10. Oktober 2014  00:00

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Entertainer in Buer

Von Knastis, Clowns und Luftballons

Werner Skowronek, alias „Wesko“, hat viele Facetten. Mit seinem Zoo aus Luftballontierchen pustet er Kindern ein Lachen aufs Gesicht. Seine Lebensfreude ist ansteckend. Doch seine Geschichte ist nicht immer lustig. Sie ist holprig, bewegt und brachte ihn auch schon mal hinter Gitter.

Von Katharina Schneider

:: Kindermagnet ::

„Guck doch nicht so!“, hallt es die Hochstraße in Buer hinunter. Ein verdutzter Passant dreht sich um. „Ja, du! Dich meine ich!“, Werner Skowronek (54) fixiert ihn mit erhobenem Zeigefinger, hochgezogenen Augenbrauen und starrem Blick. Stille. „Du kannst doch auch nichts dafür, dass Schalke 1:1 gespielt hat!“, ruft der Clown und schnürt unbefangen den roten Luftballon in seinen Händen zu einem Hund. Ein Schmunzeln zeichnet sich auf den Gesichtern einiger Erwachsener ab, die eine Traube um ihn gebildet haben. Die Kinder jedoch sind wie hypnotisiert von der Drehkunst des Ballonentertainers mit der roten Nase. Ob Pinguine, Löwen, Schwerter, Hunde oder Katzen, Wesko hat den Dreh einfach raus – auch ohne hinzugucken. Kein Wunder, denn Übung hatte er in den 15 Jahren als Straßenkünstler reichlich.

Der in Gladbeck geborene Hertener betreibt dieses Hobby nach Lust und Laune immer da, wo sich Menschen versammeln. Sei es in der Einkaufsstraße in Buer oder auf einer Hochzeit in Konstanz. Er ist bekannt als Clown, lebende Schaufensterpuppe, Weihnachtsmann und Ballonkünstler. Als fröhlicher Entertainer in roter Hose und weißem Hemd.

Kaum einer würde denken, dass der lustige Clown einst im Gefängnis saß.

:: Nichts zu lachen ::

Und umgekehrt hätte vor 30 Jahren wohl auch keiner damit gerechnet, dass Wesko einmal Luftballons aufpusten und an Kinder verschenken würde – er selbst auch nicht.

Einbruch, Diebstahl und schwere Körperverletzung lautete die Anklage. Nichts davon streitet Wesko ab. Im Gegenteil, er berichtet verwirrend ehrlich davon, wie es ist, wenn man nichts mehr zu lachen hat. Seine Finger vor sich auf dem Tisch verschränkt, blickt er eindringlich geradeaus: „Ich war eiskalt.“ Drei Jahre saß er dafür im Gefängnis. „Ich war aber nicht böse, dass sie mich verhaftet haben. Damals war ich soweit, ich hätte eine Knarre genommen und einen umgelegt.“ Der Knast war seine Befreiung.

:: Ein Ballon für dich, ein Lachen für mich ::

Ein kleines Mädchen schaut ihn mit großen Augen an. „Krieg ich auch noch ein Bärchen?“, Wesko ist jetzt in seinem Element. Umringt von Kindern bastelt er ein Tierchen nach dem anderen. „Ja, sicher! Welche Farbe magst denn haben?“ Während die Kleine ihre Bestellung aufgibt, kramt ihr Vater bereits in seinem Portemonnaie. Eigentlich ist der Spaß in Luftballon-Form umsonst, aber die Meisten geben gern ein, zwei Euro als Dank für die glücklichen Gesichter. Und nur dekorativ ist die Spardose am Koffer dann auch nicht. „Nein, das große Geld mache ich damit nicht.“, erklärt Wesko. „Es reicht geradeso um die Materialien zu bezahlen.“ An einem guten Tag ‚verdient‘ er 25 Euro in der Fußgängerzone in Buer. Aber darum ginge es ihm auch nicht, beteuert er. Denn neben seinem Hobby arbeitet der gelernte Betriebsschlosser als Schmiedefacharbeiter. „Das mache ich nur am Wochenende“, lächelt der Ballon-Bändiger und zeigt auf die wartenden Kinder um ihn herum. Auf die Frage nach dem Grund für sein Hobby, antwortet Wesko gelassen: „Ich hab einfach so viel Lebensfreude, dass ich einen Teil davon abgeben kann.“

Doch das war nicht immer so. Wie kam es also dazu, dass der eiskalte Gewalttäter zum fröhlichen Entertainer wurde?

