21. Mai 2016  00:00

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Markus Dreiseitel

"Mein zweites Wohnzimmer"

Große Fenster, eine leicht kaputte HolztĂŒr und mit Graffiti das Wort "Fuck" an der Wand: das "Lokal ohne Namen" in Buer. Markus Dreiseitel, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Kneipe, bezeichnet es als sein zweites Wohnzimmer. Er kennt die Leute und schĂ€tzt den Charme des Ladens.

Von Hannah Decke

Hellgrauer Pullover, Kurzhaarschnitt und ein leichter Ruhrpott-Dialekt: Er steht mit konzentriertem Gesichtsausdruck hinter dem Zapfhahn und nimmt Bestellungen an. Zwischendurch begrĂŒĂŸt er den ein oder anderen mit einem Handschlag quer ĂŒber die Theke. Es ist vermutlich einer der vielen StammgĂ€ste. Seit Jahren kommen sie hier her. "Das ist fĂŒr viele GĂ€ste, genauso wie fĂŒr mich, ein zweites Wohnzimmer", erklĂ€rt der Mann, der hier schon mehr als sechs Jahre stĂ€ndig hinter der Theke steht.

Markus Dreiseitel wirkt bescheiden, wenn er ĂŒber seine Arbeit in dem "Lokal ohne Namen" in Buer redet. Es scheint, als wĂ€re das alles fĂŒr ihn selbstverstĂ€ndlich. FĂŒnf bis sechs Tage in der Woche kĂŒmmert sich der 32-jĂ€hrige Gelsenkirchener meist den ganzen Tag um die Kneipe auf der Hagenstraße. Seit 2010 ist Markus GeschĂ€ftsfĂŒhrer. "Ich glaube ich habe in den letzten sechs Jahren einmal richtig Urlaub gemacht", erzĂ€hlt er, "und das war letzte Woche". Er grinst.

:: Schon immer ein Gastronom ::

UrsprĂŒnglich arbeitete Markus nach seinem Fachabitur 2003 im Garten- und Landschaftsbau. "Ich habe aber auch schon zu der Zeit nebenbei in der Gastronomie gearbeitet. Im Fliegenpils in Buer, bei Peter", erklĂ€rt er. Er habe schon immer gemerkt, dass diese Arbeit "etwas fĂŒr ihn sei". Auch im Fliegenpils verbrachte Markus sechs Jahre. Als das Angebot aus dem "Lokal ohne Namen" kam, musste er nicht lange ĂŒberlegen. "Ich hatte schon lĂ€nger darĂŒber nachgedacht, vielleicht mal etwas eigenes aufzumachen oder eine Kneipe zu leiten".

Unter Bueraner KneipengĂ€ngern ist das "Lokal ohne Namen" besser bekannt als "das Fuck". Den GĂ€sten war der eingetragene Name der Kneipe wohl etwas zu umstĂ€ndlich. Ein Graffiti mit dem Schriftzug "Fuck" direkt neben der EingangstĂŒr wurde somit prompt zum Spitznamen des Ladens.

"Es gab in meiner Oberstufenzeit zwei LĂ€den in Buer, wo ich gerne hingegangen bin", sagt Markus, "das ist der Fliegenpils und das Fuck". Den Gelsenkirchener reizt die bunte Mischung im "Fuck". Dienstags zum Biertag kommen SchĂŒler und Studenten und am Wochenende lassen sich oft die StammgĂ€ste blicken. "Die erzĂ€hlen mir dann immer wie es hier frĂŒher ausgesehen hat".

:: Den GÀsten zuhören ::

Markus ist Gastronom mit Herz. Wenn er um 18 Uhr die TĂŒren aufschließt, beginnen fĂŒr ihn manchmal zehn bis zwölf Stunden Schichten. Hinter der Theke stehen ist aber nicht seine einzige Aufgabe als GeschĂ€ftsfĂŒhrer. "Ich bin fast jeden Tag ab 12 Uhr im Laden. Ich muss ja nach dem Rechten gucken", erklĂ€rt er. Und wenn er nicht gerade im Laden ist schreibt er die MitarbeiterplĂ€ne, macht GetrĂ€nkebestellungen oder geht einkaufen.

Markus pflegt familiĂ€re VerhĂ€ltnisse im "Fuck". Nicht nur mit seinen sieben Mitarbeitern, sondern auch mit den GĂ€sten. "FĂŒr mich ist Gastronomie nicht nur den Gast zu begrĂŒĂŸen, fragen was er Zutrinken haben möchte und ihn hinterher wieder zur verabschieden", erklĂ€rt der 32-JĂ€hrige, "sondern auch den Leuten zuzuhören und auch mal von mir was zu erzĂ€hlen". Und das scheint sich auszuzahlen, das "Fuck" ist immer gut besucht.

Aber der gelegentliche Stress geht auch nicht spurlos an Markus vorbei. Dabei ist es nicht immer die körperliche Anstrengung, die an seinen KrĂ€ften zerrt. "Gerade nach einem Schalke Heimspiel ist man nervlich sehr gestresst", meint Markus, "aber ich lasse da vieles gar nicht erst an mich ran". Um abzuschalten geht er laufen. Erst recht, wenn er erst um fĂŒnf Uhr morgens nach Hause kommt. "Ich kann mich dann nicht direkt ins Bett legen, ich ziehe mir erstmal die Laufschuhe an".

:: "Ich bin glĂŒcklich hier" ::

Markus möchte sich nicht festlegen, ob er fĂŒr immer im "Fuck" bleibt. Aber er ist sich sicher: die nĂ€chsten zehn Jahre mindestens. Auch wenn Markus sehr selten selber mal feiern geht und wenig Alkohol trinkt, fehlt es ihm zur Zeit an gar nichts. "Ich bin glĂŒcklich hier", meint der 32-jĂ€hrige Gelsenkirchener grinsend. Er scheint sich wohl zu fĂŒhlen, in seinem zweiten Wohnzimmer.



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InfoBox

Das "Lokal ohne Namen" öffnet Dienstag bis Samstag gegen 18 Uhr. Montag ist Ruhetag. Sonntag wird nur geöffnet, wenn Schalke 04 spielt. Mehr Informationen findet Ihr hier.

Das "Lokal ohne Namen", oder auch liebevoll "Fuck" genannt, ist in der NĂ€he der St. Urbanus Kirche.

FĂŒr nichts zu schade: Markus D. erledigt alle Aufgaben, vor und hinter der Theke.

Wenn dienstags Bier-Tag ist kommen zum grĂ¶ĂŸten Teil SchĂŒler und Studenten.

Markus D. ist immer voll konzentriert. Selten erwischt man ihn beim rumalbern oder sieht ihn eine Pause machen.

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