15. April 2010  19:40

Kommentieren

Abenteuer Freiheit

Zu Fuß nach Indien

Österreich, Slowenien, RumĂ€nien, Bulgarien, TĂŒrkei, Iran, Pakistan. FĂŒr zwei Bueraner Jungs ist das die Reiseroute der Tour ihres Lebens. Die BrĂŒder Marlon und Marcel Stawinoga wandern zu Fuß von Buer nach Indien. buerpott begleitete die beiden auf den ersten Kilometern.

Von Wolfgang Ernhofer

Donnerstagmorgen, viertel vor neun, die Bueraner fahren zur Arbeit, trinken Kaffee oder sitzen in der Schule. Die Sonne spitzelt durch die Wolken. FĂŒr die Meisten beginnt ein unaufgeregter Tag. FĂŒr die BrĂŒder Marcel und Marlon Stawinoga ist es ein ganz besonderer Tag. Die beiden gehen von zu Hause fort. FĂŒr sehr lange Zeit.

Die erste Etappe

Vor der HaustĂŒre an der Beckeradsdelle warten schon die drei Freunde Tim Franzke, Marlon Schruff und Alexander Petschek auf die Abenteurer. „Die beiden packen noch ihre Sachen um“, erklĂ€rt die Mutter, die schon an der HaustĂŒre steht und die Freunde begrĂŒĂŸt. Kurz vor neun Uhr kommen die BrĂŒder, mit großen RucksĂ€cken bepackt aus dem Haus. „So jetzt geht’s los“, meint der 26 jĂ€hrige Marcel. NatĂŒrlich werden die rund fĂŒnf Kilometer zur ZOOM Erlebniswelt zum Warm laufen zu Fuß gemeistert. Die Freunde plaudern auf der Strecke, einer trĂ€gt fĂŒr Marlon das zusammengepackte Zelt. Alexander Petschek wird die beiden auf der ersten Etappe bis zur Burg Blankenstein bei Hattingen begleiten.

Presseauflauf

UngefĂ€hr 30 Kilometer Strecke wollen die Abenteurer jeden Tag bewĂ€ltigen. 7000 Schritte sind es von Daheim zur ZOOM Erlebniswelt. Marcel und der 21 jĂ€hrige Marlon haben auf ihrer Reise SchrittzĂ€hler dabei. Am Zoo warten schon zahlreiche Pressevertreter auf die leicht verspĂ€teten BrĂŒder. Weil die Wanderer beide schon in der ZOOM Erlebniswelt gearbeitet haben, haben die Verantwortlichen des Zoos ihnen angeboten, die Pressekonferenz und den Start ihrer Tour dort stattfinden zu lassen. Etwas ĂŒberwĂ€ltigt vom großen medialen Interesse antworten die zwei brav und ausfĂŒhrlich auf die Fragen der Presse.

Rucksackinhalt und Speiseplan

„Wir haben Proviant fĂŒr die ersten Tage dabei. GemĂŒsereis und Wasser“, erzĂ€hlt Marcel. Beide BrĂŒder haben im Moment 20 Kilogramm GepĂ€ck auf den Schultern. Kleidung, Pfanne, Topf, Kocher, SprachfĂŒhrer, Zelt, Kamera und Laptop sind verstaut. „Wir wollen zwischendurch Bilder und Texte online stellen, damit unsere Leute wissen, wo wir gerade sind“. Auf der Reise wollen die Jungs viel Reis, Obst und selber gemachtes Chapati-Brot essen, außerdem ist einmal die Woche Fasten, ohne feste Nahrung, angesagt. „Es schadet nicht, wenn man lernt zu verzichten“, berichtet Marlon ĂŒberzeugt. Und falls es den Abenteurern mal zu leise ist, können sie auf der eingepackten Blockflöte ĂŒben.

Warum?

„Ich wollte nach Indien, aber fliegen war mir zu einfach“, erzĂ€hlt Marcel mit gelassener Stimme. „Letzten August kam mir die Idee, da habe ich Marlon angerufen, der gerade auf dem Jakobsweg war und habe es ihm erzĂ€hlt“, erklĂ€rt der ehemalige Pfadfinder die Entstehungsgeschichte der Tour. „Ich habe schon bevor ich mit ihm gesprochen habe mit ihm geplant, natĂŒrlich hat er dann auch sofort ja gesagt“.

