25. Januar 2016  00:48

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Dead Soul im Interview

"Ich werde es nie vergessen"

Aus zwei Welten machen sie eine, in Genres denken überlassen sie den Zeitschriften. Dead Soul haben in Dortmund Halt gemacht mit ihrem neuen Album - einem düsteren Mutanten aus Rock, Electro und Blues. Auch in Paris hatten sie einen Zwischenstopp - nach den Anschlägen.

Von Julia Zuew

Anders Landelius und Niels Nielsen sind Dead Soul - ein Duo aus Schweden. Im im FZW in Dortmund standen die Jungs der buerpott-Redaktion Rede und Antwort im Interview.

:: Das Cover von "The Sheltering Sky" sieht echt gut aus. Wie seid ihr auf's Album-Cover gekommen, was ist die Idee dahinter? ::

Niels: Wir haben mit einem Künstler in Schweden gearbeitet, der Cover für Bücher entwirft. Er ist sehr talentiert. Wir haben ihm einige Vorschläge gemacht, und dann kam er mit einem Entwurf – wir waren direkt überzeugt.

Anders: Ich liebe Cover-Art, und es liegt im Auge des einzelnen Betrachters, was es bedeutet. Wie bei jeder Form von Kunst. Der Titel kommt vom Buch und vom Film (Das Drama "Himmel über der Wüste", 1990). Die Haie repräsentieren die Dunkelheit, über die wir so gut wie nichts wissen. Und die grüßenden Leute werfen Fragen auf – sind sie sich nicht bewusst, welche Gefahr die Haie darstellen? Das könnte man bei Rotwein wahrscheinlich stundenlang bereden.

:: Was inspiriert euch beim Songwriting? ::

Anders: Wenn's um die Lyrics geht, basieren die Themen stark auf persönlichen Erfahrungen und Gedanken aus meinem eigenen Leben. Ich muss ein Gefühl oder etwas Bestimmtes finden, worüber ich einen Song machen kann. Demensprechend schreibe ich gerne über persönliche Dinge. Um manches für mich zu verarbeiten, was ich selber erlebt habe. Es ist eine Art, Dinge zu verdauen und auch eine gewisse Art von Selbsttherapie. Es wäre schwer für mich, über Drachen oder Hobbits zu schreiben, wie manche andere Bands. Das würde nicht funktionieren.

:: Beim ersten Anhören eurer Songs kam der Gedanke auf: Das klingt wie ein düsterer Johnny Cash der mit Depeche Mode einen draufmacht. Hat einer dieser Künstler einen signifikanten Einfluss auf euren Weg zur Musik? ::

Niels: Ja und Nein. Als Produzent höre ich alle möglichen, unterschiedlichen Arten von Musik und Bands. Ich konsumiere viel Musik, und da kriege ich die Ideen für die Sachen für Dead Soul her. Bei unserem ersten Album sagten viele Leute „ihr klingt wie Nine Inch Nails“, obwohl keiner von uns die Band wirklich gehört hat. Aber beim Schreiben nutzten wir natürlich Drum Machines, ähnlichen Gitarrensound. Für dieses Album können wir auch darüber hinaus sagen: Da ist etwas Johnny Cash drin, etwas Depeche Mode und auch Nine Inch Nails, und ganz viel andere Musik. Menschen vergleichen uns mit so vielen Bands, von denen wir noch nie was gehört haben. Und das ist wirklich cool – es bedeutet, dass Menschen von verschiedenen Musikrichtungen sich mit unserer Musik identifizieren können. Fans von Electronic finden zum Beispiel über Depeche Mode zu uns.

Anders: Wir Zwei kommen von komplett unterschiedlichem musikalischen Hintergrund. Ich glaube, wenn Menschen zu dem Einfluss von Johnny Cash kommen, dann deshalb, weil ich musikalisch da herkomme. Ich habe 25 Jahre lang Blues gesungen. Ich liebe traditionelle Country-Musik. Cash hatte schon einen großen Einfluss auf mich. Das Beste ist aber: Obwohl wir Zwei nicht die gleiche Musik hören, lieben wir was rauskommt, wenn wir zusammenarbeiten. Manchmal zeige ich Niels einen Song, der mir gefällt, und dann kriege ich nur ein „Meh“ zu hören.

