24. April 2014  12:50

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Buersche Druckerei

Druckfrische GerĂŒchte

Noch hĂ€ngen die blauen Buchstaben ĂŒber dem Dach der Buerschen Druckerei am Nordring. Doch in wenigen Tagen wird sie abgerissen, das ist Fakt. Was bleibt, sind GerĂŒchte ĂŒber die Folgenutzung des Areals. Buerpott hat sich informiert.

Von Marco Wolf

Behutsam lĂ€uft Peter Schmitz ĂŒber den spiegelglatten Boden in den ehemaligen Produktionshallen der Buerschen Druckerei. Sein Finger drĂŒckt den schwarzen Schalter mit der römischen Eins nieder, die Leuchtröhren brummen, flackern, bis ihr Blitzlichtgewitter den Raum in ein kaltes Licht taucht. Dort in der Ecke steht sie noch, die Belichtungsanlage, aus der frĂŒher die Druckplatten fĂŒr den Offset-Druck in die Auffangvorrichtung rutschten. Bei diesem Verfahren wird die Farbe von der Druckplatte auf ein Drucktuch und erst im letzten Schritt auf das Papier ĂŒbertragen. Die Druckplatten und das Papier berĂŒhren sich daher nicht.

Nach der Belichtung wurden die Platten in der Haupthalle des GebÀudes in die Druckmaschine eingesetzt, aus der daraufhin die Druckerzeugnisse, beispielsweise Werbeplakate, flatterten. Im Jahre 2011 ging die Buersche Druckerei allerdings in die Insolvenz. Seitdem stand das GebÀude leer, soll nun abgerissen werden, um einer Folgenutzung Platz zu schaffen.

Erste EinbrĂŒche und PlĂŒnderungen

„In letzter Zeit ist es bereits zu ersten EinbrĂŒchen und PlĂŒnderungen innerhalb des GebĂ€udes gekommen“, sagt Schmitz. Er ist Mitarbeiter der Abbruch- und Sanierungsfirma „BST Becker Sanierungstechnik“ aus Oberhausen und arbeitet mit seinen Kollegen an der Entkernung des GebĂ€udes, bis die Bagger anrollen können, um Platz fĂŒr Neues zu schaffen.

"Alles stimmt und nichts stimmt"

Doch was kommt danach? Die GerĂŒchtekĂŒche brodelt: Zwei Discounter, ein Erweiterungsbau des ansĂ€ssigen Mercedes-Benz-Autohauses oder auch eine Tankstelle mit Waschstraße und ein Burger King. Zudem der bevorstehende Abriss des GebĂ€udes ab dem Ostermontag. „Das sind jedoch wirklich nur GerĂŒchte“, entkrĂ€ftet Schmitz die vermeintlichen Neuigkeiten. „ZunĂ€chst mĂŒssen wir das GebĂ€ude weiter entkernen. Dazu gehört die Demontage der Außenfassade und die Entsorgung sĂ€mtlicher Akten und der Möbel“. Die Fassade des Hauses besteht zum Teil aus Asbestzement, bei dem die Fasern mit Hilfe von Zement fest gebunden wurden. Solange diese Elemente intakt bleiben und nicht zerbrechen, werden auch keine Fasern freigesetzt. Daher ist die Demontage „nichts Kompliziertes, die Bagger werden aber schĂ€tzungsweise erst in 14 Tagen anrollen, wenn alles raus ist“.

"Alles stimmt und nichts stimmt", sagt auch Michael Hiesgen, GrundstĂŒcksverwalter der "HW Verwaltungs GmbH" in Haltern am See. "Derzeit befinden wir uns noch in der Verhandlungsphase mit allen Beteiligten und suchen eine ganzheitliche Lösung fĂŒr das GrundstĂŒck". Fakt ist, dass der Abriss von den geplanten Bauvorhaben losgelöst ist und in zwei bis drei Monaten abgeschlossen sein wird. Das GrundstĂŒck soll danach noch fĂŒr einige Zeit brachliegen, bis die VertrĂ€ge unterzeichnet sind und die Baugenehmigungen der Stadt vorliegen. "Das Ziel ist, bis zum Ende des Jahres die Entwicklung des GrundstĂŒcks abzuschließen", so Hiesgen.

15:28 Uhr – Der Tod der Druckerei

Über eine kleine Treppe geht es in den oberen Teil des GebĂ€udes, zur ehemaligen Verwaltung und zu den RedaktionsrĂ€umen. Im Sommer 1963 bezog die Redaktion der BZ die BĂŒrorĂ€ume, wĂ€hrend ihre Zeitung im hinteren Teil des GebĂ€udes gedruckt wurde. SpĂ€ter folgte der Umzug in die zentral gelegene Hagenstraße, die BZ wurde aber weiterhin hier gedruckt.

