15. Januar 2011  00:00

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GĂŒnter Duscha

Herr der Bienen

Herrscher fĂŒr viele Jahre. Über ganze Völker. Nur wenigen Menschen wird dieses Privileg zuteil. GĂŒnter Duscha ist einer von ihnen und gewĂ€hrte buerpott Audienz.

Von Thomas Baumeister

Ein verregneter Nachmittag im Januar. Die Fahrt geht durch fast schon lĂ€ndlich anmutende Wohnsiedlungen am Rande von Bottrop. Das nĂ€chste Ortsschild: Gladbeck. Kann das noch richtig sein? Die Straße stimmt. Einfach mal drauf bleiben.

Ortsende, Ortsbeginn: Gelsenkirchen Scholven. Doch richtig! Nur noch das richtige Haus finden. Kirchhellenstraße 208. An der Hauswand prangt in großen Lettern „Imkerschule Gelsenkirchen-Buer“ und aus dem Garten ragt ein riesiges gelbes Bienenhaus. Das Ziel ist erreicht.

:: Am Anfang war der Schrebergarten ::

Ein sympathischer Ă€lterer Herr öffnet die TĂŒr zur Imkerschule. GĂŒnter Duscha? Ja, er ist es. Der 77-jĂ€hrige ist Ehrenmitglied auf Lebzeit im Imkerverein Gelsenkirchen e.V. und passionierter Bienenfreund. Aufgewachsen in Ostpreußen, ist sein Lebensmittelpunkt jedoch schon seit vielen Jahrzehnten das Ruhrgebiet.

Der ursprĂŒnglich gelernte Landwirt hat bis zu seiner Pensionierung 1988 als Steiger auf der Zeche Hugo gearbeitet und hat – wie viele in der Region – seine Freizeit im Schrebergarten verbracht. Und genau hier liegt auch die Schnittstelle zur Imker-Leidenschaft. „Jeder Schrebergarten-Verein muss auch mindestens einen Imker haben“, verrĂ€t Duscha. Die bunte Vegetation eines Gartens will schließlich auch bestĂ€ubt werden.

:: Spaß aber auch Arbeit ::

FrĂŒher hat GĂŒnter Duscha nicht nur seine Bienen gepflegt, sondern auch das VereinsgelĂ€nde. DafĂŒr konnte er seine Völker auch direkt am Vereinshaus halten. Vier bis fĂŒnf Bienenvölker hatte er hier zuletzt. Diese mussten selbstverstĂ€ndlich auch umsorgt werden.

Das Imker-Hobby ist nicht nur Spaß, sondern macht auch Arbeit. Ob es das ZufĂŒttern mit Zuckerlösungen in den Wintermonaten ist, oder das Behandeln gegen Parasiten, oder das Gewinnen und Abschleudern des Honigs. Die wichtigste Arbeit ist jedoch, so Duscha, die regelmĂ€ĂŸige Kontrolle der Waben auf Eier, welche neue Königinnen beinhalten.

Das geschulte Imkerauge erkennt diese an GrĂ¶ĂŸe und Form. Die entnommenen Eier kommen dann in die Königinnenzucht, um mit ihnen anschließend neue Völker grĂŒnden zu können. In den Sommermonaten von Mai bis September muss dies mindesten alle neun Tage erfolgen.

Denn sonst „schlĂŒpft eine neue Königin und die alte verlĂ€sst mit einem Teil des Volkes den Bienenstock um eine neue Kolonie zu grĂŒnden.“ Und ein abtrĂŒnniges Volk kann nicht im Sinne des Imkers sein.

:: Der Imker ist Naturfreund ::

Allein die Biene macht noch keinen Honig. Der Imker muss nicht nur Kenntnis von der Biene haben, sondern auch von der BlĂŒte. Denn wann welcher Baum, welche Blume und welcher Strauch in welcher Region und zu welcher Zeit blĂŒht, hat Auswirkung auf Aroma und Farbe des gewonnenen Honigs.

Das Etikett auf dem vom Kunden erworbenen Natur-Produkt ist keine Frage des Zufalls, sondern eine Frage von Know-How und Timing. „Der Imker ist Natur-Freund“, verrĂ€t der pensionierte Bergmann. Ein Experte fĂŒr Flora und Fauna.

:: Treue, Mitarbeit und Ehrlichkeit ::

Vor 50 Jahren begann er mit der Imkerei. FĂŒr „Treue, Mitarbeit und Ehrlichkeit“ wurde ihm sogar die Ehrenmitgliedschaft verliehen, so sagt er schmunzelnd. Mittlerweile hat er keine eigenen Völker mehr, da die Arbeit ihm altersbedingt zu anstrengend wurde.

Dennoch bleibt er seiner Passion und dem Verein treu und geht regelmĂ€ĂŸig ein und aus. Im Sommer bringt er das spannende Hobby Kindergruppen im Vereinsgarten nĂ€her. Nachwuchsarbeit wird groß geschrieben.

Doch auch ohne seine Völker weiß der Gelsenkirchener sich zu beschĂ€ftigen: „ Ich fahre Fahrrad, habe meinen Schrebergarten, fahre ein bis zweimal im Jahr in den Urlaub und genieße meine Rente.“

Auf die Frage, was ihm persönlich an der Imker-Arbeit am meisten Freude bereitet hat, antwortet der pensionierte Bergmann: „Die Bienenvölker aufwachsen sehen und natĂŒrlich die Kameradschaft im Verein.“



Bisherige Kommentare

GĂŒnter Schulz   15.01.2011, 09:56:00 Uhr

Ein wunderschöner Beitrag ĂŒber Bienen und Imker. Ich habe mich sehr gefreut, dass GĂŒnter Duscha das Interview gehalten hat, er ist ja auch ein alter Fuchs in Sachen Imkerei und kennt sich echt gut aus. Ich hoffe, dass er noch lange Jahre der Imkerei mit Rat und Tat zur VerfĂŒgung steht!

MfG

GĂŒnter Schulz

Stephan Beuting   22.06.2011, 17:48:49 Uhr

Schöner Artikel (lehrreich, das mit den Bieneneiern und Königinnen), toller Einstieg, etwas abruptes Ende.

Danke fĂŒr die gute Unterhaltung.

Martin Stracke   28.10.2013, 13:47:42 Uhr

Hallo Zusammen

Fahre beruflich 1x pro Woche die Kirchhellender Str. entlang,

somit komme ich zwangslÀufig am wunderschönen GebÀude vorbei.

Ich selber wohne in Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis.

Werde im dortigen Imkerverein betreten, und freu mich jetzt schon auf mein erstes Bienenvolk.

Ich hoffe dort auf erfahrene und rĂŒstige Imker zutreffen, wie den

GĂŒnter Duscha.

Ich jedenfalls bin gespannt.

MfG Mattin



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Imkerverein Gelsenkirchen e.V.

Kirchhellenstr. 208

45896 Gelsenkirchen

Telefon: 0209/54981

Mehr Informationen zum Verein und zur Schule finden sie unter www.ruhrpott-honig.de

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