09. Januar 2015  00:00

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Lukas Schepers

Die echte Note Buer

Ein Student, ein Skater, ein KĂŒnstler, ein Fotograf, ein Sozialarbeiter, eine Leseratte und ein Öko-Hippie hĂ€tten gemeinsam wohl kaum Platz in einer einzigen HĂ€ngematte. Doch der Buerpott-Redakteur Lukas Schepers vereint all das. Wir stellen ihn vor und zeigen seine LieblingsplĂ€tze in Buer.

Von Timo Steffens

Relaxed, die ausgefransten Dreadlocks an einen Holzpfosten gelehnt, liegt Lukas Schepers in seiner kunterbunt-gestreiften HÀngematte. Hektische Jazz-KlÀnge ertönen aus seiner Musikanlage. In einer Ecke: das Bett. Kein Gewöhnliches jedoch, denn es besteht aus einer Matratze, gebettet auf vier Europaletten, die man sonst nur aus dem Baumarkt kennt.

An der Wand hĂ€ngen zwei Kinderfotos der Eltern, die umrahmt werden von selbst gestalteten Malereien und Zeichnungen. Erst kĂŒrzlich wurden ein paar dieser Werke in Dortmund ausgestellt. Die Fensterscheibe ziert ein buntes GemĂ€lde aus Fingerfarben. Auf einer Leine, quer durchs Zimmer gespannt hĂ€ngen Fotos, als mĂŒssten sie noch trocknen. Ein Mittelding zwischen Studentenbude, Galerie und Ruhe-Oase diese 31 Quadratmeter Wohnung.

:: Palm Beach Cantina ::

Doch wie es sich fĂŒr einen ordentlichen Studenten gehört, feiert Lukas auch gern: Dann wird die Jazz-Mukke gegen Techno getauscht, die Kochnische von farbigen LED-Leisten erleuchtet und auf dem Fensterbrett erstrahlt in Leuchtschrift der Name „Palm Beach Cantina“: „So nennen meine Freunde das hier, wenn wir feiern."

:: "Eigentlich wollte ich hier weg" ::

So also lebt der 22-JĂ€hrige, ohne den Buerpott dieses Semester nicht dasselbe gewesen wĂ€re. Als einziger echter Bueraner in der Redaktion, kennt er die Stadt wie seine Westentasche: die Straßen, die LĂ€den und die Menschen - ein großes Plus fĂŒr die gesamte Redaktion, die aus Zugezogenen und Pendlern besteht. Er verleiht der Redaktion eine echte Note Buer. Dabei wollte Lukas hier eigentlich nie bleiben: „Meine Freunde waren immer in den großen StĂ€dten, DĂŒsseldorf und Köln, so war ich viel unterwegs." Doch mit der Zeit wandelte sich sein Bild und Buer wurde Heimat. Nun, angesprochen auf seine persönlichen Lieblingsorte in Buer, lĂ€chelt er kurz, rauft sich durch das struppige Haar und packt sich seine Jacke. Lange ĂŒberlegen muss er nicht.

:: Secondhand ist geil ::

Über matschige Wege und querfeldein die steilen HĂ€nge hinauf geht’s zur Halde. „HĂ€tte ich mal lieber meine Gummistiefel angezogen“, mosert die Frohnatur angesichts seiner Stoffschuhe im fast knöchelhohen Schlamm. Auf Klamotten legt Lukas großen Wert, viel Geld allerdings gibt er dafĂŒr nicht aus: „Secondhand-Klamotten sind das Geilste!“, sagt er und beginnt zu lachen. Egal ob Kleidung, Schallplatten oder sein Rennrad, Lukas kramt sich durch und findet dabei oft lustige Sachen: „Das ist halt ein Abenteuer, man weiß nicht ob man was findet, aber wenn freut man sich total." Sein LieblingsstĂŒck, ein weißes Shirt bedruckt mit dem Cover des Films „Titanic“, kostete nicht mehr als einen Euro: „Das ist der absolute Oberrenner! Die Leute lachen sich alle kaputt." So reiste Lukas auch schamlos, frei nach dem Motto: „Das Leben ist noch ernst genug“ mit rosaroter Glitzerschlafmaske durch Mittelamerika: „Ich mag das sehr, lustig auszusehen und den Leuten damit eine Freude zu machen."

:: Platz 3: Die Halde Rungenberg ::

Oben angekommen bietet die riesige, aufgeschĂŒttete Aussichtsplattform einen fantastischen Blick ĂŒber die gesamte Stadt. „Da vorne ist die Uni", sagt er und deutet mit dem Finger darauf.

Neben der Uni arbeitet der Journalismus-Student in einer Autisten-WG am Fuße der Halde. Dort betreut er, meist am Wochenende, sechs jugendliche Autisten zwischen 13 und 16 Jahren, die rund um die Uhr betreut werden mĂŒssen: „Wir puzzeln, basteln, oder malen, aber am liebsten gehe ich mit ihnen auf der Halde spazieren." Schon als kleiner Junge kam er oft hierher, um Fossilien zu suchen, Schlitten zu fahren oder spĂ€ter auch um die grandiose Aussicht an Silvester zu genießen.

