24. Oktober 2016  00:00

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Freihandelsabkommen Ceta

Ceta ist die Lösung des Einkauf-Dilemmas

EU-BĂĽrger sehen im Freihandelsabkommen Ceta eine Gefahr. Dabei geht die wahre Gefahr von Zwiebeln aus.

Von Marlen Hämmerli

Ökologisch soll es sein. Saisonal. Und am besten günstig. Helene Müller (Name geändert, da erfunden) hält ihre Ansprüche an den Wocheneinkauf bewusst niedrig – von den heutigen Einkaufsläden darf man schließlich nicht zu viel erwarten.

Die Auswahl bei den Äpfeln ist gross: Italien, Belgien oder Frankreich. Doch der Bioapfel Jazz aus Neuseeland toppt alles, denn er Frau Müllers drei „Königskriterien“. Äpfel aus Bioanbau

- sind ökologisch, vegan, laktosefrei und frei von jeglichen Zusatzstoffen,

- haben im Herbst Saison,

- sind für 1,99 Euro ein wahres Schnäppchen.

Ein schneller Griff und die Neuseeländer liegen im Einkaufskörbchen. Liebevoll betrachtet Helene Müller ihren Fang. Glänzend liegen die Äpfel da. Lichtreflexe spiegeln sich auf der roten Schale und beinahe wirkt es, als würden die Neuseeländer zurücklächeln. „Garantiert Bio“ steht auf einem Kleber und bestätigen die Familienmanagerin in ihrer Entscheidung. Seit Jahren ernährt sie sich überwiegend biologisch. Mit gutem Grund.

Rote Pickel bilden sich an ihren Händen, wann immer sie konventionelles Obst oder Gemüse zum Kochen verwendet. Ganz zu schweigen von den kratzenden Pusteln rund um den Mund und in dessen Innern. Haus- und Zahnärzte rätselten schon über die Ursachen, erfolglos. Letztlich konnten sie Produkte aus konventioneller Landwirtschaft als Grund nicht ausschließen. Glücklicherweise gibt’s neuseeländische Bio-Äpfel. Vielleicht wird das Bio-Sortiment dank TTIP und Ceta sogar noch ausgeweitet. Wer weiß? Doch Frau Müller bleibt keine Zeit zum Tagträumen. Geschäftig widmet sie sich wieder dem Einkauf.

Als nächstes stehen – der Saison entsprechend – „Zwiebeln“ auf der Einkaufsliste. Gelbe und rote, konventionelle und biologische, spanische und chinesische Zwiebeln liegen in der Auslage. Ihren Grundsätzen folgend, ja ihrer Gesundheit zuliebe, müsste Helene Müller zu den biologischen Zwiebeln aus China greifen. Doch sie zögert. Denn glassklar: China ist gefährlich. Ein Land, dass dabei ist, zur Staatsmacht aufzusteigen, das Ruhrgebiet aufzukaufen und obendrein kommunistisch ist. Solch einen Staat will Frau Müller keinesfalls unterstützen. Nicht mal im Albtraum käme ihr dies in den Sinn.

Helene Müller kauft dann auch nur thailändische Kleider und achtet scharf darauf, dass sich ihr spielsüchtiger Sohnemann weder chinesische Soft-, Hard- noch sonstige Ware zulegt. Bisher waren ihre Bemühungen immer von Erfolg gekrönt gewesen. Die chinesische Glückskatze landete im Müll, ebenso die Hello-Kitty-Tasse ihrer Tochter Sabine. Diese hatte zwar darauf beharrt, Hello Kitty sei japanisch …

Aber egal, welche Zwiebeln sollte sie denn nun kaufen? Und warum bloß sind TTIP und Ceta noch nicht in Kraft? Denn dieses chinesische Problem hätte Helene Müller dann bestimmt nicht.



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