13. November 2009  00:00

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Piet Dolata

Kaffee, Crepes und Karamell

In sattem GrĂŒn rankt der Efeu, wie ein Kontrast zum grauen Novemberwetter an der Fassade. Aus dem Haus zieht sĂŒĂŸlicher Geruch nach Gebackenem auf die Hagenstraße und lockt manchen FußgĂ€nger von der diesigen Straße herein. Herein ins Cafe von Piet Dolata, herein ins Cafe Creperie.

Von Wolfgang Ernhofer

Wer durch die EintrittstĂŒre des Cafes tritt, hat das GefĂŒhl in eine andere Welt zu treten. Der große Raum ist etwas dunkel, an den WĂ€nden hĂ€ngen alte GemĂ€lde und ĂŒberall stehen Blechdosen und Werbetafeln aus den 50er, 60er und 70er Jahren. „Wir hatten ja kein Geld, als wir das Cafe eröffnet haben, also haben wir die Einrichtung von FlohmĂ€rkten", flĂŒstert Piet Dolata, der Betreiber der schmucken Creperie beinahe. Mit „wir“ meint der 55 JĂ€hrige sich und die beiden MitgrĂŒnder, die sich aber nicht so arg in die Gastronomie verliebt haben, wie er selbst. Schon vor 31 Jahren wurde das Cafe eröffnet.

:: Vom Nebenjob zur Leidenschaft ::

„Wir wollten uns etwas dazuverdienen, da kam uns die Idee eine RĂ€umlichkeit anzumieten und Speisen und GetrĂ€nke zu verkaufen", erzĂ€hlt der hagere Wirt mit ruhiger Stimme. Damals hat er Sozialwissenschaften in Bochum studiert und mit Bekannten die renovierungsbedĂŒrftige LokalitĂ€t entdeckt. Mit viel Schweiß und Anstrengung haben die Drei EinrichtungsgegenstĂ€nde gesammelt, gestrichen und verschönert. „Die Tische sind eigentlich alte NĂ€hmaschinengestelle und das Buffet kommt vom alten Bahnhof Buer Nord. Der Rest hat sich mit der Zeit angesammelt.“ Der damaligen Not verdankt das Cafe heute seinen Charme und das unvergessliche Aussehen. WĂ€hrend der studierte Sozialwissenschaftler von den alten Zeiten erzĂ€hlt, fĂŒllt sich der Raum. Ein junges Paar betritt den Raum und bestellt Kaffee. In der Ecke sitzt eine Familie mit kleinen Kindern und freut sich auf die Bratkartoffeln mit Ei. Unbeeindruckt vom ganzen Geschehen lehnt sich ein Ă€lterer Herr in seinem Stuhl zurĂŒck und blĂ€ttert, laut raschelnd in der zerknitterten Zeitung. „Die Arbeit machte mir damals schon Spaß und ich bin mein eigener Chef", meint Dolata leise und fĂ€hrt sich mit der Hand durch das graue, kurze Haar. Das erklĂ€rt auch, warum der Betreiber trotz abgeschlossenem Studium in der Gastronomie hĂ€ngen geblieben ist.

:: Kuchen von Oma ::

Die Kaffeemaschine knattert beim Mahlen der frischen Bohnen in der Ecke. Der freundliche Wirt bedient seine GĂ€ste selber und serviert die Speisen und GetrĂ€nke. „Wir haben eigentlich alles, vom Herzhaftem bis zur SĂŒĂŸspeise.“ Ein Blick in die Karte bestĂ€tigt, kann doch zwischen ĂŒberbackenen Baguettes, FrĂŒhstĂŒck, Salaten, bis zu Eis, Crepe und Kuchen alles gewĂ€hlt werden was schmeckt, glĂŒcklich und satt macht. Der Kuchen ist eine besondere SpezialitĂ€t, der wird nĂ€mlich von der Oma frisch gebacken und kann in der Auslage, einem alten Holzofen, bewundert und ausgesucht werden. Die Oma heißt Hanna Tebben, ist stolze 83 Jahre alt und die Mutter von Claudia Tebben, der Freundin von Piet Dolata. Zusammen mit studentischen AushilfskrĂ€ften bewirtschaften sie heute das Cafe Creperie. Draußen dĂ€mmert es allmĂ€hlich.

:: Arbeiten mit Goethe ::

Bedacht, fast etwas schĂŒchtern wirkend, erklĂ€rt der Chef „Crepes und Bratkartoffeln mit Spiegelei sind die SpezialitĂ€ten". Der Gast hat die Auswahl zwischen rund 30 verschiedenen Crepevariationen, vielen Teesorten und selbst gemachtem GlĂŒhwein mit Mandeln und Rosinen speziell fĂŒr die kalte Jahreszeit. Die Leckerein werden in der kleinen KĂŒche fĂŒr jeden Gast frisch zubereitet. „Zuerst hatten wir ja keine KĂŒche und keine Toiletten, die mussten wir selber einbauen", sagt der in Essen geborene Gastronom. „Wir haben GĂ€ste, die uns ĂŒber die Jahre treu geblieben sind.“ Und die BestĂ€ndigkeit ist die große Besonderheit des Cafes, andere Lokale kommen und gehen, die Creperie bleibt. Ein Ort zum Entspannen, Zeitung lesen, ratschen und die Zeit vergessen. Alles in einem Flair, der ein bisschen an Großmutters Wohnzimmer erinnert und in Buer und Umgebung einmalig ist. Und wĂ€hrend Dolata das junge PĂ€rchen bedient, wacht eine BĂŒste Goethes von der Anrichte. Keiner hĂ€tte das GefĂŒhl nach einem Besuch im Cafe Creperie besser beschreiben können, wie einst der Altmeister der deutschen Dichtkunst: „Kein Genuss ist vorĂŒbergehend, denn der Eindruck, den er hinterlĂ€sst, ist bleibend.“



Bisherige Kommentare

fotomaxwstm   14.02.2011, 13:13:15 Uhr

Frage eines DĂŒsseldorfers: wie kommt ihr zum Gatzweilers Alt? ...und das mitten im kohlepott!

Piet   05.03.2011, 22:48:19 Uhr

Das Werbeschild ist genauso alt wie das Café, nÀmlich 33 Jahre!

Als wir damals eröffneten, gab es als "In-Marke" das Gatzweiler auch im Ruhrpott und das hatten wir natĂŒrlich im Angebot, bis unser Lieferant dieses nicht mehr im Programm hatte.

Gibt es Gatz denn noch?

Piet   05.03.2011, 22:51:13 Uhr

Das Werbeschild ist genauso alt wie das Café, nÀmlich 33 Jahre!

Als wir damals eröffneten, gab es als "In-Marke" das Gatzweiler auch im Ruhrpott und das hatten wir natĂŒrlich im Angebot, bis unser Lieferant dieses nicht mehr im Programm hatte.

Gibt es Gatz denn noch?

make money online   13.09.2013, 12:11:39 Uhr

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InfoBox

Cafe Creperie

Hagenstraße 36

45894 Gelsenkirchen-Buer

Tel.: 0209 375138

Öffnungszeiten

Montag bis Samstag: 9:00 – 24:00 Uhr

Sonn- und Feiertags: 14:00 – 23:00 Uhr

Zum Cafe Creperie gibt es ein Gastro-Video auf buerpott.

Eingerankt vom Efeu ragt das Schild des Cafes aus der Hauswand.

Das Tor zu einer anderen Welt.

Selbstgemachter Kuchen entzĂŒckt die Gaumen der Besucher.

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