21. Oktober 2010  23:51

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Internetauftritt: Gelsenkirchen weit hinten

Ranking: Welche Stadt hat den besten Webauftritt?

Nicht nur in der aktuellen Tabelle der Bundesliga sieht es fĂŒr Gelsenkirchen eher wenig rosig aus. Auch beim Ranking des Fachblogs "DesignTagebuch" zum Thema "Webauftritte der 25 grĂ¶ĂŸten StĂ€dte Deutschlands" ist Gelsenkirchen eines der Schlusslichter. Die InternetprĂ€senz der Stadt ist - laut Blog - altbacken.

Von Jessica löll

Der Mann, der hinter diesem Vergleich steckt, ist Achim Schaffrinna. Der 39-jÀhrige ist Diplom-Designer und betreibt den Fachblog DesignTagebuch, der sich mit den Themen Design, Kommunikation und Fotografie beschÀftigt. Im Jahr 2009 wurde sein Blog mit dem Grimme Online Award in der Kategorie "Wissen und Bildung" ausgezeichnet.

:: Schon immer ein großes Anliegen ::

"Mir war es schon immer ein großes Anliegen, die Internetauftritte der 25 grĂ¶ĂŸten StĂ€dte in Deutschland zu vergleichen", sagt Schaffrina im buerpott-GesprĂ€ch, "bisher hat mir aus beruflichen GrĂŒnden leider die Zeit dazu gefehlt, doch dieses Jahr konnte ich meinen Plan verwirklichen." Die Recherche fĂŒr das Ranking dauerte ingesamt ĂŒber drei Monate.

Veröffentlicht wird der Vergleich jeweils in FĂŒnfergruppen, angefangen bei der Stadt mit den wenigsten Einwohnern - Gelsenkirchen. Teil 1 und Teil 2 des Rankings sind bereits auf DesignTagebuch.de zu finden.

:: "Man kann nicht jedem Trend hinterher rennen!" ::

Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen, hat natĂŒrlich auch von dem Ranking mitbekommen. Mit circa 260.000 Einwohnern ist Gelsenkirchen auf Rang 25 der grĂ¶ĂŸte StĂ€dt Deutschlands. In einigen Punkten stimmt er nicht mit Schaffrinna Kritik ĂŒberein.

"Wir als Stadt denken natĂŒrlich stĂ€ndig ĂŒber VerĂ€nderungen unserer WebprĂ€senz nach." Doch man habe eben nicht die Mittel, wie zum Beispiel ein großes Unternehmen. "Die Kritik regt zum Nachdenken an. Allerdings kann man nicht jedem Trend hinterher rennen!" Seiner Meinung nach muss die Internetseite einer Stadt in erster Linie nutzerfreundlich sein.

:: Vier Nutzerprofile ::

Um die Stadtportale zu ĂŒberprĂŒfen, hat sich der Diplom-Designer in vier verschiede Rollen hineinversetzt: den BĂŒrger, der nach Informationen zum Stadtleben sucht, den Touristen, der sich einen Überblick ĂŒber ein mögliches Reiseziel verschaffen möchte, den Stöberer, der sich von der Website mitziehen lĂ€sst - und den Kulturinteressierten.

Das Ranking soll nicht als mahnender Zeigefinger dienen, sondern viel mehr ungeachtete Möglichkeiten aufzeigen. Es gebe einfach zu viel ungenutztes Potential bei den Internetauftritten der StÀdte. Das will Diplom-Designer Schaffrinna den StÀdten, beziehungsweise den zustÀndigen Agenturen verdeutlichen.

:: Kriterien ::

Die Kriterien fĂŒr eine gute oder schlechte WebprĂ€senz unterteilt Achim Schaffrinna in vier Kategorien: Programmierung, NutzerfĂŒhrung, Design und Information. In jeder Kategrie kann eine Website 25 Punkte erreichen, somit ergibt sich eine Gesamtpunktzahl von 100 Punkten.

Bei der Programmierung hat sich Schaffrinna UnterstĂŒtzung durch Heiko Steigert geholt. Der Autor des Buches CSS Design ĂŒberprĂŒft die Seiten aus Programmierersicht.

:: Bisheriger Stand ::

Bisher ist die WebprÀsenz der Stadt Wiesbaden mit 94 von 100 Punkten auf Platz eins. "Da ist schon schwer dran zu kommen", so Kritiker Schaffrinna. Bochum belegt den letzten Platz, Gelsenkirchen ist mit 40 Punkten Drittletzter.