:: Was ist Dein musikalischer Hintergrund, Niels? ::

Niels: Ich bin in den Achtzigern und Neunzigern großgeworden. Als ich zehn oder elf war, fing ich an, Musik auf meinem Computer zu machen. Mit den ersten Programmen, mit denen es möglich war. Seit damals mache ich das, und ich spiele auch Gitarre seit meiner Kindheit. War in Bands, bin in der Hardcore-Szene in Schweden aufgewachsen. Ich mochte schwere Musik, auch Black Metal, war auf der anderen Seite aber voll drin in meinem Ding am Computer und hab da seltsames Zeug produziert. Es ist eigentlich auch so ziemlich das selbe, was ich heute mache. Ich mache das mittlerweile seit zwanzig Jahren – mit zwölf hatte ich meine erste elektronische Band. Ich habe mittlerweile mit vielen schwedischen Bands gearbeitet, bekannt und unbekannt, in allen Genres. Ich liebe es, mit Musik zu arbeiten – das habe ich immer gemacht.

:: Wie kam die Tour mit Ghost zustande? ::

Niels: Ich habe in der gleichen Stadt gearbeitet. Sie haben mit der Tour begonnen, und bei der dritten oder vierten Show fragten sie mich, ob ich die Bühnenbeleuchtung machen könnte. Ich habe gelogen und gesagt, dass ich es kann – ich konnte es nicht. Ich wurde aber recht schnell ihr Tourmanager, weil ich ziemlich gut organisiert bin. Ungefähr eineinhalb Jahre habe ich das gemacht, traf viele Bands. Und als Ghost dann ihre zweite EP "Infestissumam" aufnahmen, war ich der Typ im Studio, für zirka ein Jahr. Danach betreute ich auch die Aufnahmen in Nashville, und das war eine ziemlich coole Erfahrung – das Album ist mittlerweile ziemlich bekannt und meine erste große Produktion gewesen.

:: Läuft es bei den Aufnahmen glatt bei euch oder gibt's oft Streit? ::

Niels: Wenn wir eine Songidee haben, nehmen wir es gewöhnlich auf. Ganz grob, nur Vocals und Gitarre. Dann ist Anders für einige Stunden oder Tage erstmal weg, und ich mach mein Ding. Ich versuch eigentlich so gut wie alles, was wir aufgenommen haben, zu zerlegen. Das ist eigentlich das ganze Konzept – ich versuche seine Blues-Songs zu zerstören. Bei 'The Fool', der etwas rockiger ist, versuchte ich alle Rock-Elemente zu zerstören, um stattdessen was Neues zu machen. Das ist meine Art zu produzieren, wie ich es gerne mache. Dann schicke ich es Anders, ohne was zu sagen. Dann warte ich auf die Reaktion – gewöhnlich ist es erstmal „was tust du“, danach „das ist eigentlich ganz gut“ und drei Stunden später „ich muss es mir dauernd anhören“.

Anders: Ich hatte ihn erst 2006 angerufen und gebeten, Solo-Aufnahmen von mir zu produzieren. Ich wusste ein wenig über ihn, und mich zog seine Art zu arbeiten an. Er hat einen unorthodoxen Zugang. Und seitdem fasziniert Niels mich damit, wie er was ziemlich Einfaches umwandeln kann in etwas, das begeistert. Der „verrückte Wissenschaftler“ und jemand, der von einer sehr tief verwurzelten Musik kommt, wo es fast nur um Herz und Seele geht: Das ist eine gute Kombi.

:: Durch die Musikszene ist seit den Anschlägen in Paris eine große Welle von Diskussionen gegangen. Viele pochen darauf, weiter auf die Bühne zu gehen, andere gestehen, sich nicht mehr sicher zu fühlen. Wie ist es bei euch? ::

Niels: Wir hatten danach einen Gig in Paris. Wir haben mit der selben Agentur gearbeitet, die auch im Bataclan arbeitet. Wir sind hingegangen. Vorher hatten wir, am zweiten Tag nach den Anschlägen, einen Gig in Kopenhagen – das war hart. Jeder im Saal wusste, dass jeder daran denkt, was passiert war. Wir hatten getan, als ob wir es nicht täten – hatten es aber die ganze Zeit im Kopf. In Paris war es dann seltsam zu spielen. Aber trotzdem war es schön, auf der Bühne zu sein. Die ganzen Menschen zu sehen, die eine schöne Zeit hatten. Es war so viel Freude und Liebe im Raum. Trotz dessen, was passiert war. Ich werde das nie im Leben vergessen.

Anders: Nur einige Stunden vor der Show hatten wir Menschen getroffen, die angeschossen wurden, die dabei waren. Das hat die Erfahrung so besonders gemacht für mich. In Paris auf der Bühne zu stehen – das war wirkliche emotional. Ich bin mir sicher: Ich werde mein Leben lang daran denken. Es fühlte sich aber auch so gut an, und es fühlte sich richtig an, dies zu tun.



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Das Album-Cover von "The Sheltering Sky".

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