Die Wanduhr mit den charakteristischen, spitz zulaufenden Zifferbalken hat ihre Funktion um 15:28 Uhr verloren. In den verlassenen RĂ€umen liegen stapelweise Akten und umgekippte BĂŒro-Ordner. Fast wirkt es so, als warteten die Unterlagen auf einen recht chaotischen Umzug in neue BĂŒros. Doch das nĂ€chste Ziel wird der MĂŒllbehĂ€lter sein.

Beinahe makaber erscheint dagegen das feierliche Wandplakat zum 120-jĂ€hrigen Bestehen der Druckerei und dem 75. Geburtstag des damaligen FirmeneigentĂŒmers und Verlegers GĂŒnther Neufang aus dem Jahre 2001. Das einst strahlende Plakat mit einer hĂŒbschen Frontansicht des Eingangsbereichs und Aufnahmen Neufangs ist an den RĂ€ndern bereits vergilbt, seine Kraft erloschen.

Es ist dem GebĂ€ude anzumerken, dass seit 2011 nicht mehr geheizt wurde. Unwirtliche KĂ€lte zieht durch die verwĂŒsteten BĂŒrorĂ€ume, obwohl draußen angenehm sommerliche Temperaturen herrschen. Im Innern sind noch fĂŒr wenige Tage die Winter der letzten Jahre zu spĂŒren.

"Ich hÀtte sie gerne stehen gelassen"

Roswitha B. öffnet die hölzerne WohnungstĂŒr und begrĂŒĂŸt mich freundlich. Die Anwohnerin vom Urban-von-Vorst-Weg lebt seit 36 Jahren neben der Druckerei. Und erinnert sich gern an die Zeiten zurĂŒck, in denen die Mitarbeiter zum gewohnten Bild der Nachbarschaft gehörten: „Damals kannte man sich vom Sehen her und die Leute von nebenan gehörten einfach dazu", sagt sie und lĂ€chelt. "Als sich das dann dem Ende zuneigte, war es schon sehr traurig“.

Die Zeit des Leerstands hat B. mit gemischten GefĂŒhlen erlebt: „Großartiger Vandalismus ist mir zwar nicht aufgefallen, aber da die schöne Wiese vor dem Haupteingang nicht mehr gemĂ€ht wurde, hat sie sich schnell zu einer Hundewiese entwickelt“.

Vor wenigen Tagen hat sich Hiesgen bei ihr vorgestellt und mitgeteilt, dass sie sich bald auf LĂ€rm- und Staubentwicklungen einstellen muss und auch erwĂ€hnt, dass möglicherweise die Tankstelle und das Fast-Food-Restaurant auf dem Platz errichtet werden. "Das finde ich ĂŒberhaupt nicht gut", klagt B. Sie ist besorgt, dass dadurch der LĂ€rmpegel in der ruhigen Seitenstraße ansteigt. Allerdings vermutet sie auch, dass es bis zur Eröffnung der GebĂ€ude noch eine Weile dauern dĂŒrfte: "Man hat mir gesagt, dass die Druckerei unterkellert sei und die zerkleinerten Steine aus dem Mauerwerk genutzt werden, um den Hohlraum aufzufĂŒllen", sagt sie. Ihr Fazit: "Ich hĂ€tte sie gerne stehen gelassen, aber wer weiß, ob das GebĂ€ude jetzt schon baufĂ€llig ist. Schade ist es auf jeden Fall".

Die Zukunft wird zeigen, wie das GrundstĂŒck letztendlich genutzt wird. Mit dem Abriss der Druckerei verschwindet aber auf jeden Fall eine Landmarke der Buerschen Geschichte aus dem Stadtbild.



Bisherige Kommentare

Walter Vennemann   25.04.2014, 13:39:36 Uhr

Schön, dass Sie das Thema "Buersche Druckerei" aufgegriffen haben.

Leider wurde bei der Recherche nicht sorgfÀltig gearbeitet.

Sie sagen: Dort in der Ecke steht sie noch, eine der Druckmaschinen, aus der frĂŒher die aktuelle Ausgabe der Buerschen Zeitung (BZ) flatterte ... Das stimmt ganz einfach nicht. Nach dem Umzug von der De-la-Chevallerie-Straße zum Nordring im Jahr 1963 wurde die BZ zwar von Mitarbeitern der Buerschen Druckerei gesetzt, gedruckt wurde sie aber beim Bauer-Verlag in Recklinghausen und spĂ€ter in Marl. Auch die erwĂ€hnte restliche Druckmaschine eignete sich bestimmt nicht fĂŒr die Produktion einer Tageszeitung.

