17. Oktober 2016  00:00

Kommentieren

Technologie

Gelsenkirchen wird smart

Huawei macht Gelsenkirchen zur „Smart City“. Dabei mĂŒsste die Stadt erstmal mit der bestehenden Technik klarkommen.

Von Anna Laura Schnieber

Von Einzelpersonen steuerbare Straßenbeleuchtungen, selbstdenkende MĂŒlltonnen und Vertretungsunterricht per VideoĂŒbertragung – all das verspricht Huawei der neuen „Smart City“ Gelsenkirchen. Und zwar in echt, nicht als Idee fĂŒr einen durchschnittlichen Science-Fiction-Film.

Auf der diesjĂ€hrigen CeBIT in Hannover machte OberbĂŒrgermeister Frank Baranowski kurzerhand den Deal klar: das chinesische Elektronikunternehmen stellt die Systeme und kann die Stadt dafĂŒr in Zukunft als Vorzeigeprojekt angeben. Googelt man ĂŒbrigens „Gelsenkirchen“ und „Vorzeigeprojekt“ ist vor allem von Wohnbauten, der Bochumer Straße und einem Kanaluferpark die Rede. Nicht selten steht „gescheitert“ gleich mit in der Schlagzeile.

Aber hey, das waren ja auch völlig andere Kompetenzgebiete. Denn in Sachen IT hat Gelsenkirchen doch die Nase vorn. FĂŒr die wahnwitzige Idee, Teile der Stadt mit kostenlosem W-Lan auszustatten gewann Gelsen-net nĂ€mlich schon den „Smart City Award“ – von Huawei. Die FußgĂ€ngerzone sowie die Zoom Erlebniswelt sind inzwischen versorgt – damit der sonntĂ€gliche Familienausflug nicht zur Hölle fĂŒr die Eltern wird. So können sie fröhlich posten und snappen, wĂ€hrend ihre Kleinen von den Affen beklaut werden. Ein ganz besonderes Schmankerl gab es fĂŒr die Handvoll glĂŒcklicher Pendler, die in den neuen „PowerBus“ der Bogestra zusteigen konnten. In diesem einen Projektbus – und die Betonung liegt auf „einen“ – gab es neben kostenfreiem W-Lan noch ganze zwölf USB-Ladebuchsen obendrauf. Aber eben nur fĂŒr die, die den einen, „goldenen“ Bus finden konnten – irgendwo zwischen Bochum und Gelsenkirchen auf immer anderen Linien.

Vielleicht ist die Kooperation mit Huawei dennoch keine schlechte Idee, ja, vielleicht kann der smarte Riese trotzdem das Busfahren revolutionieren. Wenn sie am Anfang beginnen und nicht gleich in technischen StratosphĂ€ren. Denn mit gemeinsamer Kraft ist es doch schaffen, dass auf den Bildschirmen im Bus endlich dauerhaft die Haltestellen angezeigt werden. Nicht nur auf jeder dritten Fahrt. Oder sie blenden auf den immerweißen Bildschirmen wenigstens Werbung ein. Wie wĂ€re es mit einem Clip einer bekannten chinesischen Technikfirma?

Um sich fĂŒr die freie Werbezeit erkenntlich zu zeigen, schickt Huawei dann einfach noch einen Programmierer vorbei, der den Webauftritt der StadtbĂŒcherei Gelsenkirchen im Jahr 1998 abholt und ins neue Jahrtausend begleitet.

Wenn Gelsenkirchen dann die bestehenden technischen Errungenschaften bedienen kann, dann können wir wieder trĂ€umen vom selbststĂ€ndigen An- und Ausknipsen der Straßenlampen. Davon, nicht an den MĂŒll denken zu mĂŒssen. Nie wieder langweiligen Vertretungsunterricht zu haben. Und danach fĂŒllen wir ganz eigene Wunschlisten: die Bedienung der öffentlichen Toiletten per Augenbewegung, die Berechnung des Kundenaufkommens an der Pommesbude oder einen Dash-Button fĂŒr‘s Stauder?

Hachja.



Bisherige Kommentare

Dieser Beitrag wurde bislang nicht kommentiert.



Artikel kommentieren

Ihr Name? (erforderlich)


Ihre E-Mail-Adresse? (erforderlich, wird nicht veröffentlicht)


Ihr Kommentar?



 
 

InfoBox

Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz