16. Oktober 2015  00:00

Kommentieren

Fleischerei Ptassek

KrĂ€ftig, deftig, wĂŒrzig - fair

Er ist der Wurstpoet - Martin Ptassek betreibt seine Fleischerei in dritter Generation, und alle Bueraner stehen Schlange. Wie macht der Fleischermeister das bloß in Zeiten von Gammelfleischskandalen und TiefkĂŒhlschnitzeln?

Von Marit Langschwager

Die mĂ€chtigen Kirchenglocken schlagen klangvoll aneinander. Einzelne Sonnenstrahlen erfĂŒllen die asphaltierte, von Menschen gefĂŒllte Promenade. Auf der Horster Straße in Gelsenkirchen-Buer strömen die Menschen hektisch von einem GeschĂ€ft zum nĂ€chsten. In prunklosen Buchstaben steht „Fleisch“ ĂŒber einem Schaufenster geschrieben. Das dumpfe Klingeln der TĂŒrglocke vervollstĂ€ndigt die nostalgische Stimmung in dem kleinen GeschĂ€ft. So ein zeitloser Ort, mit seinen rustikalen Holzregalen, der altmodischen Druckschrift auf den Preisschildern. Ein Mann der ersten Stunde, was ausgezeichnetes Fleisch betrifft, kommt hinter dem Tresen zum Vorschein.

:: PlÀuschen statt AnonymitÀt ::

Der Fleischermeister Martin Ptassek ist ein Bueraner Urgestein. Ein unbeirrter Optimist mit Ruhrpott-Charme. Mit einem groben Druck, aber einer beachtlichen Sorgfalt, teilt er den Schinken vor ihm in gleichgroße StĂŒcke. Er ist in voller Arbeitsmontur: Hose, Poloshirt, Turnschuhe und StoffschĂŒrze - alles im strahlenden Weiß. Eine Dame mit graumeliertem Haar reicht dem VerkĂ€ufer ihren Beutel. Er fĂŒllt ihn wortlos mit zweierlei Wurstsorten. Die Kundin legt ihr Kleingeld neben die Kasse. „10 Cent fehlen noch“, sagt er mit sanfter VerkĂ€uferstimme. Es klimpert. Ptasseks HĂ€ndedruck ist fest, aber freundlich. Seine Kunden mögen ihn, das merkt man auf den ersten Blick: Keiner verlĂ€sst die Fleischerei ohne ein PlĂ€uschchen oder einer kulinarischen Genussprobe. "Es ist doch viel schöner, wenn man beim Einkauf erkannt und nett begrĂŒĂŸt wird. Sonst ist heutzutage alles nur noch anonym.”, betont der FleischverkĂ€ufer.

:: Showroom des guten Geschmacks ::

1934 grĂŒndete Großvater Ptassek den Familienbetrieb. Heute fĂŒhrt Martin Ptassek mit seiner Frau Bettina das GeschĂ€ft. Mittlerweile arbeiten drei Mitarbeiter in dem Betrieb und unterstĂŒtzen den gelernten Metzger bei der Beratung der Kunden, sowie dem Verkauf der verschiedenen Waren. Ob das blutige Fleischerdasein tatsĂ€chlich die berufliche Zukunft ist? Diese Frage war fĂŒr den damals 16-jĂ€hrigen Ptassek kaum von Bedeutung. Denn der Metzger, der Lieferant fĂŒr den großen Sonntagsbraten und das schnelle Schinkenbrötchen zwischendurch, dieser Metzger wollte auch er sein. Und diesen Beruf scheint er richtig gewĂ€hlt zu haben - Einkaufen bei „Ptassek“ ist ein genĂŒssliches VergnĂŒgen. Das GeschĂ€ft am Rande der Buerer Innenstadt ein Showroom des guten Geschmacks – mit großer Auswahl regionaler und internationaler FleischspezialitĂ€ten in Top-QualitĂ€t. Dazu kommt ein vielfĂ€ltiges Angebot des tĂ€glichen Bedarfs, wie Nudeln, Salz oder Marmelade. SelbstverstĂ€ndlich mit regionaler Herkunft.

:: Schweinshaxe und Seele ::

Die Metzgerei gehört zu den 500 besten im ganzen Land. So sieht es zumindest die Fachzeitschrift „Der Feinschmecker”, die im letzten Jahr „die besten Metzger in Deutschland“ kĂŒrte. Zahlreiche Medaillen und Urkunden zieren die weiß gestrichenen BetonwĂ€nde des GeschĂ€fts. "Das war einmal", erklĂ€rt Martin Ptassek. "Die Leute kommen nicht wegen der Goldmedaillen, sondern wegen des Geschmacks und der QualitĂ€t." Vor allem QualitĂ€t wird in dem Familienbetrieb groß geschrieben: Seit gut 20 Jahren verkauft der junge Ptassek nun seine Fleisch- und Wurstwaren mit dem Neuland-Siegel. Das steht fĂŒr artgerechte Tierhaltung und transparente Aufzucht. Das Fleisch wird von kleinstrukturierten, regionalen Bauern bezogen, die den Tieren den Auslauf ermöglichen, den sie benötigen. „Der Verbraucher muss sich darĂŒber im Klaren sein, dass fĂŒr sein Mittagessen ein Lebewesen gestorben ist.“, bekrĂ€ftigt er unter der regen Zustimmung der Kollegin.

FrĂŒher der Sonntagsbraten, heute unser tĂ€glich Brot. Das urbane Klientel will versorgt werden: Viele SupermĂ€rkte weiten ihr Angebot stetig aus. Immer mehr bieten zertifiziertes Bio-Fleisch an. Damit kann bei weitem nicht jeder Metzger dienen. Das wirkt sich auf das AlltagsgeschĂ€ft der Fleischer aus: “Der Beruf stirbt zunehmend aus. Als ich angefangen habe, gab es 130 Betriebe im Fleischerverband, heute sind‘s nur noch 20.” War's das also, mit dem außergewöhnlichen Handwerk? Wird in ein paar Jahren ganz Deutschland nur noch bei den großen Discountern kaufen? Martin Ptassek versucht sich in Zweckoptimismus: „Wenn alle Leute nur einmal in der Woche Fleisch essen und dieses beim Metzger kaufen wĂŒrden, hĂ€tten wir 100.000 Metzger in Deutschland“.

:: Mehr als blutrĂŒnstig ::

Hinter Ptasseks traditioneller Fleischerei steckt trotz allem ein Rezept mit simplen Zutaten: die Hingabe fĂŒr gutes Essen, QualitĂ€t, Freundlichkeit und eine ordentliche Portion Leidenschaft. Martin Ptassek macht seine Arbeit Spaß. Das merkt man. MĂŒde wirkt er nicht, obwohl er in den frĂŒhen Morgenstunden schon in der Produktion das Fleisch gepökelt, gewurstet, gerĂ€uchert und gekocht hat. Mit glitzernden Augen erzĂ€hlt er, was ihm an seiner Arbeit am besten gefĂ€llt: den Menschen ein leckeres Mahl zu bescheren. Der Beruf des Metzgers ist eng verknĂŒpft mit einem öffentlichen Unbehagen. Er hat schon fast einen blutrĂŒnstigen Ruf. Ptassek hat eine ganz andere Assoziation: “Das ist kein Job, das ist meine Berufung.”



Bisherige Kommentare

Uta Kohlwey   31.10.2015, 01:08:16 Uhr

Sehr schöner Beitrag.

Mit dem Einblick in diesen Beruf wird einem klar, wie wichtig das Handwerk ist und wir es unterstĂŒtzen sollten bevor der Beruf ganz ausstirbt.

Macht auf jeden Fall Geschmack wiedr in einem kleinen Betrieb einzukaufen.

Leider gibt es viel zu wenige davon.

Phoonsiri   13.02.2016, 18:26:37 Uhr

Was ffcr eine Sprachverwirrung: Ein Schlachter in Eimsbfcttel nennt sich Fleischerei und die daffcr werbende Nina meint ein Schlachter we4re ein Metzger. Ein Schlachter ist in Hamburg ein Schlachter, ist ein Schlachter, ein Schlachter, und auch der Verkauf von noch so toelln Weidfwfcrsten macht aus einem Schlachter noch keinen Metzger. Und womf6glich geht Nina in Hamburg auch noch Samstag zum Metzgerñ€©



Artikel kommentieren

Ihr Name? (erforderlich)


Ihre E-Mail-Adresse? (erforderlich, wird nicht veröffentlicht)


Ihr Kommentar?



 
 

InfoBox

Bereits seit 1934 verkauft die Familie Ptassek Fleisch- und Wurstwaren an der Horster Straße in Buer. Wer gutes Essen, QualitĂ€t und Freundlichkeit schĂ€tzt, trifft bei dieser Fleischerei auf Gold.

Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 18.30 Uhr, samstags von 8.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Internationale Wurstwaren mit bester QualitÀt.

Das Ladenschild des GeschÀfts.

Bettina Ptassek berÀt die Kundschaft.

Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz