26. März 2010  21:32

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Pro NRW "Mahnwache"

Parolen statt Argumente

Rund 100 Demonstranten waren von Pro NRW angekĂŒndigt. Zu ihrer „Mahnwache“ vor der Moschee auf der Horster Straße kamen knapp 20. Die Gegenveranstaltung der Falken war mit knapp 100 Demonstranten wesentlich besser besucht.

Von Julia Jax und Wolfgang Ernhofer

Horster Straße: Es regnet stark, vor einem unscheinbaren weißen Haus haben sich trotzdem einige Menschen versammelt. An der Hauswand steht in Großbuchstaben „Ditib“. Geht man die Einfahrt entlang, gelangt man zum Eingang des muslimischen Gebetshauses, das zur Ditib-Gemeinde Gelsenkirchen gehört. In weniger als zwei Stunden soll hier das Freitagsgebet stattfinden. In weniger als zwei Stunden hat aber auch Pro NRW eine „Mahnwache“ gegen Moscheen und die scheinbar zunehmende Islamisierung angekĂŒndigt.

:: Gegenproteste ::

Bereits um kurz nach zehn hĂ€ngen die ersten Transparente an LaternenpfĂ€hlen mit Aufschriften wie „Keine Nazikonferenz in GE“, Antifa-, Falken- und Jusoflaggen kĂŒndigen an, dass es einen Gegenprotest geben wird. Durch ein Megafon scheppert laut Ska-Musik.

Ein Großaufgebot der Polizei steht rund um die Moschee, sie sollen spĂ€ter Demonstranten von Pro NRW, Antifa, Falken und Jusos auseinander halten. „Wir erwarten etwa 100 Demonstranten auf jeder Seite, denken aber auch, dass alles friedlich bleiben wird“, erklĂ€rt Konrad Kordts, Leiter des PrĂ€sidialbĂŒros der Gelsenkirchener Polizei.

:: Besuch aus Berlin ::

Um viertel vor elf ist die Kundgebung der Falken schon gut besucht, gegenĂŒber postiert sich „AUF Gelsenkirchen“. Die etwas Ă€lteren Protestteilnehmer singen mit Gitarrenbegleitung „bella ciao“ und „Moorsoldaten“. Die Stimmung ist trotz des andauernden starken Regens gut. Ein silberner Reisebus fĂ€hrt vor. Aus ihm steigt eine Horde Journalisten. Ihre Kameras fangen sofort wild an zu klicken, denn hinter ihnen verlĂ€sst Sigmar Gabriel den Bus. Unter Blitzlichtgewitter begrĂŒĂŸt er Vertreter der Ditib-Gemeinde, OberbĂŒrgermeister Frank Baranowski und die Gelsenkirchener Landtagsabgeordneten Heike Gebhard und Markus Töns. Durch das Megafon der Falken wird derweil die Kundgebung eröffnet.

Nach seiner BegrĂŒĂŸungstour betritt Gabriel die Moschee. NatĂŒrlich zieht er die Schuhe aus. Auf Socken lĂ€uft das Programm weiter, viel Zeit hat er nicht, er möchte noch zu den anderen Moscheen im Ruhrgebiet, vor denen Pro NRW heute „Mahnwachen“ abhĂ€lt.

:: Religiöser Austausch beim Tee ::

Zeit fĂŒr einen kleinen Plausch hat er trotzdem. Unter Dauer-Geblitze der Fotografen wird tĂŒrkischer Tee getrunken und viel gescherzt, aber auch ĂŒber den ernsten Anlass seines Besuchs gesprochen. „Wir erhoffen uns von dieser Aktion, dass darĂŒber mehr berichtet wird, als ĂŒber diese Hohlköpfe, die gleich noch kommen werde“, erklĂ€rt er. Um mehr als nur medienwirksam zu sein, lĂ€dt Gabriel Vertreter der Ditib zu einem FolgegesprĂ€ch ein.

:: Die „Mahnwache“ beginnt ::

Kurz nach seiner Abreise reisen die Demonstranten von Pro NRW an. Polizisten laufen in Richtung Haltestelle Hugostraße, kurz hinter der Moschee stellen sich mehrere von ihnen auf. Nur noch unbeteiligte Passanten werden durchgelassen. Immer wieder kommt die Frage „Was ist hier eigentlich los?“ die Antwort darauf spaltet die Meinungen und erregt teilweise die GemĂŒter „Ich find das richtig, irgendwann muss auch mal Schluss sein. Es können doch nicht immer mehr von denen nach Deutschland kommen“, erbost sich eine Frau. „Solche Faschisten brauchen wir nicht. Das hatten wir schon mal vor ĂŒber 60 Jahren, das wollen wir nicht noch mal“, entgegnet ihr ein Mann entschlossen.

:: 40 Minuten Pro NRW ::

Die Kundgebung von Pro NRW ist mittlerweile bestens besucht, sieben Polizei-Kleinbusse und zwei MotorrĂ€der stehen bei knapp 20 Demonstranten. Das was sie sagen kriegen die Menschen auf der gegenĂŒberliegenden Straßenseite nur als Wortfetzen mit. Alle paar Minuten schneidet ihnen eine heranfahrende Straßenbahn das Wort ab. Ein Mitglied der österreichischen FPÖ ruft populistische Parolen von Religionsfreiheit und einer Gefahr der Islamisierung in sein Megafon, neben ihm halten zahlreiche Demonstranten Schilder mit einer durchgestrichenen Moschee und Deutschlandflaggen hoch und jubeln ihm zu.

:: Der Spuk ist vorbei ::

Warum Pro NRW diese Veranstaltung auf ihrer Website als vollen Erfolg verbucht, dĂŒrfte angesichts der gebotenen Szenerie klar sein. Ein kleiner Haufen Menschen mit rechtextremer Gesinnung, die bei inhaltloser Polemik jubeln, gegen knapp 100 Gegendemonstranten mit vernĂŒnftigen Argumenten lĂ€sst sich im Wahlkampf nur schwer verdauen.

Um zehn vor eins, vierzig Minuten nach ihrer Ankunft verschwindet Pro NRW wieder. Die Gegendemonstration löst sich danach auch langsam auf.



Bisherige Kommentare

"Dieter Berg"   29.03.2010, 09:30:54 Uhr

Guter Artikel!

Wenn ich mir vorstelle, dass dieser kleine Haufen von nichtssagenden, minderbemittelten "Menschen" mit einer rechten Gesinnung unser Gelsenkirchen immer wieder als BĂŒhne benutzen, wird es doch an der Zeit, dass unsere Volksvertreter sich etwas einfallen lassen um dieses zukĂŒnftig zu vermeiden.

Dazu schlage ich vor,...aus reinen SicherheitsgrĂŒnden,... dass Mahnwachen dieser dummen Rechten Menschen nur noch Abfalldeponien sattfinden. Denn dort kommt zusammen was zusammen gehört!

LG, "Dieter Berg"

Gerald   07.04.2010, 22:21:50 Uhr

Ist das Ihre Meinung? Dann sollten Sie sich mal ĂŒberlegen, ob SIE ein Demokrat sind. NatĂŒrlich soll und darf jeder in Deutschland seine Meinung sagen. Ob Links, Rechts, Mitte, Oben oder Unten. Ich finde es viel schlimmer, dass man in Deutschland nicht friedlich demoonstrieren kann, ohne das Linksfaschisten mit Gewalt drohen. Bestes Beispiel ist der Schaden von Schloss Horst.

Demokrat   17.04.2010, 14:54:31 Uhr

Zu einer funktionierenden Demokratie gehört sowohl eine politische Linke als auch eine politische Rechte. Die am Rande agierenden werden vom Verfassungsschutz beobachtet. So soll es auch sein.

