23. Oktober 2009  00:00

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Weggefliegt?

Auf den Spuren von Peter Wendt

Wer ist Peter Wendt? Mit dieser Frage machten wir uns auf den Weg zu seiner Sportsbar in Buer – dem Fliegenpils. Verlassen haben wir das beliebte Kneipenviertel mit einer anderen Frage: Wo ist Peter Wendt?

Von Denise Albrecht und Daniel KrĂŒger

Kennengelernt haben wir Peter als witzigen und redseligen Wirt unserer Stammkneipe. Jeden Donnerstagabend zeigt sich sein Herz fĂŒr Studenten: Großes Bier fĂŒr 1,11 Euro. Das kleine Hexenhaus, das so gar nicht zur ortsĂŒblichen Bebauung passen möchte, platzt regelmĂ€ĂŸig aus allen NĂ€hten, wenn die vielen Studenten sein großzĂŒgiges Angebot annehmen. DĂ€mmeriges Licht, klirrende GlĂ€ser und lautes Stimmengewirr nimmt die GĂ€ste Woche fĂŒr Woche in Empfang. FĂŒr viele hier ist Peters Kneipe zum zweiten Wohnzimmer geworden; fĂŒr sie ist er ein einmaliger Kneipenwirt, fĂŒr uns ein echter Buerboss.

:: Ankunft ::

Wie abgesprochen stehen wir also Donnerstagmittag erwartungsvoll vor dem Fliegenpils, in der Hagenstraße 40. Wir sind um Punkt Zwölf mit Peter verabredet. Er freue sich, sagt er noch einen Tag vorher am Telefon. Also Donnerstag zwölf Uhr!

UngefĂ€hr Mitte Vierzig, leicht zerzauste blonde Haare, eine sympathische Erscheinung. Sein Gesicht ist vom unnachgiebigen Zigarettenqualm gegerbt, wie das eines norwegischen Fjordanglers vom rauen Nordmeerwind. Das öffentliche Rauchverbot kam ein paar Jahre zu spĂ€t. Mehr wissen wir zu diesem Zeitpunkt nicht ĂŒber Peter. Außer der Tatsache, dass er Schalke-Fan ist. Eine SelbstverstĂ€ndlichkeit fĂŒr ein Bueraner-Original. Seine KneipenwĂ€nde sind Ă€hnlich wie die Höhlen von Lascaux von den grĂ¶ĂŸten Erfolgen seines Vereins geziert. Sie zeugen davon, dass einst ein Haufen Neandertaler statt eines Mammuts das große Inter Mailand im Finale des Uefa-Cups erlegte.

:: Warten ::

Mittlerweile ist es fĂŒnf nach Zwölf. Wir stehen vor verschlossenen TĂŒren. Im Innern leuchten diffus ein paar GlĂŒhbirnen, wie uns ein erster vorsichtiger Blick durch die trĂŒben Scheiben offenbart. Eine Jacke hĂ€ngt schlaff ĂŒber einem Barhocker – von Peter keine Spur. Ein zaghaftes Klopfen verhallt ohne Reaktion. Ist es etwa gestern zu spĂ€t geworden?

Sportsbar, das bedeutet fĂŒr Peter, wirklich jedes Fußballspiel, das ĂŒber den Äther geschickt wird, zu ĂŒbertragen. Aus allen Winkeln seiner Kneipe ist mindestens einer der zahlreichen Flachbildschirme zu sehen. Eingerahmt von den blau-weißen "Höhlenmalereien" hĂ€ngt zudem eine Großbildleinwand ĂŒber dem Eingang von der Decke herab. Ein Stalaktit des digitalen Zeitalters. Peters angestammter Platz gleich hinter der ZapfsĂ€ule eröffnet ihm den besten Blick auf die Videoleinwand. Doch dieser Logenplatz steht fĂŒr ihn nur an zweiter Stelle – er lĂ€sst sich nicht davon abhalten, seine GĂ€ste schnell und freundlich zu bedienen. Keiner sitzt bei ihm auf dem Trockenen, zwischen fĂŒnf Biersorten lĂ€sst Peter den „König Kunde“ wĂ€hlen. Mit stets vollem Tablett flitzt er im Slalom gekonnt durch die Menge. Kein luftgefĂŒlltes Glas entgeht seinem geschulten Auge.

:: Immer noch Warten ::

Viertel nach Zwölf. Erste Zweifel werden laut. Wir schreiten zur Tat und wĂ€hlen seine Nummer. Das Freizeichen ertönt, aber die Hoffnung auf Antwort stirbt mit der einsetzenden Mailboxansage. Jetzt bemerken wir auch, dass durch die geöffnete TĂŒr Licht aus den Tiefen der Herrentoilette dringt. Erstmals regt sich bei uns der Verdacht, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Sollten wir etwa durch eine harmlose Buerpott-Recherche auf die FĂ€hrte eines Verbrechens gelockt werden?

