18. Oktober 2015  00:00

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Schalkes Trompeter

Der Sound der Kurve

Der Mythos „Trompeten-Willy“. Kaum ein Schalke-Fan ist so bekannt wie er. Auf das Signal seines goldenen Instruments hören tausende Schalker. Wenn er bläst, schaltet die Kurve auf Attacke.

Von Stephan Diederichs

Willy Plenkers sitzt lässig in seinem Esszimmer. Wo der Blick auch hinwandert, fällt er auf Fahnen, Poster und Bilder von Schalke. An der Stirnwand: Schalkes ewige Helden Raul, Pukki und Huntelaar. Er selbst hat die Kutte und die Trompete gegen ein Schalke-Cappy und ein verblasstes T-Shirt eingetauscht. An diesem Tag ist er mal nicht „Trompeten-Willy“, sondern einfach Willy Plenkers. „Wenn ich die Trompete und die Kutte dabei habe, bin ich ein anderer Mensch.“ Dann ist er „laut, durchgeknallt, bescheuert, bekloppt“ – alles im positiven Sinne.

:: Schalker trotz Verbot ::

Wäre es nach seiner Mutter gegangen, hätte es „Trompeten-Willy“ ohnehin nie gegeben. Sie hatte ihrem Sohn damals verboten ins Stadion zu gehen. „Bei uns im Rheinland war das verpönt“, sagt Plenkers, der als Kind in Meerbusch wohnte. Willy widersetzte sich. Am 12. Mai 1979, das weiß er noch ganz genau, sah er sein erstes Heimspiel – und Schalke hatte ein neues Mitglied.

Bis heute hat er rund 730 Spiele verfolgt und etwa 1,5 Millionen Euro für „seine Liebe“ ausgegeben. Das hat er ausgerechnet. Er hat die Abstiege in den 80er Jahren, den Uefa-Cup Sieg 1997 und die „Vier-Minuten-Meisterschaft“ 2001 miterlebt.

:: Der Anruf von Assauer ::

Der Trompeter, der Fan. Plenkers steht in der Veltins-Arena im Block N3 – und vermisst „sein“ altes Parkstadion. „Mit der neuen Arena hat sich die Fankultur verändert“, sagt er. Früher habe jeder in der Kurve seinen festen Platz gehabt, jeder kannte jeden. Es reichte eine laute Stimme und brauchte keine Vorsänger. Zudem gebe es heute viele „Arena-Touristen“. Und: Steht er bei den Gästen der VIP-Lounge wird er wegen seiner Kutte oft schräg angeguckt. Früher war das undenkbar.

In den frühen 80er Jahren stand Plenkers zum ersten Mal neben dem Trommler „Catweazle“. Dann machte er seinen Meister als Dachdecker, hatte weniger Zeit und musste pausieren. Erst Rudi Assauer holte Plenkers als Trompeter zurück in die Kurve. Er rief beim heute 54-Jährigen an, der konnte es kaum fassen und legte auf. „Ich dachte, das wäre ein Stimmenimitator und jemand will mich veräppeln“, erzählt Plenkers. Assauer rief wieder an. „Wenn du nochmal auflegst, hast du lebenslanges Stadionverbot“, klagte er. Plenkers legte nicht auf und kehrte als „Trompeten-Willy“ ins Parkstadion zurück.

Was ihn sympathisch macht? Seine raue, aber zugleich offene und herzliche Art. Er weiß unglaublich viele Anekdoten zu erzählen und würde man ihn nicht bremsen, würde er immer weiter erzählen. Besonders gerne erinnert er sich an ein Derby gegen Dortmund im Jahr 2000, das Schalke mit 4:0 gewann. Ein Schimmern schleicht in seine Augen. Die Bilder, wie Plenkers weinend auf dem Zaun kauerte, prangten auf der Titelseite der WAZ. Heute ist er nicht bunt, aber bekannt wie eben jener Hund. „Es ist schön, wenn man einen Wiederkennungswert hat.“

:: Buch mit Anekdoten ::

Von den Rängen der Veltins-Arena ist er ohnehin nicht mehr wegzudenken. „Ich habe mich ein Stück weit unsterblich gemacht“, sagt Plenkers. Er meint dies weder anmaßend noch arrogant. Jeder Schalker weiß mit seinem Namen etwas anzufangen. Und seit 2009 auch viele im Rest der Republik. Die Sportbild berichtete, er trat beim Fantausch und bei Frauentausch auf.

Erst kürzlich hat er ein Buch geschrieben. „Viele Leute wollen wissen, was mit mir ist“, meint Plenkers. Dort erzählt er unter anderem, wie Raul ihm einen Schal von Real Madrid geschenkt hat, den sonst nur Spieler bekommen. Das Buch ist aber längst kein Ende. Mindestens noch fünf Jahre will er „Trompeten-Willi“ bleiben. „Solange ich noch in der Nordkurve stehen kann, mach ich das.“ Bis dahin werden unzählige, weitere Geschichten gesponnen und die Trompete wird noch hunderte Male in der Arena aufschreien.



Bisherige Kommentare

...   12.11.2015, 10:03:38 Uhr

1,5 Millionen Euro? Woher soll er die denn haben? Von Asi-Erich?



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Willy Plenkers vor einem seiner vielen Poster.

Autogrammkarte, die Plenkers seit 2009 dabei hat.

"Trompeten-Willy" in Aktion.

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