23. Februar 2011  16:35

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Straßenstrich

FDP kÀmpft gegen Prostitution

Große Aufregung an der Adenauerallee: Die Straße gehört zu den gehobenen Gegenden Gelsenkirchens. An ihr liegt das Schloss Berge, eine Kinderklinik, der Eishockeyclub Gelsenkirchener Haie und ein Naherholungsgebiet. Gleichzeitig ist sie aber auch der Stammplatz von Prostituierten und ihren Freiern. Die Anwohner sind verĂ€rgert – bei einer BĂŒrgerversammlung der FDP machten sie gestern ihrem Ärger Luft.

Von Matthias Schwarzer

Es ist Dienstagabend und es dĂ€mmert bereits. Im GebĂ€ude der Kinderklinik brennt noch Licht. Ein paar Jogger laufen die Straße entlang, eine Frau geht mit ihrem Hund am Waldrand spazieren. Das hell beleuchtete Schloss Berge versprĂŒht einen ganz besonderen Charme. Doch ein paar Meter weiter wird die harmonische AtmosphĂ€re der Adenauerallee in ein anderes Licht gerĂŒckt. Eine junge, blonde Frau steht am Straßenrand. Sie trĂ€gt eine dĂŒnne, weiße Jacke und einen Minirock. Das Thermometer zeigt minus drei Grad. Zwei Autos halten kurz an, fahren dann weiter. Als der dritte Wagen stoppt, spricht die Frau kurz mit dem Fahrer und steigt dann ein.

:: Großer Andrang bei BĂŒrgerversammlung ::

WĂ€hrend sich die Prostituierte mit ihrem Freier vergnĂŒgt, sitzen im Schloss Berge aufgebrachte Anwohner, mit dem festen Entschluss dem Straßenstrich ein Ende zu setzen. Die Gelsenkirchener FDP hat zur BĂŒrgerversammlung geladen. Immer wieder mĂŒssen die Mitarbeiter des Schlosses neue StĂŒhle in den kleinen Saal stellen. Mehr Leute als erwartet wollen an der Diskussionsrunde teilnehmen.

:: Prostitution, wo Kinder spielen::

Angelika Jacob wohnt an der Adenauerallee und ist außer sich: „Bereits morgens um 8 Uhr stehen die ersten Damen mit Netzkleidchen an der Straße“, erzĂ€hlt sie. „Überall liegen benutzte Kondome und TaschentĂŒcher. Es wird keine RĂŒcksicht auf Kinder genommen, die ĂŒber die Adenauerallee zur Schule gehen.“ Und die Prostituierten wĂŒrden ihre Dienste nicht nur versteckt in Autos anbieten: Sie habe auch oft gesehen, wie sich MĂ€nner oral von den Frauen im Wald befriedigen lassen. „Erschreckend, wenn man bedenkt, dass Kinder im Wald spielen“, so die Anwohnerin. Im Wald befindet sich nĂ€mlich auch ein Spielplatz. „Auch die Mitarbeiterinnen des Krankenhauses haben Angst abends zu ihren Autos zu gehen“, weiß Jacob. „Kein Wunder, wenn man im Wald stĂ€ndig auf stöhnende MĂ€nner trifft.“ Es soll dort auch schon zu Handgreiflichkeiten gekommen sein.

:: Anwohner fĂŒhlen sich belĂ€stigt ::

Andere Anwohner berichten von Ă€hnlichen Erlebnissen. Einige MĂ€nner fĂŒhlen sich von den obszönen Gesten der Prostituierten belĂ€stigt. „Wenn ich spazieren gehe, meide ich das Gebiet – ich möchte nicht mit diesem Gewerbe in Verbindung gebracht werden“, sagt einer. Man könne dort nicht lang gehen, ohne das Angebot fĂŒr einen „Blowjob“ zu bekommen. Oft wĂŒrden die Frauen auch ihre BrĂŒste zeigen – darum soll es auf der Straße schon zu AuffahrunfĂ€llen gekommen sein. Ein erschreckendes Erlebnis hat eine Frau zu berichten: Sie habe eine Mutter mit ihrem Kind nichtsahnend am Straßenrand spazieren gehen sehen. Ein Freier habe dann angehalten und sie gefragt, ob das Kind „inklusive“ sei.

:: Prostitution ist rufschÀdigend::

„Das Schoss Berge galt lange als 'gute Stube' Gelsenkirchens“, so Anne SchĂŒrmann von der FDP. „Damals wurde gesagt: 'Wenn du in dieser Gegend wohnst, dann hast du es geschafft.“ Heute sei das anders. Der Straßenstrich ist der Stadt- und Bezirksverordneten ein großes Dorn im Auge. „Die Prostitution hat ein Ausmaß angenommen, das wir so nicht mehr hinnehmen können.“ Nicht nur Kinder und Jugendliche seien gefĂ€hrdet – die Prostitution tue auch dem guten Ruf der Kinderklinik oder dem Schloss Berge nicht gut.

