16. Oktober 2016  00:00

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Obergrenze

Bayerische Zaungäste

„Obergrenze“ – Das Lieblingswort der CSU ist zum Politikum geworden. Der Schwabe würde sagen „Desch hat a Gschmäckle", dem Bayer scheints egal zu sein.

Von Niklas Grischka

„Herzlichen Glückwunsch, Sie sind der 200 000. Gewinner"– Hand aufs Herz, wer von uns macht nicht auch Luftsprünge und dreht freudetaumelnd eine Ehrenrunde durchs heimische Wohnzimmer, wenn ihm beim Surfen auf YouPorn und Co. eine solch frohe Botschaft verkündet wird?

Doch was, wenn das heimische Wohnzimmer das Erstaufnahmelager fĂĽr GeflĂĽchtete in Ă–sterreich ist? Zwar ist die Szenerie eine andere, Freudesprung und Ehrenrunde dĂĽrften sich im eisigen SĂĽden Deutschlands im Februar 2015 dennoch so zugetragen haben. Endlich war es so weit: der 200 000. FlĂĽchtling hatte soeben deutschen (na gut, bayerischen) Boden betreten, da springen ihm auch schon die Gutmenschen 2.0 in Form von Seehofer und Scheuer in die Arme. Christlich und sozial wie Deutschland sie kennt, ist der heutige Empfang alles, eben nur kein Pflichttermin. Die BegrĂĽĂźung des letzten FlĂĽchtlings versteht sich als reine Herzensangelegenheit. Fachleute sprechen auch von Personality-PR.

Da steht er also, der 200 000. Flüchtling. Wie ein echter Gewinner sieht er noch nicht aus, so völlig unbeholfen mit den bayerischen Baronen im rechten! Arm. Hinter den Dreien fällt das stählerne Tor des Grenzzauns in seine Riegel. Höflich stellt der junge Herr sich den beiden Herren vor. Dschaber el-Bakr sei sein Name. Die Bilder von klatschenden Menschen an Bahnhöfen kenne er aus dem Fernsehen, doch so herzlich habe er sich die Begrüßung nicht vorgestellt, erzählt der junge Syrer, der von seinem Gewinn noch immer überrascht zu sein scheint.

Auf österreichischer Seite ein weiteres Trio, ebenfalls junge Syrer. Fast wäre einer von ihnen der zufällig auserwählte 200 000. Glückspilz geworden. Niedergeschlagen blicken sie durch die kleinen Quadrate des Zauns, in Richtung des bayerischen Starensembles. Indes zählt Seehofer sichtlich überfordert mit beiden Händen noch einmal durch und setzt einen Haken in sein blau-weiß-karrierstes Mäppchen.

Ein halbes Jahr später

„Das musste doch passieren", „Jetzt habt ihr die Rechnung dafür“ – nur zwei der unzähligen Kommentare unter dem Facebookpost der Tagesthemen zum Terroranschlag in München. Blankes Entsetzen hingegen in einer österreichischen Flüchtlingsunterkunft: Einer des syrischen Trios berichtet mit tränenden Augen völlig aufgelöst von seinem heutigen Traum. Mit einer Dreier-Steckdose habe er einen verdächtigen Landsmann gefesselt und an die Polizei übergeben. Zeitlgeich im Hofbräuhaus München: „Horst, du hast dich verzählt!“, flüstert Scheuer Seehofer noch ins Ohr, ehe dieser vor die Kameras tritt.



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