23. Juni 2012  08:09

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Gesamtschule Berger Feld

Standortdiskussion spaltet Gelsenkirchen

In bunten Farben heben sich die Worte „Wir wollen Klarheit!“ von den weißen Plakaten ab. Es geht chaotisch zu: Kinder schreien, Protest-Chöre sind zu hören, Trillerpfeifen klirren in den Ohren. Die Gesamtschule Berger Feld demonstriert, denn ihre Zukunft scheint in Gefahr.

Von Kristin Brinkert und Jana Luthe

Am 26. März mobilisierten sich Schüler und Lehrer zu einer Groß-Demo auf dem Schulgelände. Ihre Forderung: Der Erhalt ihrer Schule und Aufklärung seitens Politik und der Stadt Gelsenkirchen. Heute ist die Situation nach wie vor undurchsichtig. Wird die Schule von Grund auf saniert oder an anderer Stelle neu gebaut?

:: Talentschmiede fĂĽr Schalker Nachwuchsspieler ::

Die Gesamtschule Berger Feld an der Adenauerallee liegt direkt neben der Schalke-Arena in Gelsenkirchen. Als „DFB Eliteschule des Fußballs“ und offizielle „Sportschule NRW“ gilt sie als eine der beliebtesten Schulen in Gelsenkirchen, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Kein Wunder, denn die Gesamtschule Berger Feld gilt als Talentzentrum in Kooperation mit dem Bundesligisten Schalke 04, das schon Profi-Kicker wie Julian Draxler oder National-Torwart Manuel Neuer ausgebildet hat.

Zumindest in diesem Punkt sind sich alle Parteien einig und der Schuldezernent Manfred Beck fasst zusammen: „Die Gesamtschule Berger Feld als DFB-Eliteschule muss weiter bestehen bleiben. Auch vor dem Hintergrund, dass sie als Aushängeschild immens wichtig für diese Region ist!“ Auch Ulli Jakob, Stadtverordneter im Rat der Stadt Gelsenkirchen ist sich sicher: „Hierbei handelt es sich um eine herausragende Schule, die erhalten bleiben soll. Sie leistet Hervorragendes und hat unsere volle Unterstützung!“

:: Standortdiskussion: Sanierung oder Neubau? ::

Allerdings steht und fällt das sportbetonte Konzept im Verbund mit dem „S04“ mit der Nähe zum Trainingsgelände. Eigentlich gibt es als Profilschule dieser Art keine Standortalternative. Oder doch? Genau an diesem Punkt schwelt seit geraumer Zeit ein Konflikt zwischen Stadt, Schule und Politik. Die Sanierungsbedürftigkeit der Schule entfachte die Standortdiskussion: Umsiedlung und Neubau an anderer Stelle oder Erneuerung und Beseitigung der Mängel des alten Schulgebäudes? Beides bedeutet Aufwand. Beides bedeutet Veränderung. Beides bedeutet Kosten von rund 40 Millionen Euro.

Tatsache ist: Das fast 40 Jahre alte Gebäude weist einen altersbedingten Sanierungsbedarf auf. 1974 wurde die Schule erbaut, konzipiert für 3500 Schüler. Heute sind es 1350 Mädchen und Jungen – Tendenz fallend. Der Schuldezernent bringt es auf den Punkt: „Schulfachlich wurde geprüft, dass eine räumliche Umstrukturierung der Gesamtschule Berger Feld unbedingt von Nöten ist – die Größe der Schule passt einfach nicht mehr zu der Anzahl der Schüler!“

:: Protest erfolgreich ::

Die Schüler- und Lehrerschaft, die – laut Berichterstattung der WAZ – in den Veränderungsprozess miteinbezogen werden sollten, schienen jedoch über lange Zeit Spielball zwischen Politik und der Stadt Gelsenkirchen zu sein. Gerüchte machten sich breit, die den Erhalt der Schule in Frage stellten, die Verunsicherung wurde immer größer. Die große Demonstration von Schülern und Lehrern im März wurde organisiert, um ein Zeichen zu setzen und ein Ende der Unsicherheit zu fordern.

Mitte März auf der Schulkonferenz dann der Befreiungsschlag und klare Worte von Politik und Stadt. Das Fazit: Die Gesamtschule Berger Feld ist nicht gefährdet. Im Gegenteil, Stadt und Politik stehen hinter der Sport-Eliteschule. Lediglich die Entscheidung zwischen Neubau oder Sanierung brauche noch Zeit.

Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen, resümiert: „Durch diese Schule werden noch mehrere Generationen bis zum Abitur gehen! Die Schule wird – mittel- bis langfristig – erhalten bleiben und alles bekommen, was sie braucht!“ Ein Aufatmen auch in der Gesamtschule: „Es gab Zeiten der Unsicherheit, auch gegenüber der Politik! Es wurde zugesagt, dass wir ab sofort mit in den Entscheidungsprozess einbezogen werden! Es wird keine weiteren Proteste geben, da sich eine Sicherheit entwickelt hat, mit der wir auch in Zukunft leben können!“, freut sich Schulleiter Georg Altenkamp über die positive Entwicklung.

:: Das „Tor auf Schalke“: Glanzstück oder Gesamtschul-Killer? ::

„Friede, Freude, Eierkuchen“ könnte man bei diesen Aussagen meinen. Doch ein bitterer Nachgeschmack und Unstimmigkeiten bei den Beteiligten bleiben. Denn die eventuelle Umsiedlung der Schule dürfte auch für den FC Schalke 04 eine interessante Option sein. Das Areal rund um die „Arena auf Schalke“ soll in den kommenden Jahren ausgeweitet werden. Das „Tor auf Schalke“ soll hier entstehen.

Das Vereinsgelände und der Verein an sich sollen erlebbarer werden, zur Attraktion im Herzen des Berger Felds. Ticketing, Fanbetreuung, ein Fan-Shop, Gastronomie sowie die „Schatzkammer“ für die emotionalen Momente, sollen auf den 2600 Quadratmetern Nutzfläche entstehen.

Auf Höhe der Straßenbahnbrücke an der Kurt-Schumacher-Straße, auf dem Gelände der Parkplätze P1 und P2 soll der Komplex geschaffen werden. Aber wohin sollen die wegfallenden Parkplätze weichen? Als mögliches Gebiet liebäugelt Schalke 04 mit Grundstücken rund um das Vereinsgelände, die entweder schon in Vereins-Besitz oder Eigentum der Stadt sind. Und eben da liegt die Gesamtschule Berger Feld.

Dabei sollte auch dem Verein bewusst sein, dass die unmittelbare Nachbarschaft zwischen Schul- und Trainingsgelände von hoher Bedeutung für die Zukunftssicherung der Kicker-Talentschmiede ist. Laut Pressesprecher Christoph van Bürk, steht der FC Schalke „bezüglich des Umbaus seines Vereinsgeländes in engem Kontakt mit der Stadt Gelsenkirchen.“ Er lobt die „intensive Kooperation“ mit der Gesamtschule Berger Feld, macht jedoch deutlich, dass „über einen Umbau oder Umzug der Gesamtschule Schul- und Hauptausschuss der Stadt Gelsenkirchen, gemäß Gemeindeordnung NRW, entscheiden.“

:: Genug Platz fĂĽr alle ::

Die Pläne für den umfangreichen Umbau des Geländes stehen schon länger im Raum. Da liegt der Verdacht nahe, dass Vertreter der Stadt für die Umsiedlung der Gesamtschule Berger Feld plädieren, um im wahrsten Sinne des Wortes das (Berger) Feld zu räumen, damit Platz für die Ausweitung des Erlebnisparks geschaffen werden kann. Denn schließlich hat nicht zuletzt auch die Stadt Gelsenkirchen etwas von der neuen Attraktion und hört die Kassen schon klingeln. Aber auch hier räumt der Pressesprecher mit Gerüchten auf: „Das „Tor auf Schalke“ betrifft nicht mehr den Bereich der Gesamtschule Berger Feld! Die Idee, das THW-Gelände als mögliche Fläche für die Berger Feld Schule zu nutzen, gab es von Seiten der Stadt nie! Aber im Umkreis befindet sich so viel freie Fläche, dass für die Gesamtschule genug Platz sein sollte und die Nähe zum Trainingsgelände damit gesichert wäre!“

:: Die Kassen sind leer ::

Dabei spielt aber das Geld eine entscheidende Rolle. Ulli Jacob macht die Schwierigkeiten deutlich: „Die Kosten belaufen sich für eine komplette Sanierung des derzeitigen zu großen Gebäudes nach Angaben der Fachverwaltung auf rund 40 Mio. Euro.“ Eine Investition, für die der städtische Haushalt keinen Spielraum lässt. Hofft die Stadt etwa auf finanzielle Unterstützung des Bundesligisten? Eine Art Abkommen nach dem Motto „wir geben Euch die Fläche, ihr unterstützt uns den Neubau“? Bestätigt ist dies nicht, jedoch wirkt es in den Augen eines neutralen Betrachters leicht als abgesprochene Sache.

