19. November 2014  00:00

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MĂŒnzhĂ€ndler in Buer

Der geborene JĂ€ger und Sammler

MĂŒnz- und BriefmarkenhĂ€ndler sind selten geworden. Fast so selten wie manch eine RaritĂ€t in ihren BestĂ€nden. In Buer gibt es sage und schreibe noch einen einzigen Experten: Reiner Laarmann. Sein FachgeschĂ€ft ist die Anlaufstelle, wenn es um An- und VerkĂ€ufe in Sachen MĂŒnzen, Briefmarken, Banknoten und historische Ansichtskarten geht.

Von David Stanek

Seit 1983 betreibt der 63-jĂ€hrige Ur-Gelsenkirchener sein gefĂŒhlt drei mal drei Meter großes Kontor, gut versteckt, in der Maelostraße 1. SpĂ€testens nach Eintritt durch die weiße EisentĂŒr ist jedem bewusst, um welche Leidenschaft es bei Reiner Laarmann geht. Auf seinem Tresen, in alten Holzregalen, Vitrinen und sogar auf dem Boden befinden sich MĂŒnzen, Banknoten, Briefmarken und Ansichtskarten aller Art. Das geordnete Chaos, bei dem nur Laarmann selbst den Durchblick behĂ€lt, wirkt wie ein schier unerschöpfliches Reservoir - gut behĂŒtet in adĂ€quaten Alben, in Kartons oder lose in Folie eingepackt.

:: Sammler von klein auf ::

GeprĂ€gt durch seinen Großvater, der selbst begeisterter Briefmarkensammler war, entwickelte Laarmann bereits in frĂŒher Kindheit seine Leidenschaft. „Nach meinem langen Geschichts- und Germanistikstudium stand ich vor der Entscheidung, ob ich in den Staatsdienst gehe und Archivar werde oder mich selbststĂ€ndig mache." Der 63-JĂ€hrige entschied sich dafĂŒr, sein Hobby zum Beruf zu machen. Bereut hat er diesen Entschluss bis heute nicht.

MĂŒnzen- und BriefmarkenhĂ€ndler sind selten wohlhabend: „Es reicht, um davon einigermaßen zu leben. Über den Stundenlohn bei gut und gerne 100 Stunden in der Woche, möchte ich lieber nicht nachdenken. Viel wichtiger ist mir aber, dass ich Spaß an der Sache habe“, erzĂ€hlt er mit einem LĂ€cheln.

:: Viele Stammkunden und zusĂ€tzlich „ebay“ als Verkaufsplattform ::

Zum Kundenkreis des Experten zĂ€hlen ĂŒberwiegend Stammkunden, die seit mehreren Jahren oder gar Jahrzehnten regelmĂ€ĂŸig ihre SammlerstĂŒcke in dem urigen GeschĂ€ft an- oder verkaufen. „Ich bin seit mittlerweile 20 Jahren Kunde bei Herrn Laarmann“, gibt sich ein Ă€lterer, ergrauter Herr mit Brille zu erkennen, der namentlich nicht genannt werden möchte. Diesmal ist es ein Vatikan-KursmĂŒnzensatz geworden.

Laufkundschaft ist natĂŒrlich auch regelmĂ€ĂŸig in der Maelostraße anzutreffen: „Viele Gelegenheitskunden möchten ihre StĂŒcke einfach nur schĂ€tzen lassen und suchen daher mich als Fachmann auf." NatĂŒrlich erteilt Reiner Laarmann auch einfach nur AuskĂŒnfte rund um das Thema MĂŒnzen, Briefmarken, Banknoten oder Ansichtskarten – selbstverstĂ€ndlich kostenlos.

Auf den Zug Internet aufzuspringen, hat Reiner Laarmann nicht verpasst. ZusĂ€tzlich zu seinem LadengeschĂ€ft, ist er seit ĂŒber 10 Jahren als VerkĂ€ufer bei „ebay“ aktiv. Seine StĂŒcke gehen des Öfteren ins Ausland. HĂ€ufig zahlen Liebhaber und Sammler fernab der Landesgrenze, mehr als in Deutschland. „Nicht selten kommen VerkĂ€ufer, die bei „ebay“ nicht den gewĂŒnschten Preis erzielt haben, zu mir“. Der Vorteil liegt auf der Hand: „Bei mir gibt es keine VerkaufsgebĂŒhren und ich kann ihnen oft einen besseren Preis anbieten.“

:: Katalogwerte sind nicht gleich Sammlerwerte ::

FĂŒr jedes Sammelgebiet gibt es Kataloge zur Bestimmung des Nennwertes. „Diese Kataloge können nur Richtpreise sein“, betont Laarmann. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Über die wertvollsten StĂŒcke seiner Sammlung hĂŒllt sich der Fachmann weitestgehend in Schweigen. Nur so viel: „Unter GoldmĂŒnzen gibt es StĂŒcke, die gut und gerne 10.000 Euro wert sein können.“ Briefmarken können teilweise noch viel höhere Preise erzielen. Die extrem seltenen StĂŒcke gehen, wenn ĂŒberhaupt, nur ĂŒber die großen AuktionshĂ€user weg. Eine Blaue oder Rote Mauritius taucht im Fachhandel nie auf, da sie im Besitz von Sammlern sind. „Vor Jahren ist ein Rote fĂŒr 2,3 Millionen versteigert worden“, berichtet der Bueraner FachhĂ€ndler.

:: Historische Ansichtskarten in Kalenderform ::

Ein besonderes Bonbon, auf das Reiner Laarmann besonders stolz ist, erscheint jedes Jahr aufs Neue: sein eigener historischer Ansichtskartenkalender, der den Namen „Gelsenkirchen gestern“ trĂ€gt. In diesem Kalender sind 13 historische Motive der Stadt zu sehen. Aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik oder den FĂŒnfzigerjahren. Die historischen Ansichtskarten sammelt er persönlich selber mit großer Leidenschaft. Wieviele es sind, weiß er selbst nicht genau: „Eine hohe vierstellige Zahl schĂ€tze ich." Die Nachfrage nach diesen Karten ist in den letzten Jahren besonders durch Heimatsammler stark gestiegen. Es verwundert nicht, dass fĂŒr ihn als Ur-Gelsenkirchener diese StĂŒcke von besonderem Reiz sind. Reizvoll wĂ€re es, wenn Reiner Laarmann seinen Kunden noch viele Jahre erhalten bleibt. Schließlich ist er der letzte seiner Zunft in Buer.



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Reiner Laarmann

FachhĂ€ndler fĂŒr Briefmarken, MĂŒnzen, Banknoten und historische Ansichtskarten

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag: 9.30 Uhr - 12.30 Uhr

Dienstag, Donnerstag, Freitag: 15.00 Uhr - 17.45 Uhr

Samstag: 9.30 Uhr - 13.00 Uhr

Telefonummer: 0209/375217

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In Reiner Laarmanns Besitz befinden sich unzĂ€hlige SammlerstĂŒcke

Stolz auf seinen eigenen historischen Ansichtskartenkalender

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