12. November 2013  00:00

Kommentieren

Stoffladen Serukid

Bunt und arbeitsreich

Die Eulen sitzen mit groĂźen Augen ordentlich in Reihe. Die blaue neben der grĂĽnen, dahinter die pinke. Keine von ihnen bewegt sich. Bei Simone BĂĽter ist alles aus Stoff. In ihrem Laden stapeln sich die gepunkteten, gestreiften und karierten Bahnen. Doch was heiĂźt Laden? Eigentlich ist es ja ein Bahnhof.

Von Sarah Bauer

Ein Schild mit der Aufschrift „Buer Nord“ hängt noch an der Fassade in der kleinen Sackgasse am Nordring. Zuggäste steigen in den alten Bahnhofshallen allerdings nicht mehr aus. Stattdessen leuchtet einem schon von Weitem das bunte Fenster des Stoffladens „Serukid“ entgegen. Seit Anfang 2013 ist der alte Bahnhof das neue Zuhause für Simone Büters Leidenschaft: Stoffe.

:: Von der Familie geerbt ::

„Ich war schon immer für Buntes uns Ausgefallenes“, erklärt die Ladeninhaberin stolz. Bevor sie sich mit ihrem eigenen Stoffgeschäft selbstständig gemacht hat, war Büter im kaufmännischen Bereich tätig. „Ich war aber durch meine Familie schon total vorbelastet. Meine Schwestern hatten Schneiderin gelernt und auch ich habe immer schon gern etwas Kreatives gemacht“, sagt sie und lacht.

Im hellen und freundlich eingerichteten Verkaufsraum stapeln sich bunte Stoffbahnen bis fast unter die Decke. Rote Punkte auf gelbem Grund, bunte Autos und rosa Blumenranken reihen sich dicht an dicht. Ein großes klobiges Pult mitten im Raum ist übersät mit bunten Fetzen, im Hintergrund hängen Maßbänder. Wie viele Stoffe sich inzwischen in ihrem Laden befinden? Simone Büter greift sich mit der Hand in die Haare und gerät ins Grübeln. „Tausend und einen Stoff“, platzt es schließlich aus ihr heraus, „ich weiß es wirklich nicht mehr genau.“

:: Die Sieben-Tage-Woche ::

Hinter der bunten Fassade steckt viel Arbeit. Rund 14 Jahre lang betreibt Büter ihren Laden nun. Zuerst in Erle; im Februar diesen Jahres zog sie dann nach Buer in den Bahnhof um. „Wir haben größere Räume gebraucht.“ Sie betritt ein an den Verkaufsraum angrenzendes Zimmer mit Nähmaschinen. Als der Makler ihr dann neben anderen Häusern den alten Bahnhof anbot, war es um die kreative Geschäftsfrau geschehen. „Ich habe den Umzug mit meinem Mann zwischen Tür und Angel gemacht“, erinnert sie sich. Früher war anstelle des Ladens eine alte Werkstatt mit ölverschmiertem Boden. „Das mussten wir erst mal sauber bekommen.“ Auch die Fenster und Türen hat Simone Büter zusammen mit ihrem Mann Dirk erneuert. Und das alles neben dem Geschäftsbetrieb und der Marktsaison.

„Wir sind eigentlich jedes Wochenende auf Stoffmärkten.“ Für Büter bedeutet das eine Sieben-Tage-Woche. „Seit 2005 fahren wir regelmäßig auf die Märkte.“ Ihr Mann unterstützt sie dabei tatkräftig, auch wenn er sonst nicht im Laden steht. Freitags wird meistens der Sprinter mit den Stoffen bepackt, dann geht es quer durch die Republik. Erst am vergangenen Wochenende waren die Büters mit ihrem zwölf Meter langen Stand in Hamburg. Die Fachmärkte finden allesamt draußen statt. „Da oben hatten wir jetzt schon ziemlich heftigen Wind“, bemerkt Dirk Büter.

