13. Januar 2013  00:00

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Schrott- und Metallhandel Segerath

Klassisches Familienunternehmen

Die Sonne taucht den Schrottplatz der Firma Segerath in Recklinghausen in ein sanftes Licht. Auch am Samstagmorgen wird hier gearbeitet. Seit mehr als 80 Jahren existiert das Familienunternehmen. Peter Segerath fĂĽhrt es in der dritten Generation.

Von Melina Anagnostakis

Draußen auf dem Schrottplatz entlädt ein Mitarbeiter Schrott aus einem Anhänger. Peter Segerath, Chef der Firma, sitzt gemeinsam mit seinem Sohn Dennis im Eingangsbereich. Dennis Segerath ist gerade in einem Gespräch mit einem Kunden vertieft, sein Vater raucht genüsslich seine Zigarette und beobachtet das Treiben. Aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd huscht ein weiteres Familienmitglied durch den Raum - Hund Zidane.

:: Firma Segerath schon seit 1929 ::

Die Firma Segerath ist zuständig für den An- und Verkauf sowie die Verarbeitung von Schrott. Schon seit 1929 ist der Betrieb in Recklinghausen ansässig – damals noch mit einem anderen Sitz als heute. Gründer der Firma waren Peter Segeraths Großeltern. „Mein Großvater war Schrotthändler in Essen, meine Großmutter hatte einen Schrotthandel in Recklinghausen Grullbad“, erzählt Peter Segerath. „Irgendwann lernten sich die beiden dann kennen, heirateten, bekamen vier Kinder und gründeten die Firma Segerath.“ Trotz Tiefphasen, gerade während der Kriegsjahre, wird die Firma bis heute erfolgreich geführt und ist stets im Familienbesitz.

Seit 1986 ist Peter Segerath Chef der Firma. Von Anfang an stand für ihn fest, den Posten seines Vaters zu übernehmen. „Ich habe den Schrottplatz schon immer geliebt“, schwärmt Peter Segerath. Für ihn sei der Betrieb auch immer präsent gewesen, da er sich damals noch direkt hinter dem Wohnhaus der Familie befunden habe. Eine typische Ausbildung habe er nicht durchlaufen. „Ich wurde von meinem Vater angelernt. Schrott ist allerdings sehr spezifisch, man muss sich dafür interessieren.“ Er hält inne und steckt sich erneut eine Zigarette an. „Man kann natürlich auch Praktika in anderen Unternehmen machen, um zu sehen, wie diese arbeiten. Das habe ich auch gemacht – bei einem uralten Unternehmen in Gelsenkirchen-Buer.“

:: Interessante FundstĂĽcke im Schrott ::

Inzwischen ist er Chef von zehn Mitarbeitern. Und er liebt seine Firma, seine Arbeit. Wenn er von ihr erzählt, glüht sein Blick und seine Stimme strotzt vor Stolz. „Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, es passieren tausend schöne Sachen“, erzählt Peter Segerath. Ob er auch schon Skurriles in der Firma erlebt habe? Da muss er lachen und ruft nach seinem Sohn. „Dennis, passieren bei uns skurrile Dinge?“ Als Dennis Segerath antwortet, schwingt Belustigung in seiner Stimme mit: „Setz dich einen Tag in die Firma, dann wirst du sehen, wie viel Skurriles hier passiert.“

Bei der Frage nach interessanten Fundstücken, die bereits im abgeladenen Schrott entdeckt wurden, überlegt Peter Segerath kurz, dann steht er entschlossen von seinem Stuhl auf. Schnurstracks geht er durch den Flur in einen angrenzenden Raum. Eine kleine Schatzkammer: Auf Kommoden platziert thronen dort ein uraltes Radio, eine alte Rechenmaschine, mehrere Schreibmaschinen und ein Bakalittelefon. Hinter einem weiteren Türrahmen stehen an den Wänden des Raumes eine alte Mangel, eine Balkenwaage sowie ein alter Zigarettenautomat. Peter Segerath ist sich dem Wert dieser Sachen bewusst, doch verkaufen würde er sie nie. „Dafür sind sie einfach zu schön“, schwärmt er.

