08. Dezember 2013  00:00

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SSV Buer

Traditionsverein in Gelsenkirchen

Draußen ist es kalt und es regnet. Nebel erschwert die Sicht. Dennoch hört man Jugendliche lachen. Auch das ist Ehrenamt: sich viermal die Woche bei Hitze, Schnee, Regen oder Sturm auf den Fußballplatz zu stellen und Jugendliche zu trainieren. Und genau das macht der Bueraner Marco Baron.

Von Isabelle Potthoff

Als im vergangenen Sommer Barbara Engler, die 2. Vorsitzende der SSV Buer, den Sportstudenten fragte, ob er die C1-Jugend des Vereins trainieren möchte, war die Antwort klar: „Ich musste nicht lange darĂŒber nachdenken, ob ich das Angebot annehme. Meine Neugierde war sofort geweckt.“ Den Gedanken, eine Mannschaft selbst zu trainieren, hatte er schon lange, doch war dieses zeitlich nicht zu realisieren, da er selbst immer aktiv Fußball gespielt hat.

Jetzt trainiert Marco Baron dreimal in der Woche eine Truppe 14- bis 15-JĂ€hriger, wobei die Besonderheit seiner Mannschaft darin liegt, dass sich in dem 19-köpfigen Kader auch ein MĂ€dchen befindet. Innerhalb der eigenen Mannschaft wird sie gesehen, wie jeder andere Spieler auch. „Bei gegnerischen Mannschaften fiel das ein oder andere Mal schon ein doofer Spruch, doch wenn sie Laura dann spielen sehen, sind sie eigentlich sofort ruhig“, berichtet der 28-JĂ€hrige. Dadurch, dass sie spielerisch und technisch ausgesprochen gut ist, kann sie ohne Probleme mit den Jungen in der Liga mithalten. Doch mit der Zeit wird es schwerer fĂŒr sie, da die körperlichen Unterschiede ab einem gewissen Alter einfach zu gravierend sein werden.

:: „Wenn sie so weitermacht, wird sie Nationalspielerin.“ ::

Momentan ist die 14-JĂ€hrige verletzt. Sie brach sich vor einigen Wochen das Schien- und Wadenbein bei der Westfalenauswahl. Ihr Trainer glaubt aber fest an sie und ist der Meinung, dass sie das Zeug hat, irgendwann vielleicht sogar Nationalspielerin zu werden, wenn sie weiterhin so trainiert wie vor der Verletzung.

Der Trainer ist sehr zufrieden mit der Einstellung seiner Spieler. Egal wie schlecht das Wetter momentan auch ist, die Mannschaft kommt zu seinem Training. Und genau das ist es, was einen Trainer natĂŒrlich motiviert und bestĂ€tigt. „Dennoch bin ich immer wieder irritiert, dass meine Spieler bei 5 Grad kurze Hosen tragen und bei Regen niemand eine Regenjacke zum Training mitnimmt“, erzĂ€hlt er lachend. UnterstĂŒtzt wird er von seinem Co-Trainer Marcel Hester. "Ohne seine UnterstĂŒtzung wĂ€re ich oft aufgeschmissen. Alleine wĂ€re die Aufgabe organisatorisch nur schwer machbar."

Positiv an seiner Aufgabe findet der Sportstudent, dass er regelmĂ€ĂŸig auf dem Fußballplatz sein und den Jugendlichen etwas beibringen kann. „Außerdem helfe ich mit meiner ehrenamtlichen TĂ€tigkeit dem Verein, in dem ich fast meine komplette Jugend und die ersten 1,5 Jahre im Seniorenbereich in der Verbandsliga gespielt habe.“ Negativ hingegen findet er, dass die Spiele seiner Mannschaft samstags um 15 Uhr stattfinden, da er dadurch viele Bundesligaspiele verpasst. „Außerdem hasse ich es, zu verlieren“, verrĂ€t der Trainer ehrlich. „Aber das bleibt ja leider nicht aus.“

:: Zu viel Arbeit fĂŒr zu wenige Menschen ::

Aber nicht nur, wenn es um den Sport selbst geht, hĂ€ngt sich der 28-JĂ€hrige richtig rein. „Man darf nicht vergessen, dass jeder Verein abhĂ€ngig von seinen ehrenamtlichen Helfern ist.“ Die Problematik liegt darin, dass oft die finanziellen Mittel fehlen, um ehrenamtliche LĂŒcken zu kompensieren. Die Folge daraus ist, dass es immer schwieriger wird, einen gemeinnĂŒtzigen Sportverein am Leben zu halten. „Es fehlt ganz einfach der Nachwuchs“, versucht der Student die Situation zu erklĂ€ren. „Es gibt einen gewissen Kern an Menschen, der seit Jahren alle anfallenden Aufgaben ĂŒbernimmt. Da dieser aber eigentlich auch schon unterbesetzt ist, bleiben gewisse Dinge einfach hĂ€ufig auf der Strecke.“

:: Aktive Vereinsarbeit ĂŒber den Trainerjob hinaus ::

Marco Baron studiert Sportmanagement an der Ruhr-UniversitĂ€t Bochum. Mit Hilfe seines Studiums will er versuchen, die Maßnahmen aufzuarbeiten und umzusetzen, die im Laufe der Jahre aufgrund des Personalmangels auf der Strecke geblieben sind. „Ich möchte dem Verein gerne helfen, weiterhin seine tragende Rolle im lokalen Sportgeschehen ausfĂŒhren zu können“, berichtet Marco.

Auf seiner Aufgabenliste stehen Dinge wie die professionelle Gestaltung der Innen- und Außendarstellung des Vereins, Umsetzung innovativer Ideen und die Verbesserung der Kommunikation mit den Sympathisanten und Mitgliedern. Des Weiteren möchte der engagierte Trainer in Zukunft die Zusammenarbeit mit bestehenden und potenziellen Sponsoren intensivieren. „Es wĂ€re schade, wenn die SSV Buer irgendwann nicht mehr bestehen kann. Schließlich bietet der Verein Kindern und Jugendlichen aus der Umgebung die Möglichkeit, das Vereinsleben zu spĂŒren. Sie erhalten ĂŒber ihren Sport soziale Kontakte und lernen Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Das alles wĂŒrde wegfallen, wenn es den Verein nicht mehr gĂ€be.“



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Foto: Baron - Das Stadion an der Löchterheide in Buer

Foto: Baron - Der Blick auf den Rasenplatz

Foto: Baron - Das Vereinsheim der SSV Buer

Foto: Hester - Die Trainer Marco und Marcel mit ihrer Mannschaft.

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