:: Platz 2: Ententeich und Zauberwald ::

Zwei Minuten fußlĂ€ufig von seiner Wohnung, hinter einer Kleingartenanlage, befindet sich der Gladbecker Busch samt Ententeich. „Hier habe ich einen Teil meiner Kindheit verbracht, bin hier groß geworden“, sagt er, wĂ€hrend er in Erinnerungen schwelgend einen Stein ins Wasser schmeißt. Im Winter wurde auf dem zugefrorenen Teich Schlittschuh gefahren oder Eishockey gespielt, im Sommer ließ er hier, samt Vater und Ă€lterem Bruder, sein ferngesteuertes Bötchen fahren oder fĂŒtterte Enten.

Ein StĂŒckchen weiter, tiefer in den Wald hinein, befindet sich der „Zauberwald“. Hier hat sich der Naturbursche im Sommer die Spuren von Pfingststurm Ela zunutze gemacht und mit seiner Clique, dem „Veilchen-Club“, ein Lager gebaut: „Wir haben uns hier ausgetobt, Tipis, Fallen und ein Katapult gebaut. Mag vielleicht kindisch klingen, hat aber super Spaß gemacht."

:: Es funktioniert auch ohne Smartphone ::

Mit den Veilchen, wie er sagt, einem "elitÀren Kreis" von knapp 30 jungen MÀnnern verbringt Lukas gerne seine Zeit.

Nur das Verabreden gestaltet sich schwerer als man annimmt, denn Lukas hat weder ein Handy, noch einen Facebook-Account: „Als ich mein Handy in Mittelamerika verlor, hab ich gemerkt wie entspannt das ist und lebe seitdem ohne." NatĂŒrlich kamen anfangs viele Beschwerden, gerade von seinem Vater oder seinen Kumpels, aber nun funktioniert es: „Ich habe viel mehr Zeit, kann mich umgucken und genieße das, was fĂŒr die meisten in meinem Alter undenkbar wĂ€re."

:: Öko-Hippie- na und?! ::

Dreadlocks, Secondhand-Klamotten, Vegetarier und weder Handy noch Facebook - da wird man schnell in eine Schublade gesteckt: „Ich bekomme durch Äußerungen zur Umwelt, aber auch durch mein Aussehen, oft den Stempel „Öko-Hippie“ aufgedrĂŒckt." Nichts Verwerfliches, wie er findet, denn das seien Sachen die wichtig sind und oft ignoriert wĂŒrden.

:: Platz 1: In einer Villa daheim ::

Lukas steht auf der RĂŒckseite eines riesigen, weißen Hauses und beobachtet das rege Treiben im Gartenteich. „Hier bin ich aufgewachsen, mit meinen Eltern, meinem Bruder, Onkels, Tanten, Cousins und Cousinen“. Die „Villa Lange“ ist ein Mehrgenerationen-Haus, hier wohnt ein großer Teil der gesamten Familie mĂŒtterlicherseits auf vier Etagen. Dass das 1905 erbaute Haus zwei Weltkriege hinter sich hat, ist ihm kaum anzusehen, so gut ist es in Schuss. Und auch im Inneren erinnern nur Kleinigkeiten an das Alter des Hauses: „Hier hinter den Kisten befindet sich ein bombensicherer Schacht“, erklĂ€rt Lukas und deutet auf ein schmales Loch in der Wand. Die Wohnungen sind großzĂŒgig geschnitten und top modern eingerichtet. Hierher wird Lukas irgendwann zurĂŒckkehren. Doch vorher gilt es die Welt zu erobern. Das steht fĂŒr ihn fest.



Bisherige Kommentare

Rainer   10.01.2015, 19:25:25 Uhr

Handy, was das? Facebook, was fĂŒr? Den Luke findet man nur auf Interpol.com

Melanie Brandt   10.01.2015, 19:45:09 Uhr

Lukas!! Komm Doch Heute Abend Mal Beim Coppas Vorbei!!!!!! LG Melanie



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InfoBox

Weitere interessante Fakten ĂŒber den Nachwuchsjournalisten:

- Die Dreads hat Lukas von einem Freund gemacht bekommen

- Er wird ab Februar fĂŒr das "Monster Skateboard Magazine" aus Köln schreiben

- Seine Freundin ist Nachwuchs-Modedesignerin

- Vor JPR studierte er zwei Semester Deutsch und Englisch auf Lehramt und absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer Werkstatt fĂŒr Menschen mit Behinderungen

- Zu erreichen ist Lukas nur ĂŒber Festnetz oder E-Mail

Die Halde Rungenberg wird erklommen

Oben auf der Halde

Der Ententeich im Gladbecker Busch

Ein selbstgebautes Katapult- Teil des "Zauberwaldes"

Der "Zauberwald" im Sommer

Villa Lange: Hier wuchs Lukas auf

Oase mitten in Buer

Das Werk "Charles Bukowski" konnte Lukas schon ausstellen

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