:: Familienunternehmen durch und durch ::

Der Schrott- und Metallhandel Segerath ist ein Familienunternehmen durch und durch. Peter Segerath führt den Betrieb bereits in der dritten Generation. Auch seine Ehefrau Michaela ist in der Firma tätig. Peter Segerath hat kein Problem damit, Arbeit und Privatleben mit ihr zu teilen. „In der Firma bin ich in erster Linie ihr Chef, da hat sie zu machen, was ich sage“, erklärt er. „Das klappt auch“, fügt er grinsend hinzu. Verheiratet sind sie bereits seit 1986 – eine lange Zeit. „Und wir sprechen sogar noch miteinander“, sagt er und lacht schallend.

Seit einigen Jahren unterstützt auch Sohn Dennis seinen Vater. Zuvor absolvierte er eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker. „Er sollte erst einmal lernen, Befehle zu empfangen, bevor er selbst welche gibt“, erklärt Peter Segerath. Immerhin sei sein Ziel, dass Dennis Segerath die Firma in der vierten Generation übernimmt und leitet. Und davon gehe Peter Segerath auch aus. Allerdings weiß er auch aus eigener Erfahrung, wie viel Zeit man in eine eigene Firma investieren müsse – und das wolle nun einmal nicht jeder.

:: Firma stets Priorität ::

Für Peter Segerath hatte und hat die Firma stets Priorität. Immerhin sei sie die Sache, die seine Familie ernähre. „Und uns geht es ja nicht schlecht“, räumt er ein. Trotzdem kann er sich erinnern, dass seine inzwischen erwachsenen Kinder, Sohn Dennis und Tochter Vivian, früher oft beklagten, dass sie nicht so lange Urlaube machen könnten wie ihre anderen Freunde. „Natürlich fuhren wir auch mal weg“, erklärt Peter Segerath, „aber zwei oder drei Wochen Urlaub kenne ich nicht.“

Aber an und für sich habe er die Arbeit in der Firma und das Familienleben gut vereinbaren können. Früher habe er seine Kinder auch oft zum Schrottplatz mitgenommen. „Es war für sie ein kleines Paradies, sogar für meine Tochter“, schwelgt er in Erinnerungen. Wenn neben der Arbeit in der Firma und der Familie noch ein wenig Freizeit für ihn selbst bleibt, interessiert sich Peter Segerath für alles, was Räder hat. „Mein größtes Hobby ist aber mein Hund“, gesteht er.

:: Firma bedeutet ihm alles ::

Als Peter Segerath sein Büro verlässt und zurück in den Eingangsbereich geht, läuft er im Flur an einer Wand mit mehreren Bilderrahmen vorbei, in denen der Stolz und die Historie der Firma verzeichnet sind: Fotos vom Schrottplatz, ältere Erinnerungen an den ehemaligen Standort sowie Zeitungsartikel über das Unternehmen. Sohn Dennis sitzt inzwischen nicht mehr im Eingangsbereich, sondern begrüßt draußen einen Kunden, der mit einer Ladung Schrott angekommen ist. Hund Zidane streunt immer noch im Raum herum.

Die Firma bedeutet Peter Segerath alles – diese Hingabe schwingt bei jedem seiner Worte mit.



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Der Schrott- und Metallhandel Segerath wurde 1929 von Heinrich Segerath gegründet. Inzwischen führt Peter Segerath das Familienunternehmen in der dritten Generation. Die Firma ist zuständig für den An- und Verkauf sowie die Verarbeitung von Schrott. Weitere Informationen finden sich hier.

Auf dem Schrottplatz Segerath ist vieles zu finden.

Einige der interessanten FundstĂĽcke aus dem Schrott, z.B. eine alte Rechenmaschine (in der Mitte).

Sohn Dennis (l.) und Vater Peter Segerath arbeiten gemeinsam in der Firma.

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