10. Oktober 2016  00:00

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Syrien-Krieg

Rom oder Aleppo – Hauptsache Italien

Die italienische Hauptstadt hat viel mit der syrischen Metropole gemein.

Von Jascha Winking

Rom ist eine ganz wunderbare Stadt; nicht nur ästhetisch anspruchsvoll, sondern auch historisch maximal bedeutsam. Die Stadt am Tiber gilt als eine der ältesten menschlichen Siedlungen der Welt. Ist es nicht großartig, dass es diese Ansammlung terrakottafarbener Häuser, Paläste und Cafés gibt?

Gäbe es Rom nicht, es gäbe wohl kaum das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofes. Für alle Unwissenden und die, die auf der nächsten Party mit universellem Wissen prahlen wollen, sei hier erklärt: Das Römische Statut ist die offizielle Rechtsquelle der Vereinten Nationen, was Kriegsverbrechen betrifft. Heißt konkret: Wer Kriegsverbrechen begeht, wird vom Internationalen Strafgerichtshof zur Rechenschaft gezogen. Und, das sollte dazugesagt werden, Kriegsverbrecher-Tribunale sind für die Angeklagten meist so spaßig wie das Festlöten der Gehirnrinde sein muss.

Unterschrieben haben das Statut übrigens 123 Länder. Suchen wir uns aus diesen 123 Staaten doch mal zwei Beispiele aus. Im Zufallssystem. Mit verbundenen Augen. Huch, wir haben Russland gezogen. Und noch mal Huch, wen haben wir denn da? Wenn das nicht die Syrer sind. Unterschrieben, „aber nicht ratifiziert“, haben die beiden ziemlich besten Freunde der Weltpolitik das Römische Statut. Böswillige würden sagen: Zur Kenntnis genommen.

Übrigens wird im zauberhaften achten Absatz des Statuts genau erklärt, was ein Kriegsverbrechen ist. Dort heißt es zum Beispiel, bei vorsätzlichen Angriffen auf die Zivilbevölkerung handele es sich um eines. Nur für den Hinterkopf.

Nun aber zurück nach Rom, in diese Stadt, die von Zeit zu Zeit ein Tränchen des Neides verdrückt. Warum? Auch mit der Antwort auf diese Frage kann bei Bedarf wunderbar angegeben werden: Als am längsten kontinuierlich besiedelte Stadt der Menschheitsgeschichte gilt nicht die schöne Italienerin. Auch nicht Istanbul, Konstantinopel oder Byzanz – nein, Aleppo. Heute auch bekannt als Spielwiese der Super-Staatsmänner Putin und Assad, die ihre kompletten Gewaltfantasien am Ost-Teil Aleppos auslassen: ’Ne Fassbombe hier, paar Luftangriffe da „und wenn alles nichts hilft, Baschar, mein alter Freund, wirfste Chlorin drauf“.

Aber Moment, da war doch was mit Rom. Was beide unterschrieben hatten. Vorsätzlicher Angriff auf die Zivilbevölkerung und so. Kriegsverbrechen. Wobei – die 275.000 Menschen, die die Bärenbrüder gerade in Ost-Aleppo niedermähen, zählen die als Zivilbevölkerung? Könnten ja auch alle 275.000 (inklusive der schon vor ihrer Geburt radikalisierten Säuglinge) ausnahmslos Terroristen sein. Oder Rebellen. Oder, und das wäre ja für Putin und Assad am schlimmsten: Römer.



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