Gerne hĂ€tten wir mehr ĂŒber Peter erfahren. Wie lange er den Laden schon betreibt, was er vorher gemacht hat, wie er auf den Namen „Fliegenpils“ gekommen ist und ob es sich fĂŒr ihn ĂŒberhaupt lohnt, Bier fĂŒr 1,11 Euro unters durstige Studentenvolk zu bringen. Um uns die Zeit zu vertreiben, studieren wir Peters GetrĂ€nkekarte. Zu gerne hĂ€tten wir gewusst, wie der Champagner so lĂ€uft, den er fĂŒr 160 Euro pro Flasche anbietet, hier im Mekka der Reichen und Schönen.

:: Aufbruch ::

Um 12.30 verlassen wir schließlich den vermeintlichen Tatort, jedoch nicht ohne beim benachbarten Pizzamann zu fragen, ob dieser etwas AuffĂ€lliges bemerkt hat. „Isse Peter weggefliegt?“, vermutet dieser mit sorgenvoller Miene. Und auch wir machen uns langsam Sorgen, nicht mehr bloß um Peter, sondern auch um unseren Artikel. Ein Buerboss ohne Buerboss? Oder doch die Geburtsstunde einer neuen Rubrik auf Buerpott. Wir prĂ€sentieren: "Die buerPOSSE".



Bisherige Kommentare

chuck   23.10.2009, 11:06:55 Uhr

einfach herlich...

Caro   23.10.2009, 11:32:33 Uhr

Großartig.

Julia   23.10.2009, 12:17:52 Uhr

Ihr habt aus der Not eine Tugend gemacht, einfach großartig ihr zwei;)

chuck   23.10.2009, 13:26:16 Uhr

einfach herlich...

Simon S.   23.10.2009, 15:55:30 Uhr

Vielleicht könnte Peter sich einfach hier mal melden damit wir uns nicht weiter Sorgen machen mĂŒssen.

Der Artikel ist doch ein schöner Beweise dass man doch manchmal aus trocken Brot ein Festmahl zaubern kann.

Jens   24.10.2009, 15:43:27 Uhr

Keine Sorge, Peter lebt.

Michael Schomers   30.10.2009, 21:32:56 Uhr

Hallo, ein wunderbarer Artikel, journalistisch erste Sahne. Aber mich wĂŒrde die "Auflösung" interessieren:

* Kapitalvverbrechen in Gelsenkirchen?

* Peter lebt zwar, so wird gemeldet, aber WO und WIE???

* Die Reporter haben die Örtlichkeit verwechselt und waren ggarnicht vor dem "Flliegenpils" sondern in Wirklichkeit vor der SCHALKE-ARENA???

Vielleicht sollte demnÀchst mal ein TV-Team von buerTV der Sache nachgehen und - im wahrsten Sinne des Wortes - ENDLICH LICHT IN DIE SACHE BRINGEN!

Auf jeden Fall: ein wunderbarer Artikel. Herzloichen GlĂŒckwunsch!

Sascha Bork   20.08.2010, 02:09:13 Uhr

Hallo,

Dolberg wird fĂŒr keinen einen Begriff sein.Liegt in Ahlen Westfalen, wo ich seit 2004 wohne. Peter habe ich das erste mal kennen gelernt in seiner alten Kneipe Rappelkiste. Er ist wie und bleibt,wie Unser Charly Neumann bei Schalke04, ein Unikum fĂŒr die Buerschenschaft in Buer, wo auch sonst.

Er ist liebenswĂŒrdig und sorgsam und hat fĂŒr jeden immer ein offnes Ohr.

Ich freue mich, wenn ich das nĂ€chste mal in Buer bin, ihn im seinem Fliegenpilz, mal wieder die Hand schĂŒttel und Ihm ein GlĂŒck Auf wĂŒnsche. Peter Du bist einfach Wunderbar. Schalke wird Deutscher Meister, davon bin ich ĂŒberzeugt.



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InfoBox

Die Sportsbar Fliegenpils liegt im Herzen Buers, der Hagenstrasse 40, in 45894 Gelsenkirchen. Telefonisch erreicht Ihr den Inhaber Peter Wendt meistens unter 0209 375845.

Öffnungszeiten:

Sonntag bis Freitag ab 17 Uhr

Samstag ab 12 Uhr

Donnerstag ist Biertag!

Peters Leidenschaft fĂŒr Fußball ist schon von außen zu erkennen.

Wir stehen vor verschlossenen TĂŒren.

Mysteriös - drinnen brennt Licht.

Auch telefonisch ist Peter nicht zu erreichen.

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