11. November 2014  00:00

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Das kleine Bistro

Klein, aber fein

Ein vierköpfiges Team sorgt in dem kleinen Lokal für eine Stimmung, die einer Familienfeier ähnelt – das kleine Bistro bringt neues Leben in das totgeglaubte Karstadtgebäude auf der Hochstraße. Britta von Heesen ist nach elf Jahren in Ägypten zurück in Gelsenkirchen und Inhaberin einer Gastronomie mit Zukunft.

Von Lukas Schepers

Warm, wohlig, familiär. „Das kleine Bistro“ lebt durch sein Team, das Britta von Heesen leitet. Die 34-Jährige wurde in Herten geboren, aber fühlt sich in Buer so fest verankert, dass es sie sogar nach elf Jahren in Hurghada zurück in ihre Heimat zieht, mit einem gewagten Plan. Das Team des Bistros ist eingespielt, freundlich und auf Trab. Neben zwei Festangestellten im Servicebereich, dem Koch und Frau von Heese selbst sorgen junge Aushilfen für Abwechslung.

Angenehmes Licht, rege Unterhaltungen, eine nette Bedienung und leckeres Essen sorgen dafür, dass man sich wohlfühlt – egal ob alleine, mit dem Partner oder mit den Kindern. Für jeden ist etwas dabei.

Das Lokal ist klein, fast winzig mit seinen 60 Quadratmetern (inklusive Küche, wohlgemerkt). Doch die Speisen sind riesig. Der Koch, Mathias Hulke, fängt bereits um 6 Uhr morgens an, die Speisen vorzubereiten. Neben verschiedenen Bagel- und Baguettevariationen bietet das Bistro zum Frühstück auch verschiedene Müsli-Joghurt-Obst-Kombinationen an. Im Vordergrund steht jedoch der Mittagstisch mit täglich wechselnden Gerichten, bestehend aus einer Suppe, einem Auflauf und einem Eintopf. Neben dem Mittagstisch ist die reguläre Speisekarte jedoch auch sehr überzeugend. Besonders die Flammkuchen sind beliebt und empfehlenswert, gerade weil immer neue Kreationen hervorragend umgesetzt und je nach Belieben angepasst werden. Der 56-jährige Jürgen Gartemann geht gerne mit seiner Frau hierher: „Ich freu mich jedes Mal, wenn ich herkomme. Flammkuchen super, Bedienung nett. Was will man mehr?“ Auch die Vegetarier kommen, besonders durch individuelles Eingehen auf die Kundschaft, gut weg.

Zusätzlich zum abwechslungsreichen Speiseangebot, in das sich auch noch Crêpes und Waffeln eingliedern, herrscht im kleinen Bistro auch abends eine entspannte Atmosphäre, die auch auf ein Gläschen Wein zum Feierabend einlädt. Zum Glück aller Raucher kann auch draußen gegessen werden. Die weißen Holztische bieten Platz für alle, die ihre Zeit lieber an der frischen Luft verbringen.

Da sich das Bistro direkt an der Hochstraße befindet, kann man auch als Einzelgänger die Zeit damit verbringen, das Stadtleben zu betrachten.

::Arabischer FrĂĽhling in Ă„gypten::

Von 2002 bis 2013 lebte Britta von Heesen in Hurghada. Sie lernte dort ihren zehn Jahre älteren Mann Yassir Elsobky kennen, fand einen Job in der Hotelbranche und pendelte ab und zu zurück nach Deutschland.

2011 wurde, im Laufe des arabischen Frühlings, der damalige Staatspräsident Husni Mubarak gestürzt. „Hurgahda ist nicht mit Kairo oder Luxor zu vergleichen“, sagt sie. Aber dennoch merkte sie, gerade im Hotel, wie der Tourismus einbrach, als die ersten Reisewarnungen rausgingen. Die Problematik: „Leute wurden auf die Straße gesetzt. Man hat schnell die Armut gespürt und es ist ja nicht wie in Deutschland, dass der Staat einen auffängt. Man hat, was man hat.“

Auch zu den Zeiten Mohammed Mursis wurde es nicht ruhiger. „Es war immer ein Auf und Ab“, erzählt sie. „Man hat immer auf irgendetwas gewartet und keine wirkliche Ruhe in sich gefühlt.“ Der Tourismus kam und nahm wieder ab. Es sei undurchschaubar gewesen, nicht nur für sie als Ausländerin, sondern auch für die Ägypter.

Doch sie nahm auch viel Positives mit. „Das Wetter ist besser, und obwohl die Leute ein viel größeres Leid tragen, sind sie entspannter.“ Diese Mentalität soll im Bistro spürbar werden.

::RĂĽckkehr in die Heimat::

„Wenn man Kinder hat, möchte man zurück zu den Wurzeln. Das haben wir gemerkt und das war der richtige Zeitpunkt um zu sagen: Jetzt machen wir etwas Neues.“ Britta von Heesen und Yassir Elsobky haben zwei Töchter. Eine fast vier, die andere sechs. Sie haben jetzt die Möglichkeit hier zur Schule zu gehen und heranzuwachsen.

::Ein kleines Risiko::

Es haben sich Möglichkeiten geboten: Der Plan wiederzukommen stand ein halbes Jahr vor der Rückkehr. Es war klar, dass sie sich etwas Eigenes aufbauen wollte und nach ein paar erfolgslosen Besichtigungen wurde ihr der Platz im alten Karstadtgebäude vorgeschlagen, in das jetzt, zum Glück aller Bueraner, wieder Leben einkehrt. Nicht jeder würde diesen Schritt wagen, doch mit einem starken Willen und viel Arbeit setzt die Bistroinhaberin ihren Plan in die Tat um und eröffnet, mit tatkräftiger Unterstützung ihres Mannes, „Das kleine Bistro“. Zurzeit arbeitet sie Vollzeit als Erzieherin in einem Kindergarten in Recklinghausen und kommt direkt nach der Arbeit ins Bistro.

Britta von Heesen hat ihre Idee verwirklicht und kann sich gut vorstellen, demnächst auch Gastronomie unter der neu eingepflanzten Buerschen Linde zu machen. Schon jetzt ist ihr Bistro eine Bereicherung für die Hochstraße, die mit der Wiederauferstehung des Karstadtgebäudes einen Aufschwung erlebt.



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Ă–ffnungszeiten:

Mo. – Fr. von 08:00 – 20:00 Uhr

Samstag von 09:00 – 15:00 Uhr

Sonn- und Feiertags geschlossen

www.das-kleine-bistro.de

Direkt an der Hochstraße – "Das kleine Bistro" ist nah am Stadtleben

Britta von Heesen (rechts) mit ihrer Mitarbeitern Nadja Armborst

Auch vor dem Bistro machen es sich die Leute bequem

In das alte Karstadtgebäude kehrt endlich wieder Leben ein

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