17. Januar 2016  00:00

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Ein Zuhause f├╝r Obdachlose

Buer's Wei├čes Haus

Geregelte Mahlzeiten, frische Kleidung aber vor allem eine Meldeadresse haben Obdachlose meist nicht. Das Wei├če Haus in Gelsenkirchen Buer wirkt dem entgegen. Es ist eine Einrichtung, die Obdachlosen als Beratungs- und Begegnungsst├Ątte dient.

Von Johanna Litterscheidt

Es ist 12:00 Uhr und so langsam wird es lauter im Wei├čen Haus. Der Speisesaal f├╝llt sich und in der K├╝che werden die letzten Vorbereitungen f├╝r das Mittagessen getroffen. Eine der Helfenden ist Helga Drees. Sie ist 80 Jahre alt und bereits seit 20 Jahren ehrenamtliche Mitarbeiterin im wei├čen Haus auf der Hochstra├če. Ihr T├Ątigkeitsbereich ist die K├╝che. Neben Brote schmieren, Kaffe und Essen ausschenken, ums Essen f├╝r den n├Ąchsten Tag k├╝mmern, ist f├╝r sie das viel Wichtigere lieb und nett zu sein. Inzwischen ist es 12:30 Uhr, der Speisesaal ist rappelvoll, Henryk M├╝nzer spricht das Tischgebet und gleich danach gibt es Mittagessen f├╝r heute ungef├Ąhr 50 Wohnungslose.

F├╝r Helga Drees ist das Wei├če Haus viel mehr als eine Beratungs- und Begegnungsst├Ątte f├╝r Menschen ohne festen Wohnsitz. ÔÇ×Es ist eine gute Einrichtung hier in Buer, im Gegensatz zu anderen Einrichtungen im Umkreis. Wir bem├╝hen uns nat├╝rlich, dass immer jeder was bekommt, freundlich behandelt wird, ganz egal wie er ist und was er ist und eigentlich ein offenes HausÔÇť. Neben Helga arbeiten dort noch weitere 13 ehrenamtliche und drei festangestellte Mitarbeiter, unter anderem Lieselotte Siebott. ÔÇ×Ich bin hauptamtlich hier und das seit zehn Jahren. Ich bin als Hauswirtschaftlerin auch f├╝r die Kleiderkammer zust├Ąndig. Die haben wir zwei Mal die Woche auf und nat├╝rlich wenn jemand so zwischendurch was haben muss, dann bekommt er es nat├╝rlichÔÇť.

:: Ein St├╝ck Zuhause ::

Das Wei├če Haus bietet den Wohnungslosen allerdings nicht nur Essen und Kleidung, sondern auch die M├Âglichkeit zu duschen, einen verschlie├čbaren Platz f├╝r Wertsachen, eine Waschmaschine, eine umfangreiche Beratung und vor allem eine Meldeadresse. Derzeit sind 71 Klienten in der Einrichtung gemeldet. ÔÇ×Viele sind auch froh, dass es so was gibt und die f├╝hlen sich hier wohl. Hier wird keiner bevorzugt und wir sehen auch immer zu, dass wir sie verw├ÂhnenÔÇť, erz├Ąhlt Lieselotte Siebott. Wenn die Besucher allerdings zu betrunken sind und randalieren, bekommen sie Hausverbot, damit die Atmosph├Ąre f├╝r die Anderen sicher und angenehm bleibt. ÔÇ×Die Anderen m├Âchten ihre Ruhe haben, weil das f├╝r sie wie ein Zuhause ist und dann sehen wir auch zu, dass sie hier in Ruhe ihren Kaffee trinken k├Ânnen. Manche schlafen auch zwischendurch oder lesen ihre Zeitung oder ein BuchÔÇť, erkl├Ąrt die Festangestellte. ÔÇ×Wir wollen, dass sie ihr Zuhause hier haben. Sie f├╝hlen sich wie zuhause, das sagen sie auch oft. Untereinander kennen sie sich ja dann auch schon JahreÔÇť, f├╝gt Helga Drees hinzu. Im wei├čen Haus wird es manchmal aber auch etwas unruhig. Das Geld wird knapp, es ist Vollmond oder einfach pers├Ânliche Sorgen tr├╝gen die Stimmung. ÔÇ×Wenn einer ganz traurig ist, dann bem├╝hen wir uns mit ihm zu sprechen und vielleicht mal zu helfen, verbal, also mehr kann man ja nicht tun. Aber zumindest, dass wir das Vertrauen aufbauenÔÇť, erz├Ąhlt Helga Drees. Auch wenn jemand mal nicht gen├╝gend Geld oder keine Essensmarke f├╝r ein hei├čes Getr├Ąnk dabei hat, geben sie trotzdem gerne einen Kaffee oder Tee raus. ÔÇ×Ne so hart sind wir nicht, ganz bestimmt nicht. Das wollen wir auch nicht. Wir wollen jeden so behandeln, so wie wir auch behandelt werden m├ÂchtenÔÇť, erg├Ąnzt die 80-J├Ąhrige.