Lieber Herr Berg, was Sie fordern widerspricht jeglichen demokratischen GrundsĂ€tzen. Es ist doch wohl besser, dass Pro-NRW in der Öffentlichkeit auftritt, als dass heimliche Versammlungen stattfinden, die nicht kontrollierbar sind und nicht beobachtet werden können. Außerdem ist Pro-NRW gar nicht so weit rechts außen, wie stĂ€ndig propagiert und durch die Medien suggeriert wird. Sowie viele Linke ein Problem mit der christlichen Kirche haben, so gibt es halt auch Rechte, die den Islam kritisieren. Minarette sind TĂŒrme, von denen zum Gebet aufgerufen wird, im "Optimalfall" bis zu fĂŒnf Mal tĂ€glich. Im Gegensatz zu Kirchenglocken vermittelt der Gebetsruf einen Inhalt:

"Allah ist groß

Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah

Ich bezeuge, dass Mohammed Gottes Gesandter ist

Auf zum Gebet!

Auf zum Erfolg!"

Der Muezzin verbreitet somit grundlegende islamische Dogmatik, wodurch sich womöglich AndersglĂ€ubige als auch Atheisten gekrĂ€nkt fĂŒhlen. Der Islam ist nicht nur eine Weltreligion, sondern auch eine Ideologie, bzw. wird zu solch einer gemacht. Dass sich in diesem Sinne Protest und Widerstand bildet ist doch wohl nicht verwerflich. Diesen Protest nun mundtot machen zu wollen (siehe "Dieter Berg") halte ich fĂŒr gefĂ€hrlicher als den Protest an sich, denn so werden gemĂ€ĂŸigte Islamkritiker radikalisiert.

Ist die Schweiz wirklich intolerant, nur weil deren BĂŒrger sich gegen solche TĂŒrme entschieden haben? Islamische GotteshĂ€user dĂŒrfen dort ja weiterhin gebaut werden. Ausgerechnet Staaten, in denen Religionsfreiheit nur ein Lippenbekenntnis ist bzw. Christen und Juden gar verfolgt werden, werfen der Schweiz Rassismus vor. Die Entscheidung der Schweiz basiert auf einen demokratischen Volksentscheid und dieser sollte respektiert werden.

Zu Zeiten Mohameds gab es ĂŒbrigens keine Minarette. Minarette entstanden erst im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte und wurden oft dazu verwendet die Macht des Islams bzw. eines islamischen Herrschers auszudrĂŒcken. Minarette haben mit Religionsfreiheit rein gar nichts zu tun. Auch in einer Moschee ohne Minarette kann die Religion voll ausgelebt werden.

Islamische GotteshÀuser sind aus meiner Sicht eine Bereicherung und meist ein schöner Anblick.

Aber ist es nicht eine fairer Kompromiss, den Schweizer Christen soweit entgegenzukommen, dass man auf Minarette verzichtet? Ist es nicht albern, dass islamische VerbĂ€nde und Regierungen als auch etablierte deutsche Parteien hier von einem Verstoß gegen die Menschrechte sprechen? Besonders erstgenannte sollten sich mal an die eigene Nase packen!

Dieter Berg   28.04.2010, 14:13:10 Uhr

Wenn ich Ihre Kommentare lese,...wird mir schlecht.

Wer ist hier denn nicht Demokrat...IHR!!!!!

(Ihr seid doch bestimmt auch Mitglieder dieser NAZI-Meinungs-Außerungs-im Abseits stehende-MiniGruppe)

Es sind die Leute wie "Gerald" oder "der Demokrat" die unsere Demokratie mit Parolen unterwandern wollen.

Fanatische Parolen ohne Sinn und Verstand!!! Dummes Gelaber!!!

Abgeschrieben aus Hetzprospekten...einfach nur Schwachsinn!

Und noch eins,...bevor ihr wieder antwortet (tausendfach, seitenlang) nutzt lieber diese Zeit und tuet Gutes.

...stannt schon in der Bibel so geschrieben.

Ich wĂŒnschte es gebe einen Knall und im Garten von Kevin Hauer steht ein Minarett grĂ¶ĂŸer als der Eifelturm,...manchmal gehen WĂŒnsche in ErfĂŒllung.

Demokrat   06.05.2010, 09:35:46 Uhr

Lieber Herr Berg, ich bin weder Mitglied bei Pro-NRW noch lese ich Hetzprospekte!

Anstatt zu beleidigen, sollten Sie lieber auf die angeblichen Parolen eingehen. Parolen sind doch meist leicht zu widerlegen, noch einfacher ist es, dummes Gelaber zu widerlegen. Wenn ich Sie richtig verstehe, besteht die schweizer Bevölkerung zu ĂŒber 50% aus Nazis, weil sie sich gegen Minarette entschieden hat?

Demokrat   07.05.2010, 08:47:56 Uhr

Lieber Herr Berg, ich bin weder Mitglied bei Pro-NRW noch lese ich Hetzprospekte!

Anstatt zu beleidigen, sollten Sie lieber auf die angeblichen Parolen eingehen. Parolen sind doch meist leicht zu widerlegen, noch einfacher ist es, dummes Gelaber zu widerlegen. Wenn ich Sie richtig verstehe, besteht die schweizer Bevölkerung zu ĂŒber 50% aus Nazis, weil sie sich gegen Minarette entschieden hat?

Da kommt nichts mehr...   21.05.2010, 14:10:42 Uhr

Herr Berg tut lieber Gutes und organisiert Demos mit grauen Wölfen und Hamas Aktivisten gegen irgendwelche NAZI-Meinungs-Äußerungs-im Abseits stehende-MiniGruppen. Ein wahrer Antifaschist. Er ist bestimmt Mitglied bei den Linken, die tun schließlich auch immer nur Gutes, oder glauben das zumindest.

Stephan Luckaßen   08.06.2013, 02:26:36 Uhr

Ich finde die Aktion von Pro Nrw völlig in Ordnung.

Wir haben genug Islam in Deutschland. Anstatt unsere Politiker immer wieder RĂŒcksicht nehmen auf islamische Befindlichkeiten sollten Sie die kompromislose Assimilierung von Millionen Menschen einfordern, die in der dritten Generation immer noch unzureichende Deutschkenntnisse aufweisen. Ich sehe auch nicht mehr ein, dass Deutschland mit Moscheen zugeplastert werden soll wĂ€hrend es z.B in Saudi Arabien immer noch unmöglich ist, christliche GotteshĂ€user zu errichten.

Fakt ist, der Islam passt nicht zu Europa, weil sein Wertesystem mit unserer Demokratie nicht kompatibel ist. Diese Meinung zu akzeptieren fĂ€llt unseren Gutnazis (anderer Begriff fĂŒr Gutmenschen) halt sehr schwer.

sct   06.11.2013, 17:46:18 Uhr

Herr Berg wird so lange die Muselmannen verteidigen,bis er mal selber "bereichert" wird!1683



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Morgen erreicht in Gelsenkirchen das Pro NRW-Wochenende seinen Höhepunkt. Ab 10 Uhr hat die Gruppierung das Schloss Horst fĂŒr ihren Parteitag gebucht. Dort sollen unter anderem die Einleitung eines EU-BĂŒrgerbegehrens und einer NRW-Volksinitiative fĂŒr ein Minarettverbot entschieden werden. Die Polizei erwartet bis zu 1000 Gegendemonstranten auf sieben Kundgebungen rund um das Schloss diese beginnen zwischen 7.30 und neun Uhr.

Weitere Informationen zu den Gegenveranstaltungen am 27.03.2010 vor Schloß Horst und zum Demonstrationszug durch Horst gibt es hier

Zahlreiche Menschen, vor allem Jugendliche, sind bei der Gegendemonstration anwesend.

Sigmar Gabriel besucht die muslimische Gemeinde und die Gegendemonstranten.

Unscheinbare GebĂ€ude, wie das Gebetshaus in Gelsenkirchen Buer sind der Stein des Anstoßes fĂŒr Pro NRW.

Friedlicher Protest mit Gitarre und Musik zum Nachdenken.

Wenige Menschen beteiligen sich an der "Mahnwache" von Pro NRW.

Die Polizisten haben nichts zu tun, alles bleibt friedlich.

Gegendemonstranten im GesprÀch mit den Beamten, die den Gehsteig sperren.

Die Jusos war eine der Jugendorganisation, die sich an den Protesten gegen die "Mahnwache" beteiligt haben.

Die Fahnen des friedlichen Protests wehen trotz heftigem Regen.

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