:: Bis nach Ă–sterreich fĂĽr Stoffe ::

„Am weitesten sind wir einmal auf einen Stoffmarkt nach Österreich gefahren“, sagt die Geschäftsfrau. „Nach Salzburg“, ergänzt ihr Mann. Aber auch sonst sind Kiel oder München keine Entfernungen für das Ehepaar. „Naja, manchmal ist es grenzwertig“, murmelt Büter und blickt auf ihre geballte Faust. „Aber lass uns nicht über Zahlen reden.“

In den ersten Jahren war die Selbstständigkeit mit dem Hobby ein Verlustgeschäft. „Wenn es Gewinn gab, haben wir sofort wieder reinvestiert. Langsam läuft es aber.“ Ein Blick in die leuchtenden Augen von Simone Büter reicht aus, um zu erkennen, dass die Stoff-Liebhaberin den ganzen Stress nicht des Geldes wegen macht. „Man lebt während der Arbeitszeit“, sagt Dirk Büter mit Blick auf den Alltag seiner Frau.

:: Der hundertjährige Bahnhof ::

Es sind zunehmend auch junge Frauen, die den Weg in Simone Büters Online-Handel oder sogar die Sackgasse am Nordring finden. „Viele junge Mädels nähen wieder gerne etwas selbst“, freut sich die Ladenbesitzerin. „Vielleicht weil in den Klamottenläden vieles grau in grau geworden ist und sie lieber etwas Individuelles haben wollen.“

Wer noch nicht nähen kann, hat die Möglichkeit, dies bei Serukid zu lernen. Simone Büter bietet in Zusammenarbeit mit einer Schneiderin mittwochs und donnerstags Nähkurse an.

Über Ruhestand denkt Büter noch nicht nach. „Das ist noch eine Weile hin.“ So lange ist sie offen für weitere Vergrößerungen. Bald werden die ersten Stoffe exklusiv für ihren Laden gefertigt. Auf dem Bahngelände wird es langsam dunkel. Die vielen bunten Muster leuchten umso stärker im Schein der Ladenbeleuchtung. Nachdenklich blickt sie das Gebäude an. „Ich hoffe mal, dass es noch hundert weitere Jahre stehen bleibt.“ Für den Verkauf von tausend und einem Stoff. Dann lacht sie.



Bisherige Kommentare

Dieser Beitrag wurde bislang nicht kommentiert.



Artikel kommentieren

Ihr Name? (erforderlich)


Ihre E-Mail-Adresse? (erforderlich, wird nicht veröffentlicht)


Ihr Kommentar?



 
 

Hier ist es


Größere Kartenansicht

InfoBox

Der Name „Serukid“ leitet sich aus „Selbstgemachtes rund ums Kind“ ab. Der Fokus von Simone Büters Stoffen liegt nämlich im Bereich Kinder. Es gibt aber auch alles für farbenfreudige und kreative Erwachsene. Da in der Sackgasse außerhalb der Innenstadt wenig Laufkundschaft vorbei kommt, vertreibt Büter viele ihrer Stoffe in ihrem Online-Handel.

Am 23. November 2013 findet auf dem Gelände des alten Bahnhofs ein Sonderverkauf statt. Die Büters unterstützen an diesem Tag das „Heart Pillow Projekt“, das Krebspatientinnen der Kliniken Essen Mitte zugute kommt. Jeder kann vorbeikommen und ein Herzkissen für die erkrankten Frauen nähen. Serukid stellt dazu die Materialien. Auch Anfänger sind willkommen.

Serukid – Zum Alten Bahnhof 2 – GE Buer

Der alte Bahnhof in Buer hat trotz Umbau noch seinen Charme.

Die bunten Stoffe stapeln sich im Laden.

Simone Büter hat neben dem Verkaufsraum auch ein Zimmer für Nähkurse.

Auch Webbänder gehören zum Angebot.

Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz