27. Januar 2013  00:00

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Burlesque-TĂ€nzerin Chi Chi Cherie

"Das Tanzen gibt mir innere Freiheit"

Der Schatten an der Wand zeigt einen Parasol-Schirm - wie man ihn aus dem Film „Die Geisha“ kennt. Anmutig bewegt sich dahinter eine zarte, weibliche Silhouette: Cherin Ala-Rashi ist Burlesque-TĂ€nzerin. Die 28-JĂ€hrige entkleidet sich nach der erotischen AttitĂŒde der 50er Jahre. Allerdings nie ganz und gar, denn Burlesque-TĂ€nzerinnen entblĂ¶ĂŸen sich nicht.

Von Anne Weiser

Die KĂŒnstlerin, die sich Chi Chi Cherie nennt, braucht das auch nicht. FĂŒr sie ist es wichtig, die eigene Fantasie auszuleben und die ihrer Zuschauer anzukurbeln: „Einmal kam ein PĂ€rchen auf mich zu und sagte danke und dass es sich einen netten Abend machen wollte!"

:: Talent liegt in der Familie ::

Die gebĂŒrtige SauerlĂ€nderin mit den syrischen Wurzeln bezeichnet sich selbst als SchönheitstĂ€nzerin. Sie möchte andere mit ihren Performances glĂŒcklich machen. Schon als Kind in einer Jazzdancegruppe aktiv, mit der Tante auf Buddy Holly Fanclubtreffen oder mit der Familie auf Country-Festen unterwegs, merkte sie, dass Bewegung alles fĂŒr sie ist. Die Schwester ist ebenfalls eine erfolgreiche TĂ€nzerin geworden, die mit orientalischen Bauchtanz-Shows um die Welt reist. Cherin wird als Burlesque-TĂ€nzerin europaweit gebucht. Davon leben kann sie aber noch nicht ganz: „Ich wĂŒrde gerne hauptberuflich als SchönheitstĂ€nzerin mein Geld verdienen, also TrĂ€ume entfachen- es ist schwer, aber ich arbeite daraufhin.“

:: Dirty Martini zum Vorbild ::

Leider ist die Welt des Burlesque nicht immer Glitter und Glamour. Der Markt ist schwer, es gibt viel Konkurrenz. Durch Dita Von Teese kam der Hype auf. „Nicht jeder versteht, dass es in diesem Business um das Lieben seiner selbst, so wie man ist, geht.“ Cherins Vorbild Dirty Martini, eine amerikanische Burlesque-TĂ€nzerin, weniger bekannt als Dita von Teese, entspricht nicht dem allgemeinen Schönheitsideal. Die Darstellung ihres fast nackten, dicken Körpers wird zur Kunst, indem sie mit Witz und Sexappeal politische Meinungen transportiert. Dirty Martini tanzt sich als Justitia in hohe amerikanische Kreise und scheut sich nicht die amerikanische Politik und deren Gerechtigkeit zu hinterfragen. Videos von ihr auf YouTube beeindrucken Chi Chi Cherie. Die Wahl-Gelsenkirchenerin mag die Art der KĂŒnstlerinnen Politik zu kritisieren. Sie kann sich aber keine eigenen politischen Burlesque-Shows vorstellen. Insgeheim ist die KĂŒnstlerin aber kritisch und hinterfragt MissstĂ€nde in der Gesellschaft. „Burlesque-Frauen tragen ja auch Pelz, um frĂŒheren Zeiten und teuren Stil zu wĂŒrdigen-das kann ich absolut nicht verstehen.“ Die tierliebende TĂ€nzerin streichelt ihren schwarzen Kater und betont, dass es sich auch fĂŒr radikale Tierschutzorganisationen einsetzt. Ihre schlanke Figur und gute Haut verrĂ€t, dass sie auch auf gesunde ErnĂ€hrung achtet. „Fleisch esse ich nur ganz selten und wenn dann nur Bio. Das ist wie mit dem Schminken. Es ist eher etwas Besonderes, wenn man es nicht so oft macht.“

:: „Das Tanzen gibt mir Freiheit“ ::

Chi Chi Cherie ist auf dem Boden geblieben, wirkt im normalen Leben natĂŒrlich, nicht aufgebrezelt. Und in ihrem Beruf als Einzelhandelskauffrau im MöbelgeschĂ€ft unscheinbar, fast schĂŒchtern. Freund Janos weiß von der emotionalen, sensiblen Seite seiner Krebs-Diva: „Sie ist trotzdem immer sehr auf ihre Außenwirkung bedacht und beim Kennenlernen von neuen Menschen genauso aufgeregt wie bei ihren Auftritten.“ Mit schweißnassen HĂ€nden und dem GefĂŒhl von Übelkeit schreitet sie meist auf ihren selbstverzierten High-Heels auf die BĂŒhnen in Bars, Clubs, Restaurants. Was ihre Show ausmacht: SelbstgenĂ€hte KostĂŒme und zusammengeschnittene Musik sowie eigens choreographierte TĂ€nze. Die Inspiration holt sie sich beim Musik hören oder Filme gucken. Der Film Kung Fu Panda oder die Geisha inspirierten die exotische Halbsyrerin zu einer asiatischen Nummer. Ihr Repertoire umfasst neben klassischen 50er Jahre Burlesque, also Unterhaltungstheater mit softem Striptease, auch Bauchtanz- oder Fetischnummern. Aber egal was Chi Chi, die ursprĂŒnglich aus der Gothic-Szene kommt, auch tanzt, das GefĂŒhl bleibt immer gleich. WĂ€hrend sie kurz ihr schwarzes Korsett zurecht zupft, fasst sie das GefĂŒhl auf ein Wort zusammen: Freiheit. „Mir gibt das die totale innere Freiheit, weil ich dabei so sein kann wie ich will und merke, dass ich akzeptiert werde wie ich bin. Es ist toll, Anerkennung fĂŒr die MĂŒhe, die man sich macht zu bekommen und respektiert zu werden wie man ist und aussieht. Außerdem fĂŒhle ich mich wĂ€hrend dem Auftritt mutig und selbstbewusst.“

