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Pro NRW-Parteitag III

»Hupen gegen Nazis«

Bürgerlicher Protest: Im Schloss tagt der Landesverband Pro NRW und vor dem Schloss tobt der Widerstand. 600 Demonstranten trotzen dem Regen und formulieren lautstark ihre Ablehnung gegen Faschismus und weich gespülte rechte Vereinigungen.

::   VON LARS MICHAEL BOLLWEG   ::

15.6.09, 00:02   Es ist ein Thema, das polarisiert. Der Landesverband ProNRW tagt im Schloss Horst (buerpott berichtete), und das gegen den stärksten Widerstand der Stadt Gelsenkirchen und seiner Bürger. Die mit Islamisierungs- und Überfremdungsängsten spielende rechtspopulistische Vereinigung ProNRW hatte sich das Recht auf Nutzung der Glashalle vor Gericht erkämpfen müssen und machte heute davon Gebrauch. Aber nicht ohne Zwischentöne. Rund 600 Demonstranten machten, laut Polizeiangaben, auf der Kundgebung auf dem Josef-Büscher-Platz lautstark auf sich aufmerksam.

:: PRO NRW ist nicht willkommen ::

Vier Bands beschallten das gegenüberliegende Schloss mit einer lauten Mischung aus Rock und antifaschistischen Liedern, die bis in die Glashalle zu hören waren. Nur unterbrochen von den nicht weniger lauten Reden der Vertreter der linken Vereine und Verbände, sowie von Oberbürgermeister Frank Baranowski, dem Schirmherr der Veranstaltung. »In den letzten Wochen haben wir 60 Jahre Grundgesetz gefeiert, und damit auch 60 Jahre wehrhafte Demokratie. Heute zeigen wir PRONRW, dass wir uns wehren. Und zwar lautstark. Demokraten müssen sich wehren.« rief Baranowski in die Menge. »Wir dürfen nicht schweigen für unsere Freiheit. ProNRW war gestern nicht willkommen. ProNRW ist heute nicht willkommen und ProNRW wird auch morgen nicht willkommen sein in Gelsenkirchen. «

:: Wehret den Anfängen::

Vertreten waren neben den Mitinitiatoren, den Falken und der Linken Alternative, auch Bündnis 90 Die Grünen, die SPD, die IG Metal, VERDi, und die MLPD, die neben Schloss Horst ein Jungendzentrum unterhält. »Es ist eine Frechheit, dass die Nazis gerade das Schloss Horst ausgesucht haben. Genau gegenüber ist unser Jugendzentrum. Wir fühlen uns verpflichtet, hier gegen Rechts zu demonstrieren. Wehret den Anfängen. « meint Sven am Informationsstand von REBELL, der sozialistischen Jugend der MLPD.

:: »Heute ist die NPD im Schloss «::

So lautstark der Protest auch war, so zeichneten gerade die leisen Stimmen ein besorgniserregendes Bild. Angesprochen auf die Demonstration bewiesen diverse Passanten Unkenntnis, was den Grund der Veranstaltung anging. So beschwerte sich ein Herr auf dem Fahrrad: »Dass die gerade heute demonstrieren müssen, wenn Stadtfest ist. – Können die das nicht wann anders machen«. Und ein weiterer Passant meinte: »Heute tagt die NPD im Schloss – Verboten wird die auch nicht mehr.« Und wieder andere waren tief erschrocken beim Anblick der Demonstranten.

Ob es am Regen, am Stadtfest, oder am verkaufsoffenen Sonntag lag, bleibt unbeantwortet. Aber von den von der Polizei, erwarteten 1500 Demonstranten, waren gerade mal die Hälfte erschienen.

:: Protestmarsch durch Horst ::

Deshalb nutzten die Veranstalter der Demonstration den Protestmarsch, durch die Horster Innenstadt, auch nochmal dazu lautstark auf ihr Anliegen hinzuweisen. Mit Megafon und Sprechchören informierten sie auch die Bürger, die bis dahin von der Veranstaltung ferngeblieben waren, oder sich ihrer überhaupt nicht bewusst gewesen waren. Begleitet von einem großen Aufgebot der Polizei zog der friedliche Zug durch die engen Straßen der Horster Altstadt.

:: Heftiger Protest – aber friedlich ::

Einziger Streitpunkt der ansonsten friedlichen Veranstaltung war der Video-Wagen der Polizei. Dieser filmte die Demonstranten während des gesamten Protestzuges. »Ich finde es eine Unverschämtheit hier gefilmt zu werden,« rief eine Demonstrantin, »wir sind doch keine Verbrecher. Die sollen die Herren von ProNRW filmen.«

Dazu erklärte der Pressesprecher der Polizei, Jochen Krügel:« Die Kamera diente rein der präventiven Beweissicherung. Da es aber keine Vorfälle gab, wird das Material nicht archiviert. Die ganze Veranstaltung lief eigentlich ab, wie wir es erwartet hatten. Heftiger Protest, aber friedlich.«

:: Hupen gegen Nazis ::

An friedlicher und teilweise heftiger Solidarität ließen es aber auch die Gelsenkirchener Nicht-Protestanten nicht missen. Dem Aufruf – »Hupen gegen Nazis« folgten zahlreiche Auto- und Busfahrer und unterstützten so die Kundgebung lautstark.