:: Die Kehrtwende ::

„In der Schulzeit hat es angefangen. Wir haben gesoffen wie Löcher und sind betrunken gewalttätig geworden.“, erinnert er sich. Und auch zu Hause hatte er Gewalt vorgelebt bekommen. „Ich musste meinen Vater zurückhalten, damit er keinen erschlägt.“ Mit 18 zog er aus. Doch sein soziales Umfeld änderte sich kaum. Mit 23 wurde er verhaftet. „Ich hatte die falschen Freunde. Leb oder stirb, war bei uns die Devise.“ Heute weiß er, es war der gegenseitige Neid. Er wollte das haben, was andere hatten. Mit allen Mittel. „Doch das letzte Hemd hat keine Taschen. Du kannst nichts mitnehmen.“, er schaut auf seine leeren Hände, „Das habe ich im Gefängnis gelernt.“ Der Knast hat ihn befreit, von seinem Umfeld und seiner damaligen Einstellung. „Ich habe Menschen sterben sehen im Gefängnis“. Darunter auch Freunde. „Da habe ich verstanden, dass Luxus nicht wichtig ist. Dass über die eigenen Verhältnisse zu leben, einen nicht glücklich macht. Und dass Cliquenwirtschaft einem die eigene Meinung nimmt.“ So, wie die Menschen im Knast, wolle er nicht werden oder enden. Und das tat er auch nicht!

:: Meinen Weg gehe ich geradeaus ::

Zwei Jahre nach seiner Entlassung heiratete Wesko im Jahr 1988 und wurde sieben Jahre danach Vater einer Tochter. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm. Ein Jahr nach der Geburt ging seine Ehe in die Brüche. Vor Gericht verlor er das Sorgerecht. Schon 18 Jahre hat er keinen Kontakt zu seinem Kind. „Sie sagte, sie hat mich 18 Jahre lang nicht gebraucht und jetzt bräuchte sie mich auch nicht mehr. Ich wünsche ihr das Beste, für mich bleibt sie immer meine Tochter und ich denke jeden Tag an sie.“ Nicht zuletzt ist das einer der Gründe für seine Straßenkunst. „Kinder sind einfach das Größte!“ Als Clown arbeitete er sogar auf der Krebsstation in der Kinderklinik in Datteln und wurde dafür 2010 vom WDR zum „Ruhri der Woche“ ernannt.

Sein Ziel ist nichts Geringeres, als der berühmteste Clown der Welt zu werden. „Ich bereue nichts, denn ich habe aus allem gelernt.“

Seine Geschichte ist holprig, bewegt und brachte ihn auch schon mal hinter Gitter. Doch sie steckt voller Leben.



Bisherige Kommentare

FK   11.10.2014, 00:18:11 Uhr

Tolle Geschichte!

Johannes   12.10.2014, 12:34:06 Uhr

Das hätte ich nie gedacht. Ich habe Wesko schon so oft gesehen. Erstaunliche Geschichte!

Werner Helbig   13.10.2014, 17:18:42 Uhr

Ich war sein Fahrlehrer und denke das ist sein Traumjob mit Kinder zu arbeiten denn das kann er.

Werner weiter so auch vom gesamten ACADEMY Team

Denise   14.10.2014, 21:58:33 Uhr

Ich bin das Mädchen Denise auf dem letzten Bild und auf dem vorletzten die Flummi\'s sind total Cool die springen wirklich der andere Junge ist mein Bruder Niklas wir beide finden Wesko sehr Lustig er bringt mein Bruder und mich immer zum Lachen

Schöne grüße

Denise und Niklas

Sarah   23.11.2014, 22:52:35 Uhr

Komisch, das man so private Dinge im Internet preis gibt.

Ich denke nicht das viele Leute von so etwas begeistert sein werden.

Ich denke das es triftige Gründe dafür gibt, warum er das Sorgerecht nicht bekommen hat & es gibt bestimmt auch Gründe dafür das die Tochter so etwas sagt.

Effi   25.01.2015, 21:22:54 Uhr

Warum komisch Sarah? Dein Vater kann doch über seine Vergangenheit im Internet und in der Öffentlichkeit reden.Er braucht nicht zu verheimlichen, dadurch zeigt er,daß er eine starke Persönlichkeit ist. Wie ich sehe hat er positive Antworten. Dein Vater liebt dich. Schade das du das nicht siehst und merkst. Welche trifftige gründe sind es und welche gründe hast du, daß du sowas sagst.

Tina   09.07.2015, 22:24:59 Uhr

Ich habe ihn in einer Talksendung gesehen und da hat er sehr menschenverachtend von dickeren Frauen gesprochen. Ganz mies. Unsympathischer Kerl. Wenn ich den auf der Hochstraße sehe, denke ich immer, wie furchtbar gestellt er sich bei den Kindern und Eltern gibt. Wer kauft ihm das ab???



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InfoBox

Wesko ist Autodidakt. Seine Ballonkunst hat er sich selbst beigebracht, indem er beobachtete, wie andere Ballontiere bastelten. Auch um sein Make-Up kümmert er sich selbst. Eine Stunde braucht er für das Clownsgesicht. Circa 6000 Luftballons verpustet Wesko in zwei Monaten. Das kostet ihn ungefähr 400 Euro.

Beim Stadtfest in Marl begeistert Wesko mit seiner Ballonkunst Jung und Alt.

Weskos luftige Tierchen sind originell, witzig, niedlich und wahre Kindermagneten.

Luftballons mal anders: Als Flummi machen sie mindestens genauso viel Spaß.

Niklas (9) und Denise (11) kennen Wesko schon lange. Sie sind sich einig: "Er ist immer lustig und witzig!"

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