĂŒche sind Lyrik-Kulturgut

Von Jascha Winking

Wir feiern in diesen Tagen den zweiten Geburtstag der Lyriker-Vereinigung Pegida. Seit dem Weimarer Viergestirn fehlte der Republik eine derart mahnende, poetische Instanz. Diese Sehnsucht eines jeden Deutschen nach lyrischen Vorbildern stillt seit zwei Jahren Pegida. Es ist kein Wunder, dass diese Dichter- und SĂ€ngerknaben ausgerechnet in Dresden ihre neue Heimat gefunden haben, in dieser Stadt, die Schiller und Kumpanen fast fußlĂ€ufig von Weimar aus erreicht hĂ€tten. Und wenn nicht zu Fuß, dann „geschwind zu Pferde!“, wie Goethe einst schrieb.

Dass sich Pegidas Dichtungen vor denen des Viergestirns nicht verstecken mĂŒssen, schreiben die Literatur- und Lyrikkritiker des Landes der Dichter und Denker schon seit geraumer Zeit. Doch wagen wir uns einfach mal an eines ihrer Werke aus dem Jahre 2014.

„LĂŒgenpresse

auf die Fresse“

Befassen wir uns zuerst einmal mit den Reimen. Das Reimschema weiß durch Neues zu glĂ€nzen. Der umarmende Reim („LĂŒgenpresse“/„Fresse“) verknĂŒpft die beiden HerzstĂŒcke des Gedichts unmittelbar miteinander. War Goethe in seiner Schaffenszeit einfach zu dumm fĂŒr Reime („Wie im Morgenglanze/ Du rings mich anglĂŒhst/ FrĂŒhling, Geliebter!“), schaffen es die Neuzeit-Dichter durch ausgefeilte Reimschemata, die Feuilletonisten der großen Zeitungen nachhaltig zu beglĂŒcken.

Doch noch deutlich bemerkenswerter als das ausgefallene Reimschema sind die variablen semantischen Elemente, allen voran das scheinbar banale „Fresse“; dieser vulgĂ€re, umgangssprachliche Ausdruck ist in der zeitgenössischen Dichtung einzigartig. Die lyrische Hegemonie Pegidas wird auf Dekaden nicht zu brechen sein, haben es die Wortakrobaten doch geschafft, die Grenzen der Dichtung in die Alltagssprache zu verschieben. Eine brillante Komposition.

Intellektuell anspruchsvoller, dennoch nicht weniger brillant: „LĂŒgenpresse“. Dieser scheinbar unspektakulĂ€re Ausdruck ist in Wahrheit eine prĂ€chtige Liaison zweier Begriffe, die lange Zeit als Oxymora galten. Doch die Dresdner Dichter haben geschafft, zusammenzufĂŒhren, was zusammengehört.

Der grĂ¶ĂŸte Pluspunkt der Pegida-Dichtung aber ist das Metrum, abendlĂ€ndisch: Versmaß. Wir haben es beim vorliegenden Gedicht mit einem hochanspruchsvollen zweihebigen Jambus zu tun. Dieser gilt bereits seit der Antike als untrĂŒgliches Zeichen fĂŒr innere Zerrissenheit, ĂŒberdurchschnittliche Intelligenz und ein großes Gehirn.

Danke, Pegida, fĂŒr eure Gedichte. Und alles Gute zum Geburtstag.



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