Marcel ist mit einer Hinduistin aus Sri Lanka verlobt, die in Deutschland geboren wurde und in Bonn studiert. „Meine Verlobte hat VerstĂ€ndnis fĂŒr die Tour, obwohl es fĂŒr uns beide wohl hart werden wird“, ist er sich sicher. Nach der Reise will er auch noch studieren. „Ich schreibe sehr gerne und hoffe, dass ich fĂŒr mein geplantes Buch einen Verlag finde“. Marcel will in Indien ein Buch ĂŒber die sechsmonatige Reise schreiben. Kalkutta, als intellektuelles Zentrum Indiens soll ihn dabei inspirieren.

Die BrĂŒder wollen ein StĂŒck weit dem Alltag entfliehen und auf ihrer spirituellen Reise Zeit zum Nachdenken haben. Marlon will nach der Reise vielleicht Germanistik und Philosophie studieren, aber ganz genau weiß er es noch nicht. „Ich habe ja jetzt lange genug Zeit darĂŒber nachzudenken“, sagt er und verzieht verschmitzt das Gesicht.

Etappen und Gedanken

Mit Blasenpflastern und einer insgesamt rund 1400 Euro teuren AusrĂŒstung begeben sich Marcel und Marlon auf die 7500 Kilometer lange Reise. Durch den Iran werden die beiden vom Vater eines Freundes gefahren, der dort lebt. Ihr 30 Tage geltendes Visum wĂŒrde fĂŒr den Fußmarsch durch das große Land nicht genĂŒgen. Der Mutter Manuela Fröhner ist das nur recht. „NatĂŒrlich habe ich Schiss und ganz ganz viele Sorgen“ außerdem „habe ich drei Wochen gebraucht, um das ĂŒberhaupt zu begreifen“. Trotz der vielen Sorgen ist die Mutter der beiden BrĂŒder sehr stolz auf ihre Jungs und „die innere Einstellung sich selbst zu finden“.

Auf die Frage nach Ängsten meint Marcel sehr gelassen und entspannt: „Man denkt da schon drĂŒber nach, aber es wird schon gut laufen“.

Time to say goodbye

Zum Abschied gibt es von der Stadt Gelsenkirchen noch Geschenke. T-Shirts, Stadtwimpel, einen USB-Stick und ein Empfehlungsschreiben von OberbĂŒrgermeister Frank Baranowski. WĂ€hrenddessen weint eine Freundin der BrĂŒder, die selber gerade erst von einer langen Australienreise zurĂŒckgekehrt ist. Am Ausgang werden die vielen anwesenden Freunde, Bekannte und Verwandte verabschiedet. Die BrĂŒder umarmen ihre Lieben und finden fĂŒr jede, oder jeden ein paar aufmunternde Worte. Beide wirken entspannt und gelassen. Sie haben ihren Frieden mit dem Abschied fĂŒr lange Zeit schon gemacht. Die Mutter nimmt Marcel und Marlon noch mal in den Arm wĂ€hrend langsam die TrĂ€nen ĂŒber ihre Wange kullern. Die Reise beginnt.



Bisherige Kommentare

SimSch   16.04.2010, 01:16:40 Uhr

Liebe Buerpott-Redaktion...bitte dranbleiben an den beiden. Interessante Story..

mary   16.04.2010, 15:06:52 Uhr

unglaublich neidisch

Dina   18.04.2010, 19:46:14 Uhr

WoW! eine sehr interessante Story...bin mal gespannt, wie weit sie es schaffen :)

Michael   06.05.2010, 16:57:29 Uhr

Wenn man den Marcel von vor etwa 7-8 Jahren mit dem von heute vergleicht... Respekt! FrĂŒher war er fast zu gemĂŒtlich um zum MĂŒlleimer zu gehen, und jetzt sowas.

Dies ist ein gutes Beispiel dafĂŒr, wie sich Menschen Ă€ndern, in diesem Fall im positiven Sinne.

Ich drĂŒcke ihnen die Daumen, dass sie ohne grĂ¶ĂŸere Schwierigkeiten ihr Ziel erreichen!

