29. Oktober 2014  00:00

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Kampfsport

„Willkommen im Fight Club"

Schweiß tropft auf den Boden, dumpf schlagen die Boxhandschuhe im Takt, es duftet nach Kaffee – passt nicht zusammen? Im „Fight Club Gelsenkirchen“ schon. Lesen Sie, warum Brad Pitt in Gelsenkirchen seine Probleme hätte.

Von Verena Kensbock

Alles ist anders als im legendären Film „Fight Club“ von 1999: Der Trainingsraum ist kein Keller, die Sportler keine geheime Schlägertruppe und Deniz Haciabdurrahmanoglu kein verkorkster Seifenhändler. Er ist Eigentümer des „Fight Club Gelsenkirchen“ und auf den ersten Blick erinnert sein Studio kein bisschen an die Untergrundszene aus dem Kino. Von draußen kann man durch die großen Fenster die Bar und Cafétische sehen. Auf der Theke flackern Kerzen, von der Decke schauen goldene Buddhas auf die Besucher. Rechts vom Eingang liegt der Boxring, links ein Trainingsraum.

Hier trainiert Deniz Haciabdurrahmanoglu seit 1991 seine Schüler in Wing Chu, Thai Boxen oder Luta Livre. „Bevor ich den Fight Club eröffnet hatte, waren hier ein Friseur und eine Kneipe“, sagt er. „Ich habe die Lokale zusammengelegt und lehre hier seitdem unterschiedliche Kampfsportarten.“ Gerade trainieren sechs Schüler MMA, Mixed Martial Arts, die Boxhandschuhe schlagen rhythmisch gegen die Polster. Deniz Haciabdurrahmanoglu ist mittendrin. Er führt die Atemtechnik vor, gibt Hilfestellung und greift ein, wenn die Übungen nicht richtig gemacht werden.

:: Kämpfen kann jeder ::

Sein Alter sieht man dem 45-Jährigen nicht an. Er ist breit gebaut und auf seinen Unterarmen treten die Adern vor, seine Nase ist ein wenig krumm. Ihm stehen der Schweiß auf der Stirn und ein Lächeln im Gesicht. „Das Schöne am Kampfsport ist, dass man kein Talent braucht. Das kann jeder“, erklärt Haciabdurrahmanoglu. „Außerdem ist es ein Individualsport. Also gut für alle, die nicht in Teams klarkommen.“

Ähnlich ging es dem gebürtigen Gelsenkirchener selbst als Kind. „Ballsportarten haben mir nie wirklich gefallen. Ich verlasse mich lieber auf mich selbst.“ Der Trainer wirft einen prüfenden Blick zu seinen Schülern. Vor allem die Freundschaften sind für Deniz Haciabdurrahmanoglu im Kampfsport etwas Besonderes: „Man kämpft zusammen und schwitzt zusammen. So eine Freundschaft ist viel persönlicher und man geht rücksichtsvoller miteinander um.“

Darum hat er schon Kung Fu gemacht, als er gerade laufen konnte, und seitdem nicht mehr aufgehört. „Mit 1993 bin ich für meine Lehrerausbildung nach Hongkong gegangen, habe dort gekämpft und an Lehrgängen teilgenommen.“ Außerdem studierte er Maschinenbau an der damaligen Fachhochschule Gelsenkirchen und arbeitete für Evonik – bis die Chance kam, eine eigene Schule für Kampfsport zu eröffnen.

:: Nicht so schlecht wie sein Ruf ::

Heute kann man im Fight Club sieben Kampfsportarten erlernen, Zumba tanzen und Reha-Sport machen. Das Publikum ist dabei bunt gemischt. „Im Kids Club sind unsere Jüngsten drei Jahre alt, beim Tai Chi ist unsere älteste Teilnehmerin schon über 80“, erzählt Haciabdurrahmanoglu begeistert und wischt sich mit dem Ärmel seines Kapuzenpullis den Schweiß von der Stirn. Auch die Hintergründe seien unterschiedlich. „Vom Handwerker bis zum Manager ist alles dabei. Kämpfen reizt vor allem Leute, die viel unter Stress stehen und sich auch mal extravagant messen wollen.“

Dabei spielt Deniz Haciabdurrahmanoglu auf GMC an, die "German MMA Championship". Er veranstaltet die Wettkämpfe, bei denen die Kontrahenten im Käfig gegeneinander antreten. „Ich versuche, den Ruf der Käfigkämpfe wieder etwas sauber zu waschen“, sagt er. Denn die seien gar nicht so schlimm, wie viele glauben. „So ein Kampf ist facettenreich und braucht disziplinierte Vorbereitung. Es gibt ein ganzes Regelwerk, an das sich die Kämpfer halten müssen.“ Außerdem ist ihm daran gelegen, ein weit verbreitetes Missverständnis zu klären: „Der Käfig sieht für viele Zuschauer sehr bedrohlich aus. Dabei dient er vor allem der Sicherheit der Kämpfer.“ Ansonsten würden sie aus dem Ring fallen oder sich in den Seilen verheddern und böse Verletzungen riskieren.

Und wie viel hat der „Fight Club Gelsenkirchen“ für seinen Besitzer mit dem Film gemeinsam? In erster Linie den Namen. „Fight Club klingt auf jeden Fall cooler als Schulungszentrum für effektive Selbstverteidigung“, sagt Haciabdurrahmanoglu lachend über den alten Namen der Schule. Ansonsten noch den Schweiß - der ist auch der gleiche wie im Film.



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Kontakt:

Fight Club Gelsenkirchen

Telefon: 0209 799 252

Internet: www.fightclub-ge.de

Die Kurse finden montags bis samstags von 15 bis 21 Uhr statt. Die Trainingszeiten findet Ihr hier. Alle, die gerne mal in den Ring steigen wollen: FĂĽr die Kurse gibt es eine kostenlose Probezeit von vier Wochen.

Chef Deniz Haciabdurrahmanoglu versucht, auch Kindern den Sport näher zu bringen.

Hier wird trainiert: der Boxring im "Fight Club Gelsenkirchen"

Alles halb so schlimm: Bei der "German MMA Championship" gibt es klare Regeln.

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