25. Januar 2015  00:00

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Jesse Krauß

Der Geschichtenzeichner

Wer Jesse Krauß zum ersten Mal sieht, weiß, dieser Mann ist wahrscheinlich kein Steuerberater. Der 34-JĂ€hrige ist KĂŒnstler. Doch was bedeutet das? Und was ist eigentlich Kunst?

Von Katharina Schneider

In seiner Wohnung, im Dachgeschoss, sitzt Jesse ĂŒber seinem Arbeitstisch gebeugt. Mit schnellen, sicheren Strichen zeichnet er eine Geschichte auf das kleine quadratische Papier vor ihm. Doch der gebĂŒrtige Gelsenkirchener lĂ€sst der KreativitĂ€t nicht nur auf dem Papier, sondern in fast allen seinen Lebensbereichen, freien Lauf.

„Die kreative Ader hatte ich schon immer“, erklĂ€rt Jesse, wĂ€hrend er weiterhin konzentriert auf das Blatt Papier vor sich schaut.

Schon immer habe er gewusst, dass er etwas „mit den HĂ€nden“ machen wolle. Heute ist er freiberuflicher Mediendesigner und verdient sein Geld hauptsĂ€chlich durch Webdesign und Layouts. „Design ist Kunst, die sich nĂŒtzlich macht“, sagt er, schaut kurz auf und lĂ€chelt, „deshalb mag ich meinen Job.“

:: Multikreativ ::

Seine Liebe zur Kunst lies Jesse sogar schon mal zum Jesus werden. Wortwörtlich. Denn, wie bereits gesagt, Zeichnen ist nicht alles, was er kann. Er betreibt gemeinsam mit anderen KĂŒnstlern eine Online-Galerie namens Tellerrand, ist MitbegrĂŒnder des Forums Gelsenkirchener Geschichten und baldiger Herausgeber eines kostenlosen Stadtmagazins. Aber das ist lange noch nicht alles. 2012 versuchte er sich als Schauspieler, als er in „Die Passion“, einem TheaterstĂŒck von Elmar Rasch, die Rolle des Jesus Christus spielte. Und das mit Erfolg. Dank der guten Kritiken und großen Nachfrage finden ab dem 18-ten Februar 2015 bereits die zweiten Passionsspiele statt. Diesmal entschied er sich jedoch fĂŒr die Rolle des Judas.

:: Freiheit statt Freizeit ::

„Ich bin schon kautzig“, gibt Jesse mit einem flĂŒchtigen Grinsen zu, "das gehört auch irgendwie zum KĂŒnstler-Sein dazu."

Sein Schreibtisch ist aufgerĂ€umt, ebenso wie sein volles BĂŒcherregal dahinter. An der Wand hĂ€ngen kunterbunt aneinander gereihte Zeichnungen in Bilderrahmen. „Das ist mein Atelier“, erlĂ€utert Jesse. Viel Platz braucht er nicht, denn er zeichnet hauptsĂ€chlich auf kleinen Formaten. In Schuhkartons, die auf dem Boden gestapelt sind, bewahrt er viele seiner Werke auf. Von Illustrationen bis hin zu Postkarten, Lesezeichen und Stempelschnitzereien ist alles dabei. Seine Wohnung teilt er sich mit seinen zwei jĂŒngeren BrĂŒdern.

FĂŒr ihn als freiberuflicher Mediendesigner sind Nachtschichten keine Seltenheit, aber trotzdem findet er Zeit fĂŒr all seine anderen Projekte. Nur wie? „Freiheit statt Freizeit - das ist mein Motto“, bekrĂ€ftigt Jesse. Die Leidenschaft zur Kunst treibt ihn an, frei nach dem Sprichwort: "Wer seine Arbeit liebt, braucht nie mehr zu arbeiten."

:: Was ist Kunst? ::

Jesse legt den FĂŒllfederhalter zurĂŒck in sein Etui. Das kleine Bild auf seinem Schreibtisch ist fertig. Es zeigt einen Hasen mit einem Brief in seiner Pfote. Ist das nun Kunst?

„Ich möchte, dass Menschen sich eine Geschichte ausdenken“ erklĂ€rt der KĂŒnstler „denn Kunst ist etwas das im Kopf des Betrachters passiert.“ Und tatsĂ€chlich regen seine Zeichnungen zum Nachdenken an. Seine vorwiegend schwarz-weißen Illustrationen sind voller kleiner formelhafter Details, die Fragen aufwerfen und den Betrachter so ins Bild ‚ziehen‘. „Jede Zeichnung ist eine Art Kurzgeschichte, die sich aber je nach Betrachter verĂ€ndert“, erlĂ€utert Jesse sein Werk. Die Ideen dazu nimmt er aus seinem Umkreis oder aber zeichnet ‚wild drauf los‘ und sieht was dabei passiert. „Viele meiner Bilder sind melancholisch, aber auch freundlich“, er ĂŒberlegt kurz, „wie ich auch.“

:: Zukunftsaussichten ::

Obwohl Jesse bereits viele Ausstellungen macht und bei WeihnachtsmĂ€rkten und Galerien seine Kunst prĂ€sentiert und verkauft, ist es ihm nicht möglich davon zu leben. „Die Kunst und der Kunstmarkt sind zwei verschiedene Dinge, fĂŒr die verschiedene Regeln gelten.“, meint Jesse. Gekauft wĂŒrde heutzutage vor allem das was nĂŒtze, wie zum Beispiel Lesezeichen oder Postkarten - Zeichnungen wiederum kaum. Dennoch ist der Geschichtenzeichner optimistisch. Eines Tages möchte er von seiner Kunst leben, in dem er zum Beispiel BĂŒcher illustriert. Er ist sich sicher: „Hier in Gelsenkirchen gibt es nicht viel, aber dafĂŒr umso mehr Platz fĂŒr Neues.“ Man mĂŒsse einfach nur mehr machen. Mehr Projekte, mehr Theater, mehr Kunst.



Bisherige Kommentare

Fuchs   29.01.2015, 13:46:14 Uhr

Ein schöner Artikel.

ErwÀhnt werden sollte aber auch, dass Jesse ein wirklich feiner Kerl ist.

Ich wĂŒnsche ihm fĂŒr all seine Projekte weiterhin viel Erfolg. :-)



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Kontakt

Jesse Krauß

Kirchweg 52

45888 Gelsenkirchen

E-Mail: info@jesse-krauss.de

www.jesse-krauss.de

aktuelle Ausstellung in der Online-Galerie: Tellerrand

www.galerie-tellerrand.de/ausstellung/

Sein Zeichenmaterial: FĂŒllfederhalter, Bleistift und Spitzer

Am Arbeitstisch: Es muss nicht immer eine große Leinwand sein. Jesse genĂŒgt bereits ein Notizzettel.

In wenigen Minuten ist die Mini-Geschichte fertig gezeichnet.

Eine von JesseÂŽs Lieblingszeichnungen

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