Elf der fĂŒnfundzwanzig untersuchten StĂ€dte liegen in Nordrhein-Westfalen. "Hier gibt es einige gelungene Portale, aber auch sehr viel Schatten." Man könne aber nicht generell sagen, dass es in dem einen Bundesland besonder viele gute oder schlecht Internetauftritte gĂ€be.

:: Nur 8 von 25 Punkten gleich in zwei Kategorien ::

Die Kritik an der Gelsenkirchener Seite beim Punkt Programmierung ist, dass viele Unterseiten des Portals statt mit Text und passendem Layout, mit Tabellen gefĂŒllt sind. Die Umsetzung sei "gelinde gesagt absolut indiskutabel". DafĂŒr gibt es nur 8 von 25 Punkten, genauso wie beim Design.

Was verbindet man mit Gelsenkirchen? Ruhrgebiet, Montanindustrie, Malocher und Kumpel und natĂŒrlich den FC. Schalke 04. Darum findet sich die Farbe "Königsblau" auch auf der stĂ€dtischen Homepage wieder.

:: Design ::

Die Farbe erfreut die Schalke-Fans, verstĂ€rkt aber laut Kritiker die altbackene NĂŒchternheit der Seite. Sie wirkt zusammengeschustert und wenig strukturiert. Wenn man die PrĂ€senz auf die Stadt beziehen wĂŒrde, so regiere in Gelsenkirchen Tristess.

Oft wird der Nutzer zwischen den Unterpunkten der Seite hin und her geschickt und auch die Suchfunktion ist nicht von Vorteil. Doch der Hauptkritikpunkt - und das nicht nur am Gelsenkirchener Webauftritt, sondern bei den meisten anderen auch - Fotos sind nicht mit Links versehen. "Die fehlende Verlinkung der Bilder ist unentschuldbar", denn die grĂ¶ĂŸte zur VerfĂŒgung stehende FlĂ€che fĂŒr Links bleibt so ungenutzt.

:: Gimmicks ::

Solche Fotoverlinkungen hĂ€lt Martin Schulmann fĂŒr Gimmicks, die nicht zwingend notwendig sind. Auch versteht er die Kritik nicht, dass es angeblich keine bewegten Bilder auf der Gelsenkirchener Homepage geben soll. "Wir haben bewegte Bilder, die auch regelmĂ€ĂŸig wechseln!"

Im Vergleich zu anderen Seiten erkennt er oft nicht wirklich große Unterschiede. Dennoch kann man sich dort etwas abgucken. Durch eine solche Kritik ließe man sich inspirieren, aber nicht treiben.

:: Nur wenige Online-Anwendungen ::

Der Formularservice ist recht gut ausgebaut, hingegen ist die Online-Anwendung auf Urkundenanforderung, Antrag auf Eheschließung und Reservierung des Wunschkennzeichens reduziert. Die Kommunikation zwischen der Stadt Gelsenkirchen und ihren BĂŒrgern ist "ehr klassisch".

Ob zu klasisch wird man dann am 1. November sehen können, denn dann sind alle Teile des Rankings im Blog DesignTagebuch veröffentlicht. Ob das königsblaue Gelsenkirchen auf einem der AbsteigerplĂ€tze bleibt, Wiesbaden seine jetztige Gewinnerposition behalten kann oder noch ĂŒberholt wird und ob Bochum weiterhin den letzten Platz belegt, wird sich dann zeigen.



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InfoBox

Teil 1 und Teil 2 des Rankings sind bereits auf DesignTagebuch.de zu finden. Den "Gewinner" und alle Plazierungen samt ausfĂŒhrlicher Bewertung gibt es dort ab dem 1. November.

Deutschlands 25 grĂ¶ĂŸten StĂ€dte:

01. Berlin

02. Hamburg

03. MĂŒnchen

04. Köln

05. Frankfurt am Main

06. Stuttgart

07. DĂŒsseldorf

08. Dortmund

09. Essen

10. Bremen

11. Hannover

12. Leipzig

13. Dresden

14. NĂŒrnberg

15. Duisburg

16. Bochum

17. Wuppertal

18. Bielefeld

19. Bonn

20. Mannheim

21. Karlsruhe

22. Wiesbaden

23. MĂŒnster

24. Augsburg

25. Gelsenkirchen

Achim Schaffrinna ist Diplom-Designer aus Hannover. Er hat die Bewertung der Internetauftritte durchgefĂŒhrt.

Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt Gelsenkirchen. "In erster Linie geht es um die Nutzerfreundlichkeit."

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