26. Januar 2009  15:39

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Preisgekrönter Kaffee

"Buersche Mischung" geht auf Tour

GĂŒnter Pichotka ist 69 und nippt am Kaffee. "Die Jungs machen das richtig prima", sagt er, und, jawohl, er sei Stammgast im Odiba, der Kaffeerösterei am Goldbergplatz. Seine "Jungs", das sind Peter Ullrich und Rainer Baldes. Sie erfanden die "Buersche Mischung" - einen seit heute preisgekrönten Kaffee.

Von Martin Liebig

Ein ordentlicher Start ins Jahr war das fĂŒr Ullrich (50) und Baldes (49). "Kaffee des Monats" dĂŒrfen sie ihre "Buersche Mischung" jetzt nennen, eine Komposition aus sĂŒdamerikanischen Hochlandbohnen und afrikanischen GewĂ€chsen. Insgesamt fĂŒnf Sorten ergĂ€nzen einander in der Mischung, beziehungsweise: in der "CuvĂ©e", wie die Fans des Webportals "kaffee.de-Club" sagen wĂŒrden.

:: Die Mischung geht auf Tournee ::

Es waren die Betreiber dieses virtuellen Clubs, die die "Buersche Mischung" in den Adelsstand erhoben. "Der Tipp kam von einem Club-Mitglied", erzÀhlt Matthias Kliemt (42), der sich zur Feier des Tages in ein dunkelbraunes Sakko geworfen hat. Zusammen mit Frank Winkel (40) betreibt er das Web-Portal, "ehrenamtlich", wie Kliemt betont, "als Hobby, einfach aus Liebe zum Kaffee".

FĂŒr Peter Ullrich und Rainer Baldes heißt das: ihre Mischung geht ab heute auf Verkostungs-Tournee. Rund 50 Kaffee-Fans zwischen Hamburg und Landshut bekommen in den nĂ€chsten Tagen ein duftendes Pfund der Kreation zum AufbrĂŒhen und Genießen. Das machen Kliemt und Winkel mit jedem "Kaffee des Monats" so.

:: Fair gehandelte Bohnen ::

Dabei ist es nicht einmal ein halbes Jahr her, dass die ersten Odiba-Kunden den PrĂ€dikats-Kaffe kosteten. Erst Ende August hatten Ullrich und Baldes ihr CafĂ© eröffnet (buerpott berichtete), "obwohl wir", so Baldes, "schon seit zehn Jahren von einer eigenen Rösterei getrĂ€umt haben". Die Bohnen im Odiba stammen aus aller Welt, aus Guatemala, Brasilien, Äthiopien, Kenia. Mit einer Ausnahme: Vietnam. "Da kommt mittlerweile der grĂ¶ĂŸte Export der Welt her", sagt Baldes. Konkurrenzlos billig zwar, aber von gerodeten Regenwald-FlĂ€chen und geerntet zu Hungerlöhnen: "Nichts fĂŒr uns. Unser Kaffee ist fair gehandelt, zu 100 Prozent".

:: Ein SozialpÀdagoge an der Rösttrommel ::

Der Ausschank lÀuft ordentlich im gediegenen Orange-Braun-Ambiente, der Kaffee-Verkauf noch ein bisschen holprig. "Immerhin", sagt Ullrich und lÀchelt, "unsere Steuerberaterin hat noch nicht gesagt: 'Macht sofort zu'". Darauf verlassen sie sich notgedrungen: GeschÀftsleute sind beide Odiba-Chefs nicht. Baldes ist SozialpÀdagoge von Haus aus, Ullrich Schriftsetzer. Als beide den Job verloren, machten sie ihr Hobby zum Beruf - das Kaffeerösten. Eine Kunst, die sie nebenher auf Seminaren und Fortbildungen studierten. Ein Ausbildungsberuf ist Rösten bis heute nicht.

:: Bohnen brauchen Zeit ::

GĂŒnter Pichotka ist fertig mit seinem KreuzwortrĂ€tsel, die Tasse ist auch leer. Zum Abschied gibt er den Odiba-Chefs die Hand und sagt noch, dass er "prima" findet, dass es hier jeden Tag eine andere Sorte zu kosten gebe. An die 80 Kilo Bohnen wandern Woche fĂŒr Woche in die große Rösttrommel am Eingang, erklĂ€rt Rainer Baldes. 15.000 Euro hat das rote UngetĂŒm mit Nostalgie-Note gekostet, aber ob eine Röstung gelingt, ist nur zum Teil eine Frage des Maschinenparks. Aufs Tempo kommt's an, beziehungsweise: auf die Gelassenheit.

"Industriekaffee", so nennt ihn Baldes und lehnt sich zurĂŒck, liegt meist nur zwischen anderthalb und drei Minuten auf 600 Grad heißem Rost. Im Odiba dauert das Rösten 15, 20, manchmal 25 Minuten, bei 190 bis 200 Grad. "Das macht den Kaffee viel bekömmlicher", sagt Baldes, "die Chlorogen-SĂ€ure wird weggeröstet, das ist der Stoff, der bei billigeren Sorten auf den Magen schlĂ€gt". Und Kaffee-Öl, das kommt ihm auch nicht ins GeschĂ€ft: "Damit tĂ€uschen die Kaffee-Pads Frische vor".

:: Regionale Röstereien im Trend ::

Matthias Kliemt, der Mann vom Kaffee-Club, schießt derweil noch ein paar Erinnerungsfotos. "So langsam kommen die regionalen Röstereien wieder", sagt er, das sei schon ein Trend. An die 10 GeschĂ€fte seien es inzwischen wieder im Ruhrgebiet, schĂ€tzt er. Das sind nicht viele, in den 50er Jahren gab es vermutlich 20 Mal mehr im Revier, "aber vor fĂŒnfzehn Jahren hatten wir gar keine Rösterei mehr im Ruhrgebiet". Dann befiehlt er seine PreistrĂ€ger in Positur neben die Röstmaschine und drĂŒckt den Auslöser.



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Zwischen 6,95 und und 9,85 Euro kosten die elf Sorten im Pfund, die das "Obida Coffee" am Goldbergplatz 6A zum Verkauf anbietet. Von "wĂŒrzig-fruchtig" bis "mittelkrĂ€ftig mit schokoladiger Note" sind die Mischungen im Charakter, sagen Peter Ullrich und Rainer Baldes. Die preisgekrönte "Buersche Mischung" kostet 6,95 und sei "das beste aus fĂŒnf LĂ€ndern". Das sahen auch die Mitglieder des Kaffee.de-Clubs so und kĂŒrten die Kreation zum "Kaffee des Monats Januar".

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