Walter Vennemann

Marco Wolf   25.04.2014, 19:00:41 Uhr

Sehr geehrter Herr Vennemann,

vielen Dank fĂŒr Ihre hilfreichen Anmerkungen. Der Text wurde dementsprechend geĂ€ndert.

Mit freundlichen GrĂŒĂŸen

Marco Wolf

Beate Cichy   12.05.2014, 12:39:40 Uhr

Ich war 30 Jahre im ebenfalls im GebĂ€ude der Buerschen Druckerei ansĂ€ssigen Verlag Th.Mann beschĂ€ftigt. Ich kann glaube ich fĂŒr viele Kolleginnen und Kollegen sprechen, dass wir alle im Verlag sowie Druckerei gerne gearbeitet haben. Es herrschte immer ein sehr gutes Betriebsklima! Und es tut auch 3 Jahre nach der Insolvenz noch immer weh, wenn man jetzt vor der Ruine des ehemaligen Arbeitsplatzes steht.Alle Mitarbeiter/innen haben jahrelang viele EinschrĂ€nkungen und Abstriche hingenommen, in der Hoffnung die Firma zu erhalten. Doch durch Unvermögen einiger weniger Personen wurde diese Hoffnung zunichte gemacht. Schade um diese Firmen und die ArbeitsplĂ€tze, loyalere und engagiertere Mitarbeiter wird man heutzutage nicht mehr oft finden! (das muss auch mal gesagt werden!!!)

Beate Cichy   14.05.2014, 07:33:08 Uhr

ErgĂ€nzung zu obigem Kommentar! Das gute Betriebsklima und das "gerne arbeiten" bezieht sich auf die Zeit als der Seniorchef noch die Firma geleitet hat!!! Der Junior hat sie dann leider runtergewirtschaftet!!! Da ging es natĂŒrlich auch mit dem Betriebsklima bergab. Viele langjĂ€hrige Mitarbeiter/innen haben jedoch das gute Betriebsklima untereinander aufrecht erhalten und haben immer noch Kontakt.Und das ist gut so!!!

Beate Cichy

Gerda MĂŒller   15.08.2014, 11:26:05 Uhr

HÀtte seinerzeit Herr Kleverbeck mit seinem NICHTWISSEN den Laden verlassen und Herr Vennemann hÀtte anstatt sich selbststÀnig zu machen weiterhin die Geschicke der Buerschen Druckerei geleitet, wÀre alles anders gekommen. Aber wie Beate schon sagte: was will man von einem Bernd Neufang erwarten???



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Die Geschichte der Buerschen Druckerei begann 1881. Im selben Jahr druckte sie das erste Mal den VorlĂ€ufer der Buerschen Zeitung (BZ). 1963 zog die Druckerei gemeinsam mit der BZ-Redaktion in das GebĂ€ude am Nordring 10. Die BZ wurde in der Druckerei gesetzt, der Druck erfolgte allerdings beim Bauer-Verlag in Recklinghausen und nach der Übernahme der Zeitung durch das Medienhaus Bauer in Marl.

Nachdem die Ära der Lokalzeitung im Jahre 2006 endete, meldete das Unternehmen 2011 Insolvenz an, wobei es in der Zwischenzeit noch externe DruckauftrĂ€ge ĂŒbernommen hatte. Seitdem stand das markante GebĂ€ude im Norden leer.

Die Klingelschilder weisen noch auf die Vergangenheit hin.

VerwĂŒstete BĂŒrorĂ€ume der ehemaligen Verwaltung.

Hier steht die Zeit still.

Der Gang zwischen dem HauptgebÀude und den Druckhallen.

In der Belichtungsanlage wurden die Druckplatten fĂŒr den spĂ€teren Druck in der Haupthalle belichtet.

In der Buerschen Druckerei wurde nach dem Offset-Verfahren gedruckt. Dabei berĂŒhrten die Druckplatte und das Papier sich nicht.

Das JubilĂ€umsplakat 2001: RĂŒckblick auf bessere Zeiten.

2011 endete der Betrieb in der Buerschen Druckerei, die verlassenen Handschuhe sind stumme Zeugen der Insolvenz.

Der GebÀudekomplex in Richtung Urban-von-Vorst-Weg.

"Ich hÀtte sie gerne stehen gelassen", sagt Anwohnerin Roswitha B..

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