06. November 2010  00:00

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Erotik als GeschÀft

Der Patriarch des Sexpalasts

Sex-Shop im Untergrund: Seit 1993 betreibt Matthias Voigt den einzigen Erotik-Shop in Buer. Jetzt rĂ€umt der EinzelhĂ€ndler mit den gĂ€ngigen Klischees ĂŒber seine Branche auf.

Von Nicolai KĂŒhling

Von der Hochstraße kommend betritt man eine kleine Passage, die nur von der Leuchtschrift „Sexpalast“ ein wenig erhellt wird. Dort befindet sich der Eingang zu Voigts Laden.

Eine breite, mit grauem Linoleum ausgelegte Treppe fĂŒhrt ins Untergeschoss. Die WĂ€nde sind mit rotem Flausch beklebt, ein großer Akt hĂ€ngt vor Kopf, daneben auf einem Sockel ein nackter Oberkörper aus Gips. Auf halber Höhe zum Keller blickt eine auf Pappe gedruckte Barbusige dem Kunden verheißungsvoll entgegen.

Unten tut sich ein großer Verkaufsraum auf, und auch hier wirkt alles dem Klischee entsprechend. Nur eins passt nicht in das Bild eines verruchten Handels der fleischlichen Lust: Der HĂ€ndler selbst.

:: Lieber Sex-Shop statt Baustelle ::

„Ich war auf Montage und wollte das nicht mehr machen“, erzĂ€hlt Matthias Voigt. „Dann habe ich irgendwo gelesen, dass ein VerkĂ€ufer fĂŒr einen Sexshop gesucht wird.“ Zuerst habe er etwas gezögert, dann aber angefangen, dort zu arbeiten. „Nach einem Jahr wollten die dann das GeschĂ€ft abstoßen und haben mich gefragt, ob ich es ĂŒbernehmen möchte. Ich hab natĂŒrlich gleich den Finger gehoben. Und dann war ich dran.“

Vor 17 Jahren ist der aus Zwickau stammende Voigt so eher zufÀllig zum selbststÀndigen Sexpalast-Besitzer geworden. Heute hat sein Vorbild in der Familie Schule gemacht.

„Meine Frau hat noch einen Erotik-Shop auf der Wanner Straße“, erzĂ€hlt der 50-jĂ€hrige mit dem gemĂŒtlichen Bauch und zwinkert freundlich durch seine BrillenglĂ€ser. Sein Sohn betreibt einen Sex-Shop in Oberhausen.

:: Befriedigung der GrundbedĂŒrfnisse ::

Allerdings: „Es ist kein GeschĂ€ft, in dem man gut Geld verdienen kann. Man lebt davon“, gesteht Voigt ein. „Als es letztes Jahr so bergab ging, hat das auch uns massiv getroffen.“ FrĂŒher einmal sei es so gewesen, dass sich die Leute in einer Krise mit gewissen „GrundbedĂŒrfnissen“ abgelenkt hĂ€tten.

Obwohl das zuletzt nicht der Fall gewesen sei, konnte er sich durch schnelles Handeln retten. „Wir haben Einschnitte gemacht und alles ganz weit runter geschraubt“, erklĂ€rt Voigt mit leichtem sĂ€chsischen Dialekt.

Und inzwischen scheint auch fĂŒr die Sex-Industrie die Talsohle durchschritten. „Es nimmt jetzt langsam wieder zu. Und wir mĂŒssen schnellstens zusehen, dass wir den Einkauf wieder höher schrauben.“

:: Omas nicht gefragt ::

Dabei orientiert sich der erfahrene EinzelhĂ€ndler ganz an der Kundschaft. „Ich kaufe Filme so, wie die Kundschaft kauft“, erklĂ€rt er seine Strategie. „In Buer ist kaum etwas außergewöhnliches gefragt, wie Omas oder so.“

Aber aufgrund des kostenlosen Überangebots im Internet seien Filme ohnehin keine so große Einnahmequelle mehr wie noch vor einigen Jahren.

Doch Voigt hat eine Nische entdeckt, mit der man auch hier noch Gewinn machen kann. „Ich bin einer der wenigen, die noch jede Menge Video-Kassetten haben. Immer wenn ein Shop zugemacht hat, habe ich die VHS' aufgekauft. Und die gehen hier echt gut“, berichtet der VerkĂ€ufer. „Viele meiner Kunden sind bei der Umstellung auf DVD nicht mitgegangen.“

:: Die Mischung machts ::

Einen Topseller kann Voigt nicht nennen. „Heute machts nur noch die Mischung. FrĂŒher konnte man sagen, dass Spielzeug und Filme die grĂ¶ĂŸten Einnahmen brachten.“ Das Internet habe der Branche jedoch stark zugesetzt. „Das ist ganz abgesagt. Die meisten Shops haben Pleite gemacht.“

Und auch die Pornofilmindustrie hat sich seiner Meinung nach gewandelt. „Als es frĂŒher noch Theresa Orlowski und die alten Stars gab, war das der Renner. Aber solche Stars gibt es gar nicht mehr“, berichtet Voigt. „Das liegt ganz einfach an ÜbersĂ€ttigung. Es gibt viel zu viel.“