:: Engagieren lohnt sich ::

Die Beiden stecken viel Herz in ihre Arbeit, aber davon kommt auch immer etwas zur├╝ck. ÔÇ×Man kriegt viel zur├╝ck. Also wenn wir reinkommen, dann freuen sie sich irgendwie. Und sagen freundlich guten Morgen. Sicher manche auch nicht, aber das ├╝berspielen wir dannÔÇť, erz├Ąhlt Helga Drees lachend. Weiter erz├Ąhlt sie: ÔÇ×Der Zusammenhalt gef├Ąllt uns am besten. Kann schon mal sein, dass jemand dabei ist, der nicht so in das System passt aber das ist nicht sehr oft. Ich kann von mir nur sagen ich freue mich immer wenn ich hier herkommen kann, dass ich was tun kann und dass ich die Leute sehe und dass man sich versteht. Das ist auch das wichtigste, denn das geh├Ârt auch zur Arbeit dazu. Wenn man sich b├Âse ist, das ist ja furchtbarÔÇť. ÔÇ×Auch die Klienten sind sehr witzig manchmal und man kann schon Quatsch machen mit denen, aber auch hier, die Angestellten das passt schon alles. Wenn mal irgendwie was ist, dann sagt man sich das und dann wird das ausgesprochen. Ist schon ein ganz gutes Arbeitsklima hier und bis jetzt haben wir immer Gl├╝ck gehabt, dass wir nette Chefs hatten, das ist ja immer wichtigÔÇť, f├╝gt Lieselotte Siebott hinzu und lacht.

Der Job im Wei├čen Haus ist aber nicht immer einfach. Das Leid der Klienten wird auch das ein oder andere Mal mit nach Hause genommen. ÔÇ×Am Anfang war es sehr schwer, da bin ich immer heulend nach Hause gegangen. Ich habe ein Zuhause, ein warmes Bett, hab ein Dach ├╝berm Kopf und wenn ich dann immer ├╝berlegt habe, wenn ich im Bett lag, da ist jetzt einer der ist drau├čen und muss frieren, wird nass und da habe ich mich am Anfang sehr schwer getanÔÇť, erz├Ąhlt Lieselotte Siebott. Aber dennoch f├╝llt sie der Job komplett aus. ÔÇ×Ich bin gerne hier und ich m├Âchte auch, dass die Caritas mich wieder ganz hierher holt, weil ich habe jetzt auch noch einen Job bei der DiakonieÔÇť, so die Festangestellte.

:: Selber helfen ::

Die Arbeit, die die beiden im wei├čen Haus leisten ist wichtig. Sie verteilen nicht nur Essen, Trinken und Kleidung, sondern haben vor allen ein offenes Ohr. Klar ist, dass es mehr als vorbildlich von der 80-j├Ąhrigen Helga Drees ist, sich immer noch so aktiv ehrenamtlich f├╝r andere zu engagieren. ÔÇ×Es ging mir darum irgendwas zu tun, irgendwie den Leuten zu helfen. Und das tut mir immer noch gut und ich habe immer Spa├č wenn ich kommen darf. Ich w├╝rde es auch gerne ├Âfters machen, aber ich bin auch ziemlich krank gewesen und das kann ich grade so schaffen, aber ich darf mich nicht ├╝bernehmen. Mir macht es Spa├č und ich mach das solange ich kann und solange man mich hier noch will mache ich es weiterÔÇť, erkl├Ąrt Helga Drees. Das wei├če Haus sucht auch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter und Unterst├╝tzer. Wer 2016 dazu nutzen will einen positiven Beitrag zu leisten, kann sich immer gerne im wei├čen Haus melden.



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Das weisse Haus ist eine Beratungsstelle f├╝r Wohnungslose und befindet sich in der Hochstra├če 80 in Buer. Ge├Âffnet ist die Einrichtung sieben Tage die Woche von 9 bis 14 Uhr. Hier bekommen Wohnungslose ein kosteng├╝nstiges Fr├╝hst├╝ck und Mittagessen sowie eine Schulden ÔÇô oder Drogenberatung. Ziel ist, dass die Menschen aus der Obdachlosigkeit herauskommen und wieder eine eigene Wohnung beziehen k├Ânnen. Alternativ gibt es auch die M├Âglichkeit des betreuten Wohnens.

Ehrenamtliche Helfer werden immer dringend gesucht.

Das Wei├če Haus

Kleiderkammer

Besucher vom wei├čen Haus

Sozialarbeiter Henryk M├╝nzer

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