03. November 2015  00:00

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Suat Yilmaz

Ein Mann, ein Wort

Er ist Talentscout, Mutmacher und Wegbegleiter: Suat Yilmaz setzt sich fĂŒr junge Menschen ein und kĂ€mpft fĂŒr mehr Bildungsgerechtigkeit. Was mit einem Studium in Sozialwissenschaften anfing, endete als Talentscout fĂŒr mehrere Hochschulen im Ruhrgebiet. Und dieser Mann macht seine Arbeit aus Überzeugung.

Von Hannah Decke

Er trĂ€gt graue Chucks und eine Jeans. LĂ€ssig fĂ€hrt er mit seinem BĂŒrostuhl ĂŒber den Teppich. Diesmal Pulli statt Krawatte und Sakko. Suat Yilmaz hebt sich von den anderen BeschĂ€ftigten der WestfĂ€lischen Hochschule (WHS) in Gelsenkirchen ab. Der lockere Ruhrpott-Dialekt trĂ€gt zu der entspannten Erscheinung bei.

Jungen Menschen einen Weg in ihre Zukunft bahnen – das war schon immer sein Lebensziel. Suat Yilmaz geht im Auftrag der WHS an Schulen im Ruhrgebiet um den SchĂŒlern zu helfen. Ob Migrationshintergrund oder einfach keine Akademiker-Familie: Mit der Talentförderung ermutigt er die jungen Menschen dazu, etwas aus ihrer Zukunft zu machen.

Nach seinem Studium in Sozialwissenschaften war der 40-JĂ€hrige lange Zeit in der offenen Jugendarbeit tĂ€tig. Er fing vor 13 Jahren an bei vielen kleineren Projekten mit jungen Menschen mitzuwirken. „Ich habe mit jungen Frauen und FlĂŒchtlingen, aber auch mit hoch kriminellen und politisch-radikalen Jugendlichen gearbeitet“, so Yilmaz.

:: Getrieben durch seine eigene Biografie ::

Seine eigene Biografie war dabei stets ein Antrieb. Als Sohn einer tĂŒrkischen Gastarbeiterfamilie hĂ€tte er aus heutiger Perspektive keine Chance gehabt. Seine Eltern genossen keine hohe Schulbildung und so machte er damals sein Abitur auf Umwegen. „Im deutschen Bildungssystem beeinflusst die Herkunft der jungen Menschen ihre Zukunft und das darf nicht sein“, sagt Suat Yilmaz. Mit der Herkunft ist keinesfalls nur der kulturelle und ethnische Hintergrund gemeint. Es geht mehr um den akademischen oder eben nicht-akademischen Hintergrund der Familie.

Er fing 2011 als Koordinator der Talentförderung an der WHS Gelsenkirchen an. Er wollte die Köpfe der Jugendlichen öffnen, sie begleiten und ihnen mehr Selbstbewusstsein geben. Dabei gehe es nicht darum, Alles fĂŒr sie in die Wege zu leiten. „Die Kids laufen vor, drehen sich um und fragen: ‚Bist du noch da?‘ und dann sage ich: ‚Ja‘ und sie laufen weiter“, so Yilmaz.

:: "Meine Kids" ::

Suat Yilmaz scheint seine Arbeit aus Überzeugung zu machen. Die jungen Menschen mit denen er zusammen arbeitet nennt er liebevoll „meine Kids“ und zeigt somit deutlich, dass er ein starkes VertrauensverhĂ€ltnis zu den Jugendlichen aufbaut. „Ich lasse mir gelegentlich USB-Sticks mit aktueller Musik von den Kids geben und höre mir die im Auto an. Ich möchte wissen wie sie ticken“, erklĂ€rt er.

Seit dem 1. Oktober ist Suat Yilmaz stellvertretender Leiter des Zentrums fĂŒr Talentförderung in NRW. Ein Posten, den er sich nie ertrĂ€umt hĂ€tte. „Wenn Sie mir vor 4 Jahren gesagt hĂ€tten: Sie werden das Talentscouting fĂŒr 7 weitere Hochschule koordinieren, Sie werden beim BundesprĂ€sidenten sein und Sie werden im Bundestag darĂŒber berichten, dann hĂ€tte ich sie ausgelacht“.

:: Mit dem Herzen dabei ::

Suat Yilmaz macht den Eindruck auf dem Boden geblieben zu sein. Er scheint mit vollem Herzen dabei zu sein, egal was er tut. Selten spricht er von sich selbst, sondern meistens in der Wir-Form. Trotzdem gibt sich Suat Yilmaz stolz auf das, was er mit der Talentförderung bis jetzt auf die Beine gestellt hat. Aber auch er hat noch weitere TrĂ€ume und Ziele: „Ich möchte zurĂŒckblicken und sehen können, dass wir etwas verĂ€ndert haben. Ich möchte nicht 500 Biografien, sondern 100.000 Ă€ndern“. Ein Mann, ein Wort.



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Die Talentförderung ist ein fester Bestandteil der Grundordnung der WestfĂ€lischen Hochschule in Gelsenkirchen. Unter dem Motto "Einsteigen. Durchsteigen. Aufsteigen" fördert die WHS SchĂŒler und Studenten und bietet ihnen die Möglichkeit, sie durch die Schule und das Studium zu begleiten. Dabei werden die einzelnen Talente der Jugendlichen gemeinsam herausgefunden und das Beste aus ihnen gemacht.

Es werden viele Seminare und Workshops angeboten. Interessierte können sich Hier informieren.

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