:: AnfÀngerfehler und Gelsenkirchen-Liebe ::

Lob und Applaus sind dem Depeche Mode Fan besonders wichtig, schließlich nimmt Cherin auch einige BĂŒrden auf sich. Manche BĂŒhnen sind sehr schmal und zu hoch, so dass sie mit 1,70m und auf High-Heels an die Decke stĂ¶ĂŸt. Zudem verirren sich in den Backstage-Bereich manchmal GĂ€ste und wenn es keinen Backstage-Bereich gibt, muss sie sich auf der Toilette umziehen. Zu ihren AnfĂ€ngerfehlern gehören der Sekt, der durch das enge Korsett wieder zurĂŒck aus der Nase kam oder die selbstgestreuten Glitzerpartikel, auf denen sie ausrutschte. Chi Chi kann aber weder auf ein glanzvolles KostĂŒm noch auf funkelnde Accessoires verzichten, schließlich steht ihr KĂŒnstlername fĂŒr „Schi Schi“, was allerhand Extras und AufwĂ€ndiges ausdrĂŒcken soll. Die vollkommene Ästhetik peilt sie aber nur bei ihren Auftritten an, denn wenn sie im Bulmker Park spazieren geht, braucht sie nur Ruhe und Natur. Gelsenkirchen bietet der jungen KĂŒnstlerin, die vor zwei Jahren von Essen hergezogen ist, einen Ort des Ausgleichs und eine preiswerte Traumwohnung. Gute Voraussetzungen fĂŒr junge KĂŒnstler, die fĂŒr den Glamour auch ab- und zu mal vereisen. „Ich habe das GefĂŒhl, viele Leute wohnen, aber leben nicht hier. Ich fĂŒhle mich trotzdem sehr heimisch!“



Bisherige Kommentare

Jenny Starshine   27.01.2013, 20:42:27 Uhr

Sehr sympathischer Bericht. :-) Ich freue mich Dich am 23.2. bei der Dr. SketchyÂŽs Anti-Art School Cologne zu begrĂŒĂŸen! <3

Alles Liebe,

Jenny

Hamorsse   25.12.2013, 18:33:58 Uhr

I got awful stretchmarks so I woldun\'t have looked any good as a pregnant burlesque artist. Even though they do change colour they\'re still there and I\'d still never wear anything that would show they exist. Shame some skins don\'t stretch even though pregnancy and motherhood are meant to be what women are built for. Hope you\'re one of the lucky ones that don\'t get them! And seriously, I only got them the last month of the pregnancy.

Malu   06.02.2014, 18:24:38 Uhr

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Alexsis   13.02.2016, 18:10:11 Uhr

Wow! And like your dancers, you are quite coearguous as a photographer to get up and into the faces and fortresses of these establishments and career paths. Because for these men and women, this is their art and as for you, you are the link between these hidden palaces and us; the constant observers, the voyeurs that we are safely on the other side of the screen, safely in the street peeking in through the swung open door, safely sheltered from the world of light flashing, red silk, skampy dancing night Love them!



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Chi Chi Cheries Homepage befindet sich gerade im Aufbau, aber zur Facebook-Seite der TĂ€nzerin geht es hier.

Buerschau Folge 1 2013 zeigte die TĂ€nzerin bereits:

hier.

Ihr nĂ€chster Auftritt findet am 23.2.2013 in Köln statt. Die Veranstaltung heißt: Dr. SketchyÂŽs Anti-Art School Cologne "Hot Cats".

Der Veranstaltungsort ist oben in der Karte markiert.

Was ist Burlesque?

Burlesque ist nicht gleich “Strippen”. Burlesque ist die Kunst, sich erotisch zu bewegen, manchmal auch ohne etwas auszuziehen. Burlesque ist aus Travestie-Auftritten französischer und britischer TĂ€nzerinnen entstanden und entwickelte sich im US-amerikanischen Unterhaltungstheater Anfang des 20 Jahrhunderts weiter. Das VarietĂ© beeinflusste den Burlesque.

In den letzten Jahren wurde Burlesque vor allem durch Personen wie Dita Von Teese oder Filme wie Moulin Rouge bekannt. Wie die meisten TĂ€nzerinnen des Neo-Burlesque (darunter versteht man das Burlesque Revival in den 90er Jahren) inszeniert Dita Von Teese ungewöhnliche BĂŒhnenbilder. Zu den Shows von Dita und Chi Chi gehören der Pin-Up-Glamour der 50er Jahre sowie verrĂŒckte KostĂŒme.

Vor dem Auftritt ist Chi Chi Cherie immer aufgeregt. Hier beim Fotoshooting nicht. Foto: Pia Basner

Chi Chi Cherie nĂ€ht alle ihre KostĂŒme selbst. Hier probiert sie gerade eine Schulterapplikation.

Erotik und Witz gehören zum modernen Burlesque. Foto: Pia Basner.

Bisher unentdeckt in Gelsenkirchen: Chi Chi Cherie Foto: Pia Basner

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