Bisherige Kommentare

Frank   15.06.2009, 18:18:26 Uhr

Interssant....600 Gegendemonstranten!

Ich selbst habe das »Häuchen« gesehen...es waren, wenn überhaupt, gerade mal 100 Personen. Warum wird denn kein ganzes Bild der Gegendemo gezeigt? Immer nur Nahaufnahmen. Antwort: weil kaum Leute da waren und die Leute die da waren, sollte man auch nicht zeigen; ich frage mich, aus welcher Gosse einige dieser Personen gezogen wurden. Bitte liebes Buerpott Team, beid er Wahrheit bleiben und nicht a la Bildzeitung mehr als übertreiben. P.S. Bild und WAZ sollten nicht Eure Vorbilder sein... ;-)

Biber   15.06.2009, 19:32:30 Uhr

Da kann ich Frank nur zupflichten,

ein kleines Häufchen Linksfaschisten, Kommunisten die eh noch nichts dazugelernt haben. Hakenkreuzschmiererreien auf dem Container vor dem Schloß wurden schnell überpinselt. Die NPD ist ja nun wirklich kein Vergleich mit PRO. Die lautstarken Müllmusiker aus alten Zeiten haben leider auch musikalisch nichts drauf. Wer hört sich schon solchen Schrott an. Kein Wunder dass schon um 17:00 Uhr keine Seele mehr zu sehen war.

Frank B. aus W.   15.06.2009, 19:52:24 Uhr

Bisher dachte ich ja, dass Linke über keinen Humor verfügen, aber ich wurde eines Besseren belehrt.

Da hatten die doch tatsächlich ein Banner mit der Aufschrift »Vielfalt statt Einfalt«

Ein Haufen von Gegendemonstranten, der mit keinem einzigen Argument gegen Pro NRW punkten kann, sondern nur dumpsinnig »Nazis raus« brüllt, hat ein solches Banner.

Der Islam interessiert sich außer dem Islam für nichts anderes. Und wenn es mal ein Moslem schafft einen Nobelpreis in Naturwissenschaften zu bekommen, dann wird er aus der Uma (muslimische Glaubensgemeinschaft) ausgeschlossen und unehrenhaft beerdigt (siehe Wikipedia/Nobelpreisträger). Das zum Thema Islam und Vielfalt.

Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei den Komikern auf der Seite der Linken bedanken, denn so wurde ein Wahlmarathon abwechslungsreich für uns.

Noch ein Tipp für alle, die noch nicht mit Drogen in Berührung kamen: Lasst die Drogen aus dem Leib. Ihr wollt doch sicher nicht so schwachsinnig wie die Linken werden.

Johannes Büchl   15.06.2009, 23:45:40 Uhr

Interessant, wie die drei Herren Vorredner sich kaum noch Mühe geben, ihre inhaltliche Befangenheit zu verschleiern. Abgesehen von der argumentativen Armut, finde ich, man sollte wenigstens dazu schreiben, dass man dem fraglichen Verein angehört.

Frank   16.06.2009, 11:42:45 Uhr

@Johannes Büchl,

ich bin kein Pro Mitglied. Ich habe mich erst auf der »Gegenseite« umgeschaut und mit das »Häufchen« angeschaut. Dann war ich Gast bei Pro, die mich herzlich als Gast empfangen haben.

P.S. die Schnitzel und der Nudelsalat waren echt klasse!

Aber vielleicht erleuchten Sie uns mit handfesten Argumenten und nicht mit den »Nazi raus« Müll. Von Ihrer Seite habe ich bis dato noch keine handfesten Argumente gehört (außer der Faschistenkeule).

Johannes Büchl   17.06.2009, 18:50:13 Uhr

@ Frank

Weder habe ich bisher mit der Faschistenkeule geknüppelt noch waren von mir »Nazis raus«-Rufe zu hören (die ich im Übrigen unterstütze, wenn es zutrifft).

Was ich mit argumentativer Armut meine? Es ist nicht sehr sachlich, sich angesichts der Demonstranten zu fragen, »aus welcher Gosse einige dieser Personen gezogen wurden«. Noch weniger sachlich sind Ausdrücke wie »Linksfaschisten«, Wendungen in der Art »schwachsinnig wie die Linken« und Qualifizierung selbiger als »Müllmusiker«.

Worüber reden wir – Aussehen, Gesangsqualitäten oder politische Orientierung? Falls letzteres, bin ich für Differenzierung, wie bei jedem Thema. »Pro NRW« sehe ich dann nicht als Nazis an. Aber als Versammlung verängstigter Kleinbürger, die ein Phänomen sehen (Fanatismus), dessen historische Gründe nicht in Betracht ziehen und, vor allem, aufgrund extremer Auswüchse gleich eine ganze Religionsgemeinschaft in Sippenhaft nehmen.

Terrorismus in irgendeiner Form heiße ich bestimmt nicht gut. Aber auf die zwingende Erklärung, warum jede Moschee ihn befördert (und deshalb in durchgestrichener Form als Logo herhalten muss) warte ich noch.



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