:: „Leer ist es nie“ ::

Neben dem Verkauf und den Videokabinen hat Voigt noch ein weiteres, tragkrĂ€ftiges Standbein: das Sexkino. „Das Kino ist viel, viel kleiner als normale Kinos. Da sind große Flachbildschirme drin und keine KinostĂŒhle, sondern Sofas. Dass heißt man setzt sich rein, ist relaxt und kann sich sein Filmchen schauen.“

Voigt ist stolz auf seinen gut gehenden Kinobetrieb. „Leer ist es nie. Bei uns ist immer jemand im Kino. In anderen Shops kommt manchmal zwei, drei Stunden gar keiner.“

Abgesehen von den Filmen, die auch im Verkaufsraum im Hintergrund laufen und von denen er von Zeit zu Zeit einen neuen einlegt, interessiert sich Voigt nicht dafĂŒr, was sich in seinem Kino abspielt. „Ich bin nicht drin. Ich weiß nicht was da passiert. Die sind alle erwachsen.“

Zwischen drin kommt ein weiterer dieser Erwachsenen, ein großer Mann um die vierzig, mit einer schwarzen Lederjacke und SchnĂ€uzer. „Einmal Kino“, sagt der Kunde und bezahlt die Tageskarte.

Ein anderer klappert eine Weile an einem Tisch mit DVDs und kauft dann einen Stapel. Keiner von beiden scheint sich unbehaglich zu fĂŒhlen beim Besuch des Sex-Shops.

:: Lange keine Scham mehr ::

„Das VerschĂ€mte, mit Kopf runter und so weiter, gibt es schon lange nicht mehr“, erzĂ€hlt Voigt. „Aber frĂŒher war auch die Kundschaft noch anders, da kamen die alten MĂ€nner, die sich hier Pornoheftchen angeschaut haben. Eben so, wie man sich frĂŒher einen Schmuddelshop vorgestellt hat“, berichtet er lachend.

Das Klientel und die Einstellung zu seiner Branche hat sich seitdem drastisch gewandelt. „Es kaufen genau so viele Frauen wie MĂ€nner“, beschreibt der SelbststĂ€ndige. „Auch Cliquen junger Frauen kommen rein, die ĂŒberhaupt nicht verschĂ€mt sind. Die eine kauft sich dann ein Spielzeug, die andere Dessous 
“

Es sei wie in jedem anderen GeschĂ€ft auch, nur mit anderer Ware. Und diese fĂŒhrt der Ladenbesitzer auf Wunsch auch vor. „Ich zeige die Funktionen der Vibratoren. Dass man hier sehen kann, was man bekommt, ist der letzte Vorteil gegenĂŒber dem Internet, den wir haben.“



Bisherige Kommentare

Jessy   08.11.2010, 00:16:02 Uhr

Sehr schöner Beitrag! ;)

SimSch04.   11.11.2010, 13:24:08 Uhr

Danke Nicolai fĂŒr die Verschönerung dieses grauen Herbsttages. Ein Traum

AlEx   02.11.2011, 17:37:32 Uhr

Hallo,

hab wie vielen jahren darf man dort rein?..mein kollege ist 13 jahre und möchte mal sowas sehen... :) von innen.Und kann man auch dort Fi**** will er wissen,wenn ja dĂŒrfte er es??

Tim   02.11.2011, 17:38:33 Uhr

Ich bin 13jahre alt und möchte fi****. kann ich es bei euch machen mit frauen??

Angela   25.12.2013, 17:09:33 Uhr

Anonymous -- We are planning on keneipg on track with the Developer 5.1 exam, updating cluster, and some other stuff still under wraps. We\'ll have to see if Oracle wants anything changed but for now the orders are maintain course and speed.

Horst   29.12.2013, 12:43:41 Uhr

hallo

meine frage ist der höhepunkt in buer wieder geöffnet.

horst

Wardana   13.02.2016, 17:46:58 Uhr

Well, it looks like we\'ve got a whole year before we can sbimut, anyway, because at the end of the finale last night (where I WON\'T tell you who won because I know you have it taped and haven\'t watched it yet) they announced that next season will be The Amazing Race: UNFINISHED BUSINESS.All of the contestants will be from previous seasons, but it looks like they\'re putting together the oddballs, fun personalities, people who break rules, whine, moan, bitch, forget their travel documents and those who can\'t drive a stick shift.Basically the BEST of the WORST! Yeah! Now that\'s a season I can sink my teeth into!



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Hochstrasse 30

45894 Gelsenkirchen

0209 - 3613817

Tageskarte Sexkino: 7,15 €

Fetishkleidung gibt es im Sexpalast Buer.

Die Vibrator-Technik hat seit 1993 große Fortschritte gemacht. Einer ist gar sprachgesteuert.

Ein dezentes Schild mitten auf der Hochstraße in Buer weist auf das, was unter der Einkaufsstraße liegt.

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