:: Zukunft scheint gesichert ::

Für Schulleiter Georg Altenkamp steht „der Erhalt der Gesamtschule im Vordergrund“. Um das besondere Profil der Schule als Eliteschule des Fußballs und Sportschule NRW zu erhalten, gilt es im Falle einer Umsiedlung eine neuen Standort in unmittelbarer Nähe der Arena zu finden. „Die Stadt hat ein eindeutiges Bekenntnis zur Schule gegeben. Nichts ist beschlossene Sache – wir reden hier lediglich über Zukunftsgedanken! Und trotzdem: das Schulgebäude bleibt die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre erhalten und soll dann an einen anderen Standort wechseln! Das „Tor auf Schalke“ und die Gesamtschule werden sich dabei nicht in die Quere kommen!“, verspricht Pressesprecher Martin Schulmann.

Fazit: Alle stehen hinter der Schule und den Plänen des FC Schalke zum Bau des „Tor auf Schalke“. Die einzigen Streitpunkte werden wohl die Kostenübernahme im Falle einer Sanierung bzw. eines Neubaus sein, sowie die entscheidende Frage wo gäbe es einen Alternativ-Standort für die Gesamtschule Berger Feld?

:: Zusammenhalt gestärkt ::

Etwas Gutes hatte die Diskussion der letzten Monate: „Die ganze Aktion hat alle Beteiligten der Schule zusammengeschweißt. Wir haben intensiv demonstriert und in der öffentlichen Schulkonferenz diskutiert – das hat eine intensive Schulidentität gebracht!“, zieht Schulleiter Altenkamp ein Resümee. Der Schuldezernent Manfred Beck fasst wohl am besten zusammen, woran sich alle Parteien in Zukunft halten sollten: „Der Schalke Verein, die Gesamtschule und die Stadt Gelsenkirchen werden gemeinsam an einer Entscheidung arbeiten, damit eine gute Alternative für alle Parteien resultieren kann!“.



Bisherige Kommentare

Nah dran   23.06.2012, 09:11:50 Uhr

Endlich mal ein Bericht über diese unnötige und viel zu lang andauernde Diskussion der die Fakten auf den Tisch bringt!! Man wünscht sich mehr aufklärende Berichterstattung dieser Art!!Bin gespannt wie es am Ende ausgeht..

Sayorifusion   31.10.2012, 03:23:10 Uhr

sagt:.. so wie Humadboldt meinte „Der Mensch ist nur Mensch durch Spraadche“. Dadurch dass wir bezciehadnen und unteradscheiadden, schafadfen wir die Welt. Die Frage nach wahr und falsch bleibt denadnoch unbeadantadwortadbar. Denn ob unsere Konadstrukadtion auch eine wahre Entadspreadchung hat kann von unseadrem Beobadachadteradstandadpunkt aus nicht mehr objekadtiv beuradteilt weradden.Da durch die getrofadfene Unteradscheiaddung der „unmaradked space“ veradlasadsen wird, machen wir uns selbst zum Menadschen, der nicht anders kann als ste4naddig zu unteradscheiadden, zu ordadnen, zu soradtieadren und somit dann in ste4naddiadger Selbstadbeadzfcgadlichadkeit Paraaddoadxien zu schaffen.Dass am Anfang das Wort war ist fcbriadgens nicht fcberadreadliadgif6s sonaddern erhe4lt im Johanadnesadevanadgeadlium seine Entadspreadchung in Jesus Chrisadtus. Ist also die Frage, ob von dem ersadten Unteradscheiadder anders als von dem christadliadchen Gott gesproadchen weradden kann.… da fcberadleg‘ ich noch drana0rum.Gut zu wisadsen und entadlasadtend, dass bei soladchen dcberadleadgunadgen selbst Wittadgenadstein hin und wieadder keine Worte gefunadden hat: „Es gibt alleraddings Unausadsprechadliadches. Dies zeigt sich, es ist das Mysadtiadsche.“ (Tracadtaadtusa06.522)



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Informieren Sie sich hier ĂĽber die Gesamtschule Berger Feld.

Mehr zum geplanten Bau des "Tor auf Schalke" erfahren Sie auf der Vereins-Website des FC Schalke.

Informationen zur Stadtplanung "Berger Feld", finden Sie hier.


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