:: „Wir können nichts unternehmen, wenn sich niemand beschwert“ ::

Einen Antrag auf Verlegung des Straßenstriches hat die Partei bereits gestellt. Dieser wurde jedoch von der Stadt abgelehnt. Es lĂ€gen keine Hinweise vor, die auf die GefĂ€hrdung des Jugendschutzes schließen lassen – auch eine Verletzung des Anstandes sieht die Verwaltung bislang nicht. In Ückendorf und Rotthausen gibt es bereits Sperrbezirke fĂŒr die Prostitution, weil dort Kinder gefĂ€hrdet wĂŒrden. „Wo ist denn da der Unterschied zur Adenauerallee in Buer?“, gibt FDP-Fraktionsvorsitzende Susanne Schaperdot zu bedenken. Sie fordert die Anwohner auf, sich beim Ordnungsamt und bei der Polizei zu beschweren. Außerdem ruft die FDP die BĂŒrger auf, Unterschriften gegen Straßenstrich zu sammeln. „Wir können nichts unternehmen, wenn sich niemand beschwert“, betont Anne SchĂŒrmann. In ein paar Wochen möchten die Liberalen eine weitere BĂŒrgerversammlung organisieren und ĂŒber Neuigkeiten informieren.



Bisherige Kommentare

Ulf   24.02.2011, 13:16:44 Uhr

Mein Gott...lasst die prostituierten doch da stehen und ihr geld verdienen...abends haben kinder dort auch nichts zu suchen...sowas gehört ebend genau so zu gelsenkirchen wie diese möchtegern reichen leute die sich beschweren,ich habe abends dort auch schon kinder gesehen die im dunkeln dort rumirren... unverantwortlich!

El   17.03.2011, 11:37:07 Uhr

Die wahren Opfer des Straßenstrichs sind wohl kaum nachtaktive Kinder oder reiche Anwohner, sondern viel mehr die Prostituierten. Dumpingpreise, kein Schutz vor Gewalt und durch den Konkurrenzdruck oft vernachlĂ€ssigter Schutz beim Verkehr, machen den Damen das Leben nicht leichetr.

UUUUUUUPS   23.12.2012, 07:43:03 Uhr

Seit fast Jahrzehnten sind die Ladys dort - und ich glaube, so alt ist auch schon die Diskussion von sich erregenden Anwohnern. Die "alten" Bueraner wissen wer da steht und was die Damen anbieten. Als Kind hatte ich damals auch keine Angst dort vorbeiradeln. Es ist die Aufgabe von Eltern, die Kinder entsprechend vorzubereiten bzw. aufzuklĂ€ren, was die Damen dort tun. Prostitution ist halt ein Gewerbe wie alle anderen auch. Und besser es wird dort angeboten, wo es schon "immer" zu finden war - und nicht quer ĂŒber das Stadtgebiet verteilt.

Toleranz war und sollte das Gebot der Stunde sein. Es geht ja nur um wenige hundert Meter.

Und auf dem sehr schön angelegten Spielplatz habe ich noch keine Hinterlassenschaften gefunden. Ebenso wenig stöhnende Menschen im Wald vernommen. Ich bin der Meinung, dass nach dem Dunkelwerden dort kein Kind (alleine) etwas zu suchen hat.

Und was die Mitarbeiterinnen des Klinik angeht: Vor ĂŒber 40 Jahren standen die Damen mit Bullis in einer versteckten Seitenstraße Nahe der Kinderklinik und des Löwenparks. Dort mussten sie wegen des Golfplatzes dann weichen.......Schade, denn ich kann mich noch gut an die freundlichen Damen erinnern, die uns vorbeiradelnden Kindern immer zugewunken haben. Und passiert ist auch nie was...

Jordi   25.12.2013, 18:49:50 Uhr

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InfoBox

Wer sich von der Prostitution an der Adenauerallee belĂ€stigt fĂŒhlt, kann sich an Anne SchĂŒrmann, Stadt- und Bezirksverordnete der FDP, wenden.

E-Mail: anne.schuermann@gelsenkirchen.de

Susanne Schaperdot und Anne SchĂŒrmann wollen der Prostitution an der Adenauerallee ein Ende setzen und luden zur BĂŒrgerversammlung im Schloss Berge ein.

Am Parkstreifen parken Eltern aus allen BundeslÀndern, um ihre Kinder zur Klinik zu bringen. Aber auch Freier halten hier an.

Die Prostituierten sollen auch an Bushaltestellen der BOGESTRA gesehen worden sein. Anwohner trauen sich nicht, die Haltestellen zu benutzen.

Auch auf den ParkplÀtzen an der Adenauerallee wurden Freier und Prostituierte schon beim "Akt" beobachtet.

Die FPD befĂŒrchtet, die Prostitution könne rufschĂ€digend fĂŒr das Schloss Berge und die anliegenden Einrichtungen sein.

Hier am Straßenrand warten besonders in den Abendstunden Prostituierte auf "Kundschaft".

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