Hier ist ĂŒbrigens ihre Internetseite, auf der man verfolgen kann wo sie gerade sind: www.zufussnachindien.de

Ingrid SchlĂŒter   22.05.2010, 00:09:01 Uhr

Hallo Jungs, ich habe in dem Buerscher BlĂ€ttchen von eurem Vorhaben gelesen. Ich bin glĂŒcklich darĂŒber das es eine Mutter gibt die ihren Söhnen die Freiheit gibt und sie nicht von so einer tollen Idee und Liebe zu Indien abhĂ€lt. Ich bin nun mal jetzt 61Jahre und wĂ€hre in Eurem Alter auch gerne auf Tour gegangen aber vor 40 Jahren wahren zu mindest meine Eltern sehr sreng. Ich werde Eure Tour verfolgen und wĂŒnsche Euch das alles was ihr Euch wĂŒnscht in ErfĂŒllung geht. Liebe GrĂŒĂŸe Inge SchlĂŒter aus DĂŒlmen.

Benny Pamp   25.09.2010, 08:22:22 Uhr

Ich bin 20 Jahre alt und hab in meinem Leben schon viel durchgemacht, angefangen damit, dass ich mit 15 alleine wohnte, kurz danach Krebs bekam, ihn ĂŒberstand und seither mich mit allmöglichen Ämtern prĂŒgle um mich ĂŒber Wasser zu halten. Kurz; ich will raus in die Freiheit, eine Weltreise zu Fuß. Den Gedanken hege ich seit einigen Jahren. Prinzipiell hindert mich nichts und Niemand an einem solchen Vorhaben. Aber ich bin zu unsicher. Was werden die Behörden dazu sagen? Wie setze ich das alles durch ohne finanzielle Mittel. Wenn ich zurĂŒck komme bin ich ohne abgeschlossen Ausbildung. Freunde und Familie. Mir ist bewusst dass die ganze Sache Jahre dauern kann. Wie bereite ich mich alsop vor? Und vor allem, wie ĂŒberwinde ich die Angst in das Ungewisse zu stolpern?

Ihr beiden seid zu beneiden, ich wĂŒnsche euch alles gute auf eurer Reise.

Liebe GrĂŒĂŸe Benny Pamp aud Lemgo in Lippe

Torben Diekmann   02.10.2012, 10:37:21 Uhr

Hey,

ich bin Torben und wohne in Lemgo.

Es ist einfach wundervoll, was ihr da tut und ich bin ebenfalls Reisender.

Ich war schon in Irland, Schottland, Australien und Russland.

WĂŒnsche euch viel Spaß.



Artikel kommentieren

Ihr Name? (erforderlich)


Ihre E-Mail-Adresse? (erforderlich, wird nicht veröffentlicht)


Ihr Kommentar?



 
 

InfoBox

Die beiden BrĂŒder Marlon (21) und Marcel (26) Stawinoga aus Buer laufen in den nĂ€chsten sechs Monaten nach Indien. In Indien wollen die beiden zum Ursprung des Ganges und nach Kalkutta wandern. Insgesamt haben sie sich fĂŒr ihre Reise rund ein Jahr Zeit genommen. buerpott berichtet wĂ€hrend ihrer Reise vom aktuellen Stand. Weitere Informationen ĂŒber Marcel, Marlon und ihre Reise finden sie hier hier .

So haben die beiden BrĂŒder ihre Tour geplant.

Freunde begleiten Marcel und Marlon bei ihren ersten Schritten Richtung Indien.

Bei der Verabschiedung in der neuen Asien-Welt der ZOOM gibts noch Geschenke von der Stadt Gelsenkirchen.

FĂŒr die Presse, Freunde, Bekannte und Verwandte gibt es wĂ€hrend der Verabschiedung noch viele kleine Leckereien.

Zum Abschied, noch ein Gruppenbild mit den Lieben, bevor die Reise beginnt.

Es ist Zeit sich zu verabschieden.

Doch bevor die Reise starten kann, werden die Lieben noch gedrĂŒckt und gebĂŒhrend verabschiedet.

Die besorgte, aber stolze Mutter verabschiedet Marcel.

Wir sind dann mal weg.

Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz