12. Oktober 2015  00:00

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Studie zum Studieren

Diagnose: Bachloritis

Die Epidemie des Mittelalters war die Pest, die der Achtziger Schulterpolster - und unsere? Studieren.

Von Lea Mitulla

Im Jahr 2030 sterben die Betriebe aus. Es gibt keine Schreiner, Maurer oder Tischler mehr. Stattdessen nur Fachidioten, die lieber Geld zahlen, um sich Power-Point-PrĂ€sentationen vorlesen zu lassen anstatt sich einen Job zu suchen. Die einzigen, die davon profitieren werden sind Kaffeeproduzenten und die Hersteller von TiefkĂŒhlpizza. Ihr hattet bis jetzt Angst vor einem Atomkrieg oder einer Alien-Invasion? Das wahre Apokalypse hat schon lĂ€ngst begonnen. Vergesst die Schweinegrippe, Vogelgrippe und den Rinderwahn: Wir sind dem Akademisierungswahn verfallen.

Eine neue Bertelsmann-Studie beweist jetzt, dass die deutschen Abiturienten lieber in ĂŒberfĂŒllten HörsĂ€len Platz nehmen, als an einer Werkbank. Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht, aber plötzlich spricht man voller Panik von „Akademisierung“. Das Hochschulstudium gleicht ab jetzt einer Ebola-Diagnose, der Bachelor-Abschluss ist der schwarze Tod unserer Zeit. Nein, sogar schlimmer, denn die ganzen Bachelor und Master leben weiter und mĂŒssen auch noch irgendwie in der Arbeitswelt untergebracht werden. Millionen qualifizierte Absolventen befallen den deutschen Arbeitsmarkt und nehmen Stellen ein, fĂŒr die man eigentlich gar keinen Hochschulabschluss braucht. Es heißt ja schließlich, wer studiert bekommt eher einen Job, oder? Die Berufsausbildung war doch die eigentliche Krankheit und Studieren unsere Heilung? Kein Wunder, dass jetzt alles in die Hochschulen strömt und sich den ultimativen Impfstoff gegen Arbeitslosigkeit holt. Dass wir davon zu Zombies werden, die nur noch von Koffein und PrĂŒfungsangst angetrieben werden, hat keiner gesagt.

Aber jetzt hat das hoffentlich bald ein Ende. Experten arbeiten bereits an einer Heilmethode fĂŒr die Bacheloritis. Ihre Geheimwaffe ist dabei die wechselseitige Symbiose von Studium und Berufsausbildung. Wenn alles gut lĂ€uft, ist Deutschland im Jahr 2030 dann nicht mehr vom FachkrĂ€ftemangel oder vom Akademisierungswahn befallen. Vielleicht können wir die Apokalypse noch abwenden und wieder in Frieden studieren – oder eben nicht.



Bisherige Kommentare

Fio   12.10.2015, 21:23:03 Uhr

Sehr cooler Artikel!! Und recht hast du ;)



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